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	<title>Der Hamburger</title>
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		<title>Rocky</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Mar 2013 10:52:26 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[<p>Das Musical, das auf dem mit drei Oscars ausgezeichneten gleichnamigen Kultfilm des amerikanischen Schauspielers Sylvester Stallone basiert, feiert in Hamburg seine Weltpremiere. Den Zuschauer erwartet nach Aussage der beiden in der Hansestadt lebenden Box-Weltmeister und Co-Produzenten Vitali und Wladimir Klitschko ein Live-Erlebnis voller Werte wie Mut, Liebe, Ehrlichkeit und den Glauben an sich selbst, eingebettet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Musical, das auf dem mit drei Oscars ausgezeichneten gleichnamigen Kultfilm des amerikanischen Schauspielers Sylvester Stallone basiert, feiert in Hamburg seine Weltpremiere. Den Zuschauer erwartet nach Aussage der beiden in der Hansestadt lebenden Box-Weltmeister und Co-Produzenten Vitali und Wladimir Klitschko ein<br />
Live-Erlebnis voller Werte wie Mut, Liebe, Ehrlichkeit und den Glauben an sich selbst, eingebettet in weltberühmte Hymnen wie »Eye oft the Tiger« oder »Gonna fly now«</p>
<p>Ort: Operettenhaus</p>
<p>Datum: 27. November bis 31. März 2013</p>
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		<title>Frühling 2013</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Mar 2013 17:36:25 +0000</pubDate>
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		<title>Mit Heine durch den Hafen</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Mar 2013 17:31:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Rund um Hamburg]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Wenn »Die Stromableser« zu ihren Rundfahrten auf die Elbe bitten, dann hören die Gäste nicht nur etwas von einem der bedeutendsten deutschen Dichter des 19. Jahrhunderts. Auch Siegfried Lenz, Friedrich Klopstock, Egon Erwin Kisch und viele andere sind mit an Bord.</p> <p>Hafenrundfahrten – die kennt wohl jeder in dieser Stadt zur Genüge. Aber schon mal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.derhamburger.info/wp-content/uploads/2013/03/MG_9493.jpg" alt="" title="Mit Heine durch den Hafen" width="800" height="533" class="alignleft size-full wp-image-4900" /><strong>Wenn »Die Stromableser« zu ihren Rundfahrten auf die Elbe bitten, dann hören die Gäste nicht nur etwas von einem der bedeutendsten deutschen Dichter des 19. Jahrhunderts. Auch Siegfried Lenz, Friedrich Klopstock, Egon Erwin Kisch und viele andere sind mit an Bord.</strong></p>
<p>Hafenrundfahrten – die kennt wohl jeder in dieser Stadt zur Genüge. Aber schon mal was von literarischen Hafenrundfahrten gehört? Von Büchern und Barkassen? Vorgetragenes ab Anleger Vorsetzen? Wie passt das zusammen? »Gut«, haben sechs Freunde, die meisten von ihnen heute in den Fünfzigern, schon vor zehn Jahren entschieden und sich den sinnigen Namen »Die Stromableser« gegeben. Drei von ihnen organisieren bereits seit langem Rundfahrten in der Hafengruppe Dritte-Welt, eine stammt aus der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg. Ein Germanistik-Lehrer ist dabei – und Bea Holtmann: Auch sie ehemals Pädagogin, lange aber schon Buchhändlerin im eigenen Laden »Seitenweise« am Hammer Steindamm, was sicherlich eine gute Voraussetzung für diese Art von Nebenberuf ist und sie geradezu als Ansprechpartnerin prädestiniert. Tatsächlich laufen die Buchungen der einzelnen Fahrten (nachzulesen im Internet) bei ihr auf, »aber ansonsten sind wir eine Gruppe, die alles gleichermaßen und gleichberechtigt macht.«</p>
<p>So wie im vergangenen Winter die Planung der neuen Tour, der sechsten im Programm. »Die Korallen sahen aus wie Hirschgeweihe« lautet ihr etwas schräger Titel und handelt vom Reisen. Nachdem man sich auf das Motto geeinigt hatte, fing – wie auch bei den zuvor konzipierten Touren – das gedankliche Suchen an: Welche Texte könnten passen? Man trug zusammen, las sich gegenseitig vor, sortierte wieder aus, kürzte hier und dort und brachte das, was Bestand hatte, in die rechte Reihenfolge. Blieb noch die Feinabstimmung mit den Gegebenheiten, soll heißen: Was liegt auf der Strecke? Die Landungsbrücken etwa zu »Einstein überquert die Elbe bei Hamburg« von Siegfried Lenz? Passt perfekt. Dabei sein wird auch eine Passage aus dem Buch »Kurs Galapagos«, denn da geht’s um die abenteuerliche Fahrt von fünf Brüdern, die sich zur trostlosen Nazi-Zeit aufgemacht haben Richtung Paradies-Insel. Und weil es in Harburg losging, erfüllt auch diese Neuerscheinung die ambitionierten Ansprüche der Stromableser: Texte von Hamburger Autoren oder aber Texte über Hamburg sollen es sein, die das Publikum auf der Elbe und ihren Seitenarmen und natürlich im Hafenbecken geboten bekommt.</p>
<p>Um bei der Wahrheit zu bleiben: Es gibt hier und da Ausnahmen, deshalb könnte auch Thomas Manns »Tonio Kröger auf See« den Sprung auf die Leseliste der Reise-Route geschafft haben. Oder Egon Erwin Kisch oder Jack Kerouac, mal sehen. Ein bisschen Überraschung muss ja sein, wenn die 50 bis 60 Passagiere (sind es mehr, ist die Barkasse größer) an der Überseebrücke, gleich beim roten Feuerschiff, an Bord gehen. Für die nächsten zwei Stunden wird ihr Blick auf die Stadt dann ein sehr unterhaltender sein. Wohin sie auch schauen, die zum Ort passende Literatur ist immer zu hören, im Wechsel rezitiert von allen Stromablesern. »Einer allerdings«, schränkt Bea Holtmann ein, »ist immer vorn beim Käpt’n, um Anweisungen zu geben – hier jetzt mal ganz langsam fahren oder bitte mal eine Runde drehen.«<br />
Dem hörenden Betrachter bringen die Vorleser auf diese Weise die unterschiedlichen Gesichter des Hafens und seine Geschichten nahe. Und die decken die ganze Palette ab, von dramatisch über erotisch, lyrisch, politisch bis ironisch ist alles dabei. Oder auch emotional, wenn es bei Ferdinand Beneke um die »Beerdigung des Dichters Klopstock« geht. »Das war unglaublich damals«, erzählt Bea Holtmann. »Er war der erste literarische Popstar und im Trauerzug schrien hysterische Mädchen. Die Kirche in Altona, in der er begraben ist, sehen wir vom Wasser aus.« Angereichert wird dieser Part durch zwei Gedichte, eines von Friedrich Klopstock selbst und eines über ihn von Heinrich Heine. Von dort geht es weiter zum Altonaer Balkon, wo Richard und Ida Dehmel zeitweise stilvoll wohnten und künstlerisch wirkten. Als interessantes Kontrastprogramm bietet sich im Folgenden der anonyme, dennoch literarische »Bericht einer Prostituierten« an sowie Klabunds »Hamburger Hurenlied«. Die Tour heißt übrigens »Ebbe und Flut« oder auch »Hamburger Geschichten vom Unten und Oben«. Und wer diese nachlesen möchte, nimmt sich einfach die ausliegende Liste mit den Literaturangaben mit. </p>
<p>Die gibt es natürlich zu allen sechs Touren, die jeweils am Wochenende und nur einmal pro Jahr (die neue zweimal) stattfinden. Alle Organisatoren haben immerhin noch einen Hauptberuf, deshalb ist zeitlich nicht mehr drin. Na ja, manchmal schon, wenn sie für Betriebsfeste oder Geburtstagsfeiern gebucht werden. Oder wenn sie, wie im vergangenen Jahr, ein historisches Ereignis zum Anlass nehmen, eine komplette Sondertour zum Thema »Sturmflut« zu kreieren. Ein berührendes Erlebnis sei das für alle gewesen, die damals mittendrin waren, erinnert sich Bea Holtmann. </p>
<p>Sie selbst ist übrigens in Süddeutschland aufgewachsen. Aber schon als Kind ist sie mit der Familie immer in Holland gesegelt und noch heute mietet sie sich gern mal ein Boot auf der Alster. Das war übrigens der Grund für sie, nach Hamburg zu ziehen: »Ich wollte einerseits dahin, wo Wasser ist, und andererseits in die große, weite Welt.« Für beides steht der Hafen. Aber ausgerechnet »Abend mit Goldrand« mag sie am liebsten. Das Zitat des Hamburger Literaten Arno Schmidt stand Pate für das Motto der ersten Tour der Stromableser. Und die führt noch heute durch schmale Kanäle in die grün umrankte Idylle der Bille.</p>
<p>Foto Jan Northoff | Text Andrea von Treuenfeld</p>
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		<title>Bildschöne Außerirdische</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Mar 2013 17:31:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Persönlichkeiten & Portraits]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>»Space Oddity« heißt ein Bowie-Song, der übersetzt so viel wie »wunderliches Weltall« heißt. »Space Oddity« ist auch der Titel einer Ausstellung, die am 18. April im Projekthaus in Ottensen beginnt. Sie zeigt Werke des malenden Physikers und »Stern«-Reporters Dr. Horst Güntheroth.</p> <p>Manchmal findet künstlerische Freiheit ganz banale Grenzen: »Einssechzig mal einszwanzig – das Format passt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.derhamburger.info/wp-content/uploads/2013/03/Horst_Guentheroth_neu_OPS.jpg" alt="" title="Bildschöne Außerirdische" width="450" height="600" class="alignleft size-full wp-image-4905" /><strong>»Space Oddity« heißt ein Bowie-Song, der übersetzt so viel wie »wunderliches Weltall« heißt. »Space Oddity« ist auch der Titel einer Ausstellung, die am 18. April im Projekthaus in Ottensen beginnt. Sie zeigt Werke des malenden Physikers und »Stern«-Reporters Dr. Horst Güntheroth.</strong></p>
<p>Manchmal findet künstlerische Freiheit ganz banale Grenzen: »Einssechzig mal einszwanzig – das Format passt gerade noch in meinen Volvo«, sagt Horst Güntheroth. Und weil er seine Bilder selbst transportieren möchte, ist für die Leinwände in seinem Atelier bei diesem Maß Schluss. Das tut Güntheroths Liebäugelei mit größeren Dimensionen zwar keinen Abbruch, sorgt andererseits aber dafür, dass man für seine Werke bisher keine riesigen Wände benötigt. In Arztpraxen und Anwaltskanzleien, aber auch in privaten Wohnräumen hängen sie und ziehen den unbedarften Betrachter ebenso in ihren Bann wie denjenigen, der sich das Thema des Bildes erklären lässt.</p>
<p>Titel wie »Sonnenfeuer« oder »Sternenstaub« verraten, womit sich der 53-Jährige künstlerisch auseinandersetzt: das Universum mit all seinen faszinierenden Erscheinungen und Geheimnissen. Der Physiker hat sich in seiner Doktorarbeit mit der Quantenmechanik beschäftigt, den Zusammenhängen zwischen den winzig kleinsten Teilen unseres Daseins, und dabei auch den Sinn für das große Ganze geschärft. Weltraumteleskopbilder inspirieren ihn zu verfremdeten Darstellungen des Polarlichts, der Milchstraße oder galaktischer Schleiernebel. »Natürlich kann man die Bilder einfach nur schön finden. Man muss nicht wissen, was bei der Geburt eines Sterns vor sich geht«, hebt Güntheroth hervor, »aber wer es wissen möchte, dem erkläre ich es gern.«</p>
<p>Als Wissenschaftsjournalist beim »Stern« hat er mehr als 20 Jahre Erfahrung darin, komplexe Sachverhalte herunterzubrechen und zu veranschaulichen. Einen kleinen Beitrag zum Brückenbau über den oft tiefen Graben zwischen Natur- und Kulturwissenschaften hofft Güntheroth nicht nur mit Worten, sondern auch mit Bildern leisten zu können. Nun haben zwar seine »Aliens«, die ein wenig an Quallen erinnern, mit handfester Wissenschaft nicht viel zu tun. Doch er ist überzeugt: »Irgendwo außerhalb unseres Sonnensystems wird es andere Lebensformen geben.« Wenngleich die Entfernungen viel zu riesig seien, als dass die Menschheit den fremden Wesen je begegnen würde.</p>
<p>Dass seine Außerirdischen so gelungen herunterlaufende Farbnasen haben, ist der Experimentierlust und Geduld ihres Erschaffers zu verdanken, denn weder zu lang noch zu kurz und schon gar nicht schleifenförmig sollten sie werden. »Ich wollte mal was anderes machen und habe unglaublich lange dafür gebraucht, bis nach sieben oder acht Schichten die kleinen, hellen Aliens im Hintergrund dem Bild endlich Tiefe gaben. Jetzt liebe ich es; es ist irgendwie wild, hat aber auch etwas Beruhigendes.« Er habe keine Ahnung, wie ein Außerirdischer aussehe. »Aber als Künstler traue ich mich immer mehr, mich von der Naturwissenschaft zu lösen.« Bewusst grenzt er sich von den Space-Art-Künstlern ab, malt zwischendurch verschmitzte Schafe als beliebte Geschenke und probiert in seinem Atelier am Schanzenviertel aus, was sich aus Gips und Moltofill auf die Leinwand bringen lässt.</p>
<p>Während die Farben trocknen, zieht es den gebürtigen Hessen, den die Liebe zum Wasser und der Beruf nach Hamburg führten, oft ins Café »Unter den Linden« in der Juliusstraße. Die lebendige Schanze hat es ihm angetan, auf dem kurzen Fußweg staunt er immer wieder über das Gewusel rund um die Sternbrücke und die Wohnungen zwischen Bahngleisen und vierspurigen Straßen. Vor 13 Jahren begann Güntheroth, sich intensiver mit der Malerei zu beschäftigen, vor drei Jahren transportierte er die Malutensilien von der Eppendorfer Wohnung ins Atelier in der Max-Brauer-Allee. »Seitdem freue ich mich über regnerische Novembersonntage und werde unruhig, wenn es im Sommer zu lange sonnig ist.« Es gebe, so sagt er, zwei Situationen, in denen er Glücksgefühle gezielt herbeiführen könne: »Die erste ist beim Malen; ich erschaffe da etwas, das mir nie wieder so gelingen wird. Und die zweite, wenn ich mit meinem Oldtimer, einem TR 6, dem Sonnenuntergang entgegenfahre.«<br />
Als Mittelpunkt des Universums fühlt er sich dann und weiß doch zugleich, dass die Erde in den unvorstellbaren Dimensionen des Kosmos nicht mehr als ein Staubkorn ist. Spannend seien die Fragen nach Endlichkeit und Unendlichkeit, sagt Güntheroth, der sich immer schon für Philosophie interessierte und mit seinen Bildern versucht, den vielen unergründlichen Themen, die die Menschen seit dem Urknall beschäftigen, ein wenig auf die Schliche zu kommen. Das Interesse an dem, was der Autodidakt in Sachen Kunst auf die Leinwand bringt, wächst stetig. Planetariumsdirektor Thomas W. Kraupe lobte in einer Laudatio, dass Güntheroth »die intellektuelle Schönheit seiner Wissenschaft nicht nur erkennt, sondern sie umsetzt in eine ästhetische Auseinandersetzung mit wissenschaftlicher Erkenntnis.«<br />
Kürzlich fragte eine Galerie aus London wegen einer möglichen Ausstellung an. Prima wäre es, wenn das klappt, sagt einer, der von der Kunst nicht leben muss, sondern seine Brötchen mit Reportagen über Tablettensucht, die Wasserversorgung in einer Großstadt oder den Klimawandel verdient. Rund 20 Werke hat er in den vergangenen drei Jahren verkauft, mit dem kleinen Trennungsschmerz lernt er inzwischen umzugehen. »Das wird weniger, wenn man weiß, das Bild ist in guten Händen.« So wie bei Freunden in Köln, denen er ein Bild zur Hochzeit schenkte und die ihm das schönste Kompliment machten: »Hotte, immer wenn wir an deinem Bild vorbeigehen, macht es uns Freude.«</p>
<p>Foto Maurice Kohl | Text Anneke Fröhlich</p>
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		<title>Jeden Tag Alsterwasser &#8211; das hält Bodo seit 57 Jahren fit</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Mar 2013 17:31:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Persönlichkeiten & Portraits]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Und der Mann, von dem die meisten Hamburger nur den Vornamen kennen, denkt noch lange nicht ans Aufhören. Auch in diesem Frühjahr wird er an seinem Steg wieder die Ruder-, Segel- und Tretboote ins Wasser lassen und sich auf viele Besucher und Prominente freuen.</p> <p>Wenn er auf seinem Hocker neben dem kleinen Holzhaus auf dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.derhamburger.info/wp-content/uploads/2013/03/BODO01_OPS.jpg" alt="" title="Jeden Tag Alsterwasser - das hält Bodo seit 57 Jahren fit" width="420" height="600" class="alignleft size-full wp-image-4909" /><strong>Und der Mann, von dem die meisten Hamburger nur den Vornamen kennen, denkt noch lange nicht ans Aufhören. Auch in diesem Frühjahr wird er an seinem Steg wieder die Ruder-, Segel- und Tretboote ins Wasser lassen und sich auf viele Besucher und Prominente freuen.</strong></p>
<p>Wenn er auf seinem Hocker neben dem kleinen Holzhaus auf dem Fähranleger »Alte Rabenstraße« sitzt und auf seine Segel- und Ruderboote schaut, wenn sich auf der ruhig daliegenden Alster die Wolken, Bäume und das gegenüberliegende Hotel Atlantic spiegeln, »dann«, sagt Bode Windeknecht, »dann bin ich glücklich!« Seit 57 Jahren ist die Alster sein Arbeitsplatz, zum 55. Mal lässt er in diesem Frühling die Boote zu Wasser. An warmen Tagen trifft sich dann bald wieder halb Hamburg bei ihm, um sich eines zu leihen oder in einem Liegestuhl zu sonnen, um im Café nebenan ein Bier oder einen Latte Macchiato zu trinken, einen Salat zu essen, ein Eis zu schlecken – und dabei immer den Blick über das Wasser zu genießen. »Bodo’s Bootssteg« ist einer der schönsten Plätze der Stadt. Und der Mann, unter dessen Namen dieses Kleinod am Harvestehuder Weg berühmt geworden ist, gehört zu den interessantesten Menschen hier.</p>
<p>Sein Gesicht ist deutlich gezeichnet von Wind, Wasser, Sonne und Regen. Die Augen des 72-Jährigen aber glänzen wie die eines jungen Mannes, der von seiner ersten Weltreise erzählt. Denn er hat viel erlebt auf dem Steg seines Lebens. Mit gerade einmal 15 Jahren begann er als Bootsjunge beim damaligen Bootsvermieter Walter Rabitz sein Taschengeld aufzubessern. 1957 setzten die beiden die ersten Tretboote – getauft auf die Namen »Bella« und »Bimba« – aufs Wasser. »Die anderen Bootsbesitzer sagten, das wäre nichts«, erinnert sich Bodo. »Doch schon in der ersten Saison florierte das Geschäft.« Also wurden bereits im Winter darauf zwei weitere Tretboote bestellt. Als sein Lehrherr Ende der 70er-Jahre starb, trat Bodo in dessen Fußstapfen. Und blieb – bis heute. Mit einer kurzen Ausnahme: 1961 überkam ihn das Fernweh: Der junge Bootsverleiher verließ den Steg an der Alten Rabenstraße, um als Ingenieursanwärter auf Große Fahrt zu gehen. Zwei Jahre schipperte Bodo Windeknecht auf einem 10.000-Tonnen Stückgutfrachter für die HAPAG-Reederei über die Weltmeere. Doch überall fehlte ihm vor allem seine Als-ter. Also kehrte er zurück an das blaue Herz der Stadt.</p>
<p>1981 musste der Bootssteg umgebaut werden. Es ging um den Schutz der Umwelt. »Wir erfuhren, dass wir keine Holzschutzmittel mehr verwenden dürfen. Wären wir beim normalen Fichten- und Kiefernholz geblieben, hätte der Steg alle zehn Jahre erneuert werden müssen. Deshalb sind wir auf Bongossi-Hartholz umgestiegen.« Die 40 neuen Pfähle, die Windeknecht damals mit eigenen Händen in den Grund der Alster getrieben hat, stehen heute noch. »Das war harte Arbeit«, erinnert er sich. »Unter dem Wasser ist zunächst zwar nur Schlammboden. Dafür reichte ein großer Holzhammer. Aber dann kommt eine ein Meter dicke Schicht blauen Tons, dann eine Schicht Mergel, dann eine weitere Tonschicht. Das ging dann nur noch mit einer großen Handramme.« </p>
<p>Bodo kann viele Anekdoten erzählen, wenn der Tag an seinem Steg lang ist. Von Kunden ohne Segelschein, die auf der Alster »wie Anfänger herumgurken« oder von einer libanesischen Familie, die immer ein Tretboot mietete, wenn es regnete: »Während die übrigen Gäste ins Überdachte flüchteten, fuhren die lachend raus und warfen die Arme in die Luft.« Der Bootssteg hat in den vergangenen Jahrzehnten auch immer wieder als Kulisse für Film- und Fernsehproduktionen gedient – für das »Großstadtrevier« beispielsweise oder den »Tatort«. Evelyn Hamann und Iris Berben waren hier, Jan Fedder ist Stammgast, Scooter-Frontmann H.P. Baxxter inzwischen auch. Damit nicht genug: Immer wenn Fotografen ein besonders typisches Hamburg-Motiv suchen, kommen sie auf den Steg. Unzählige Models, TV-Stars und neue HSV-Spieler haben sich bei Bodo schon in Pose geworfen. Der ist zwischen Ende März und Mitte Oktober jeden Morgen schon ab 9 Uhr hier – und abends um 22 Uhr immer noch. Ruhetage kennt er nicht. Selbst im Winter machen Bodo und seine Frau Anne nicht etwa in der Karibik Urlaub, wie mancher vermutet, sondern kümmern sich in einer kleinen Werft am Goldbekkanal darum, dass ihre rund 30 Segel-, Ruder- und Tretboote auf Vordermann gebracht werden. Auch die herrlich bequemen alten Holzstühle – das Sitzen auf den Lehnen ist streng untersagt – müssen regelmäßig gepflegt werden. </p>
<p>1989 übergaben Bodo und Anne ihrem Sohn Detlef das Café auf dem Steg. Der Name »An ne Alster« ist eine Hommage an Mutter und Ehefrau Anne Windeknecht. Was Stammgäste wissen, viele Touristen und Laufkunden aber leider nicht: Café und Bootsverleih sind von Bodo zur »Handy-freien Zone« erklärt worden. Hier soll kein lautes Telefongespräch die Ruhe stören. Gerade wegen eben dieser kommen ja die meisten Gäste hierher. Bodo ist mittlerweile bereits zweifacher Opa. Ans Aufhören denkt er aber immer noch nicht. Auch wenn sein Name danach auf jeden Fall erhalten bleibt: »Mein Sohn und seine Gunda waren so schlau, ihrem Sohn Laurin den zweiten Vornamen Bodo zu geben«, lächelt Bodo. So kann Bodo’s Bootssteg also weiter eine Hamburger Institution bleiben – hoffentlich noch lange.<br />
 <br />
Foto Thomas Metelmann | Text Jürgen Hoffmann</p>
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		<title>Zum Tanz unter die Türme</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Mar 2013 17:31:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Zehn Jahre nach seiner Schließung wurde der legendäre Mojo Club jetzt quasi an gleicher Stelle neu eröffnet. Die Betreiber der Kultstätte an der Reeperbahn sind die alten: Leif Nüske und Oliver Korthals empfangen ihre Gäste zu Jazz, Blues und Soul diesmal unterirdisch.</p> <p>Wer auf der Reeperbahn vor den neu gebauten »Tanzenden Türmen« steht, könnte sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.derhamburger.info/wp-content/uploads/2013/03/Mojo_Club_20130201_FRS3213_OPS.jpg" alt="" title="Zum Tanz unter die Türme" width="407" height="600" class="alignleft size-full wp-image-4913" /><strong>Zehn Jahre nach seiner Schließung wurde der legendäre Mojo Club jetzt quasi an gleicher Stelle neu eröffnet. Die Betreiber der Kultstätte an der Reeperbahn sind die alten: Leif Nüske und Oliver Korthals empfangen ihre Gäste zu Jazz, Blues und Soul diesmal unterirdisch.</strong></p>
<p>Wer auf der Reeperbahn vor den neu gebauten »Tanzenden Türmen« steht, könnte sie glatt übersehen: Die beiden in den Boden eingelassenen und von einem Sternenkranz umkreisten »Ms« – das Zeichen für den Mojo Club, der hier bereits in den 90er-Jahren den Jazz tanzflächentauglich machte und zunächst bis 2003 an dieser Stelle zu Hause war. Vor genau zehn Jahren musste er dann den schrägen Teherani-Glas-Architektur-Plänen weichen und 2009 fielen seine vier Wände endgültig der Abriss-Birne zum Opfer. Doch jetzt ist der legendäre Club wieder aufgetaucht – im Keller der »Tanzenden Türme«.</p>
<p>Der Weg hinab auf den Dancefloor der Kultstätte führt durch zwei schwere Klappen, die sich unter den im Asphalt eingelassenen Logos verbergen. Dort unten treffen wir die Mojo-Macher Leif Nüske (48) und Oliver Korthals (46). Sie wirken einigermaßen entspannt, obwohl sich ihr Arbeitspensum der vergangenen Wochen in den müden Augen spiegelt. Leif Nüske bestellt sich deshalb auch erst mal einen Kaffee, denn ja, mehr Schlaf könnte er gerade tatsächlich vertragen. Aber der Stress hat sich ja gelohnt. Die Wiedereröffnung war ein voller Erfolg, der Andrang enorm und viele der Fans von einst sind zurückgekehrt. Das freut Nüske und Korthals, doch darüber sprechen mögen sie nicht so gerne.<br />
</br></br><br />
Seit mehr als 20 Jahren ergänzt sich das Mojo-Duo inzwischen. In Nüskes kurzen Haaren und Korthals’ leicht struppigem Bart zeigen sich erste Spuren von Grau, aber das Leuchten in den Augen, wenn sie stattdessen lieber von den Anfängen und der Geschichte ihres Konzepts »Jazz für die Tanzfläche« erzählen, wischt alle Altersspuren weg. Nüske, der außerdem die »Mandalay Bar« am Pferdemarkt verantwortet, ist im Mojo Club für alles Organisatorische verantwortlich, während Korthals der musikalisch Kreative ist. Ein mittlerweile zwölfköpfiges Team unterstützt die beiden. </p>
<p>Ihre Idee entstand – man ahnt es – in einem Club. Dort, wo Nüske in den späten 80ern seine Partyreihe »Soul-Allnighter« veranstaltete, trafen sich Party-Organisator und DJ das erste Mal. Das Faible für Musik begleitet beide seit ihrer Kindheit, auch wenn Nüske charmant anmerkt: »Meine Leidenschaft für Musik resultiert daraus, dass ich völlig unmusikalisch bin.« Fakt aber ist: Bereits zu Schulzeiten betrieb er ein eigenes Plattenlabel und organisierte Partys, auf denen die Gäs-te zum Soul der 60er tanzten. Korthals’ musikalische Karriere begann ebenfalls im Teenager-Alter, als DJ auf allen möglichen Schulfesten. Seine Schallplattensammlung umfasst heute fast 10.000 Platten. Die genaue Zahl nennt er nur zögernd, »denn die Größe der Plattensammlung sagt nichts über die Qualität der Musik aus«, meint er und belegt damit einmal mehr das ihn und Partner Nüske kennzeichnende Understatement.</p>
<p>»Zwischen uns herrschte immer ein absolutes Vertrauen«, schwärmt Leif Nüske von der Zusammenarbeit und sein konzentrierter, bisweilen amüsierter Blick erwärmt sich. Korthals sieht das genauso und während sein Partner sein »Wahnsinnswissen um den Jazz« bewundert, schätzt der musikalische Kopf die Zielstrebigkeit und den Ideenreichtum seines Kollegen. »Nicht zu vergessen seine Detail-Verliebtheit – im Positiven wie im Negativen«, ergänzt er lachend. So weiß Leif Nüske noch heute jede Einzelheit der ersten Mojo-ClubNacht am 11. Februar 1989 zu erzählen.  </p>
<p>Damals war alles noch ein bisschen kleiner, fanden gerade mal 500 Gäste Platz. Im neuen Mojo Club, der sich insgesamt über vier Ebenen erstreckt, finden jetzt 800 Gäste Platz. Auch die Konzertbühne hat sich vergrößert. Hier treten wieder Künstler aus der Jazz-, Soul- und Bluesszene auf. Hinzu kommen – ganz wie früher – regelmäßige Clubabende mit teils internationalen DJs. Auch sonst halten die Macher an alten Ansprüchen fest. Der Eintritt ist ab 21 Jahre, das Publikum eine gut sortierte Mischung aus Musik-liebhabern und Tanzwütigen, Nostalgikern und Partygängern, die es schätzen, fern des Trubels der Reeperbahn auszugehen. Auch musikalisch wollen die Mojo-Gründer ihrem Dancefloor-Jazz treu bleiben. Der war immer schon eine Spielwiese für Experimente und richtete sich nie nur an eine gewisse Szene von Leuten, sondern an alle, die ihre Vorliebe für gepflegtes Ambiente mit der Lust an musikalischem Pioniergeist verbinden. </p>
<p>Selbstverständlich auch, dass Oliver Korthals wieder hinter dem DJ-Pult steht. Selbst wenn der Hamburger seit 2009 in Köln lebt. Der Liebe wegen. Gemeinsam mit seiner Frau, einer Lehrerin, hat er eine zweijährige Tochter, die neben all den Stapeln an Schallplatten noch genügend Platz findet und vor allem die Zeit des Vaters. »Neben meinem Hauptjob in einer Veranstaltungsagentur, dem Mojo und überhaupt meiner Musik, ist die restliche Zeit der Familie vorbehalten«, erzählt er. Leif Nüske dagegen liebt die Sonntag-nachmittage, wenn die Reeperbahn schläft und er sich mit einer Zeitung in sein Lieblingscafé zurückziehen kann, um dort für Stunden die Ruhe zu genießen und zu lesen. »Ich liebe Rituale«, sagt er und lehnt sich entspannt zurück. Nur für einen Moment, denn für Muße bleibt Leif Nüske und Oliver Korthals kaum Zeit, seitdem sie endlich wieder machen, was sie am besten können: Ihre Gäste mit kompromisslos gutem Dancefloor-Jazz zu beglücken.</p>
<p>Foto Frank Siemers | Text Verena Reygers</p>
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		<title>Arbeiten im Schlaraffenland</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Mar 2013 17:31:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgabe 18]]></category>
		<category><![CDATA[Rund um Hamburg]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Seit genau zehn Jahren gibt es für die Käufer von neuen Luxus- und Sportwagen einen ganz besonderen Tempel in der Stadt: das Autohaus Tamsen in Rahlstedt. Geschäftsführer und Mitinhaber Martin Blome hat darin den Job fürs Leben gefunden.</p> <p>Da sich bekanntlich vier von fünf deutschen Männern für schnelle, große, starke und schöne Autos begeistern, darf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-4917" title="Arbeiten im Schlaraffenland" src="http://www.derhamburger.info/wp-content/uploads/2013/03/DSC4448_OPS.jpg" alt="" width="400" height="600" /><strong>Seit genau zehn Jahren gibt es für die Käufer von neuen Luxus- und Sportwagen einen ganz besonderen Tempel in der Stadt: das Autohaus Tamsen in Rahlstedt. Geschäftsführer und Mitinhaber Martin Blome hat darin den Job fürs Leben gefunden.</strong></p>
<p>Da sich bekanntlich vier von fünf deutschen Männern für schnelle, große, starke und schöne Autos begeistern, darf Martin Blome (46) sicher sein, dass ihn hierzulande 80 Prozent des starken Geschlechts um sein Leben beneiden. Allein schon der Blick aus seinem verglasten Büro: hier ein Aston Martin Vanquish, da ein Lamborghini Murcielago, dort ein Maserati Quattroporte, links ein paar Ferrari, rechts ein paar Bentley. Er »besitzt« sie alle, hat jeden schon gefahren und wenn er einen der Traumwagen verkauft, bekommt er immer sofort einen neuen.Klingt wie das automobile Schlaraffenland. Doch Blome, dem Geschäftsführer der beiden Tamsen-Autohäuser in Bremen und Hamburg, kommt nichts einfach so zugeflogen. Er sieht sich zuallererst in der Pflicht als Autoverkäufer: »Das Unternehmen zahlt mein Gehalt, also sehe ich zu, dass es Erfolg hat.«</p>
<p>Seit genau zehn Jahren steht die 6.000 Quadratmeter große Filiale jetzt am Merkurring in Rahlstedt. Allein hier betreuen Blome und seine 30 Mitarbeiter inzwischen rund 1.500 Kundenfahrzeuge und verkaufen pro Monat etwa 20 bis 25 Exemplare der Luxusmarken. »Manchmal sogar wie ein Pferdehändler nach alter Sitte mit Handschlag«, lacht er. Wobei nicht vergessen werden darf: Keiner der automobilen Träume kostet weniger als 100.000 Euro. Das Leben mit Autos wurde Blome buchstäblich in die Wiege gelegt. Sein Vater, ein Autoschlosser, besaß in seinem Geburtsort Stelle, 30 Kilometer südwestlich von Bremen, eine kleine Garage, wo er – nach guter dörflicher Sitte – die maroden Autos der Gegend im Rahmen von Nachbarschaftshilfe reparierte. »Deswegen kannte ich alle Maße von Werkzeugen und alle Größen von Maulschlüsseln eher als ich sprechen konnte«, erzählt Blome, der sich damals mehr in der kleinen Garage aufhielt als im Wohnhaus.</p>
<p>Mit 15 Jahren verdiente er sich seine erste Limonade, weil er bereits einen Kotflügel anschweißen konnte. Mit 17 sammelte er sieben schrottreife VW Scirocco zusammen, um daraus ein fahrbares Exemplar zu bauen. »Den normalerweise 55 PS starken Motor habe ich auf 85 PS getunt, was zur Folge hatte, dass ich alle sechs Monate einen anderen Block brauchte«, erinnert er sich. Bald darauf verdiente er sich auf einen Schlag 500 Mark, weil er einem Bekannten durch Geschick und Hartnäckigkeit günstig zum gewünschten Automodell verhalf. In seinem Fußballverein wussten danach sehr schnell alle von dem »automobilen Gendefekt«, wie Blome es nennt. Und wie es der Zufall wollte, kannte ein Sportkamerad vom Arbeitsamt jemanden in der Gegend, der genauso verrückt war: Heiner Tamsen. Der suchte einen Auszubildenden zum Groß- und Außenhandelskaufmann. »Als ich zur Vorstellung ging, standen vor dem Haus ein Mercedes 560 SEC, ein Porsche 911 mit Fuchs-Felgen und ein Daimler Double Six. Da wusste ich: Wenn ich rauskomme, habe ich den Job.«</p>
<p>Genauso war es. In Stuhr – an der Stelle, an der auch heute noch der Bremer Tamsen-Betrieb steht – begann Blomes Karriere, allerdings erstmal mit sehr bodenständigen Vehikeln. Durfte er zunächst noch gar keine Autos verkaufen, sondern musste ins Backoffice, war das Hauptgeschäft dann zunächst das Aufkaufen von Flottenfahrzeugen wie einen Opel Kadett Caravan. »Das war okay, aber der Reichtum, den Tamsen mir versprochen hatte, war da noch nicht in Sicht«, resümiert Blome. Immerhin vermittelte er schon 1989 Mercedes-Modelle, Rückläufer von Mietautofirmen. »Da waren die Kunden schon entspannter und der Verdienst größer.« Und als Heiner Tamsen bei einem Händler einen Ferrari Testarossa bestellte und ihm die Auslieferung für zwölf Jahre später (!) zugesagt wurde, dachten sich die beiden: »Das muss auch anders gehen.«</p>
<p>Auch wenn der Plan, Ferrari-Importeur zu werden, nicht aufging, hatten Tamsen und Blome als Händler doch bald ein vorzeigbares Luxusportfolio. Zuerst verkauften sie die roten Renner aus Maranello. Nach einem Jahr fragte Rolls-Royce an, ob man ihre Autos nicht auch dort hinstellen könnte. Die Briten stiegen 2008 zwar wieder aus, aber dafür kamen Bentley, Aston Martin und 1998 Maserati hinzu. Wie passend, dass just zur Eröffnung des Hamburger Geschäfts im März 2003 auch noch Lamborghini beschloss, Tamsen/Blome zum Händler zu machen.</p>
<p>Auf Hamburg kamen die beiden Auto-Nerds übrigens durch den Export von Fahrzeugen über den hiesigen Hafen und die richtige Vermutung, dass an der Elbe einige finanzstarke Kunden wohnen. Den richtigen Standort zu finden, war allerdings nicht leicht. »Wir haben lange darüber diskutiert«, gibt Blome zu. Den Ausschlag für den Stadtrand gaben mehrere Vorteile: anständige Teststrecken ohne Staus und Ampeln; ausreichend Parkplätze; Autobahn in der Nähe; nur 30 Minuten bis zum Flughafen. »Und die Quadratmeterpreise sind deutlich günstiger als in der City«, freut sich Blome, der längst auch die Unterschiede zwischen den Kunden hier und da kennt. »Die Hamburger sind anglophiler, nicht ganz so konservativ und eher per Du. Der Bremer trägt seinen Pelz noch immer gern nach innen&#8230;«</p>
<p>Heiner Tamsen ist seit 2008 raus aus dem Geschäft, er verkaufte die Firma an den amerikanischen Rennfahrer und Unternehmer Roger Penske. Blome denkt aber jeden Tag gern an den Gründer – spätestens, wenn er vor seiner Garage steht: Dort wartet statt des Ferrari 328 GTB, den er bereits als 29-Jähriger besaß, inzwischen ein eigener Bentley Arnage T auf ihn. Für alle Männer, die nicht wissen, was das bedeutet: 1225 Newtonmeter maximales Drehmoment und alles, was wie Holz aussieht, ist auch Holz. Wer da nicht neidisch wird&#8230;</p>
<p>Foto Manuel Debus | Text Roland Löwisch</p>
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		<title>Vorhang auf für St. Pauli</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Mar 2013 17:31:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgabe 18]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtteilrundgang]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Seit zehn Jahren leiten Thomas Collien und Ulrich Waller am Spielbudenplatz das älteste Privattheater der Stadt. Von hier starten wir mit ihnen jetzt zum Rundgang durch den Kiez, dem weltweiten Synonym für die Hansestadt, für Freiheit und Abenteuer. Bühne frei also für das Tor zur Welt und Halbwelt.</p> <p>Ein Etablissement im Hinterhof. Abstieg in den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.derhamburger.info/wp-content/uploads/2013/03/Waller_Collien_20130115_FRS2292_OPS.jpg" alt="" title="Vorhang auf für St. Pauli" width="800" height="533" class="alignleft size-full wp-image-4921" /><strong>Seit zehn Jahren leiten Thomas Collien und Ulrich Waller am Spielbudenplatz das älteste Privattheater der Stadt. Von hier starten wir mit ihnen jetzt zum Rundgang durch den Kiez, dem weltweiten Synonym für die Hansestadt, für Freiheit und Abenteuer. Bühne frei also für das Tor zur Welt und Halbwelt.</strong></p>
<p>Ein Etablissement im Hinterhof. Abstieg in den Keller, zum Raum hinter der gepolsterten Tür. Kein Fenster, müdes Licht. Der Mief von über 30 Jahren hängt in der Luft. An den Wänden kleben zerschlissene Plakate und schwitzende Kerle dreschen auf schäbige Sandsäcke ein. Eine bunte Lichterkette baumelt um den Boxring, in dem schon Profigrößen wie Eckhard Dagge, Henry Maske oder »Rocky« Rocchigiani beim Training Haken schlugen. Jetzt klettern zwei Amateure in den Ring und kommen gleich zur Sache: Linke Gerade, rechter Haken, Uppercut – nicht schlecht! Aber nicht ganz ernst gemeint. Die beiden, die da in der legendären »Ritze« auf der Reeperbahn so tun als ob, sind Freunde und Geschäftspartner. Thomas Collien und Ulrich Waller führen seit zehn Jahren erfolgreich das St. Pauli Theater, Hamburgs älteste Privatbühne, schräg gegenüber am Spielbudenplatz, im Zentrum des berühmt-berüchtigten Stadtteils.</p>
<p><img src="http://www.derhamburger.info/wp-content/uploads/2013/03/reeperbahn-300x199.jpg" alt="Fast 24.000 Menschen leben zwischen  Reeperbahn, Fischauktionshalle, Karolinenviertel und Landungsbrücken. Und sogar  in die Hafenstraße, jahrzehntelang heiß umkämpft, ist inzwischen so etwas wie idyllische Ruhe eingekehrt." title="Hamburg Reeperbahn" width="300" height="199" class="alignleft size-medium wp-image-4926" />Hier kennen sie sich aus, sind auf Du und Du mit manchem Original, feiern nach Premieren im »Silbersack« oder in der »Amphore«, beim »Schauermann« oder bei Hamburgs ältestem Italiener »Cuneo«. Und jedes zweite Wochenende feuern sie im St.-Pauli-Stadion am Millerntor ihre Mannschaft an. Berührungsängste kennen beide nicht. Zum 100. »Cuneo«-Geburtstag organisierten sie vor Ort einen musikalischen Abend rund um die Geschichte des Restaurants – dafür können sie jetzt lebenslang kostenlos delikate Ravioli mit Pistazien- und Radicchio-Sauce essen. Die stadtbekannte Esso-Tankstelle, Treffpunkt skurriler Kieztypen und seit 25 Jahren rund um die Uhr geöffnet, haben sie mit einem stimmungsgeladenen Liederabend im St. Pauli Theater verewigt. Ebenso die »Ritze«.<br />
</br></br></br><br />
Klar, dass auch Monika zur Premiere kam. Die steht in der »Ritze« hinterm Tresen, mit flotten Sprüchen, markigem Lachen, Fluppe im Mund. Ein Kiez-Original, auf St. Pauli geboren. Wann, verrät sie nicht. »Na, min Schieter, ’n Bierchen?«, fragt sie jeden, der sich der Theke nähert. Ulrich Waller, noch leicht lädiert vom Boxen, kann eine Erfrischung vertragen, prostet Monika und seinem Sportsfreund zu. Aus der Musikbox tönt wie bestellt das »Ritzelied«. Draußen, auf der Reeperbahn, tobt derweil das Leben. Schillernd, schrill und quicklebendig präsentiert sich die Amüsiermeile, besonders an Wochenenden nachts um halb eins, wenn die Rotlicht- und Glitzerwelt Tages-Tristesse, Schmuddelecken und traurige Gestalten überstrahlt und jeder sich nur amüsieren will. In den Kneipen rund um den Hans-Albers-Platz leiert der wohlbekannte Song, den der »Hamburger Jung« einst mit strahlenden Augen sang, von verkratzten Scheiben. Vor Vergnügungsetablissements aller Arten locken Türsteher Touristen an, in Discos und Musikclubs rockt die Jugend ab. An guten Tagen tummeln sich bis zu 100.000 Besucher auf dem Kiez, nicht nur zur Freude der Anwohner. St. Pauli ist weltweit Synonym für Hamburg, für Freiheit und Abenteuer, das Tor zur Welt und Halbwelt.</p>
<p>Doch der nur 2,3 Quadratkilometer große Stadtteil, in dem knapp 24.000 Menschen leben, bietet mehr: Landungsbrücken und den alten Elbtunnel, das Museumsschiff »Rickmer Rickmers«, ein Siel- und ein Schulmuseum, beschauliche Wohnstraßen und herrliche Blicke über den Hafen, »Planten un Blomen«, »Hamburg Messe« und den 272 Meter hohen »Tele-Michel«, das Karolinenviertel, das Heiligengeistfeld mit dem Dom, dem zweitgrößten deutschen Volksfest, und jede Menge Kultur für jeden Geschmack: Musicals im Operettenhaus, Schmidts-Theater und -Tivoli, Panoptikum und Imperial-Theater, die größte Krimibühne Deutschlands, und das traditionsreiche St. Pauli Theater.</p>
<p>Dort unterhalten Ulrich Wal-ler und Thomas Collien das Publikum auf hohem Niveau. Zwei gegensätzliche Naturen und Freunde, die sich ergänzen: Der forsch zupackende Hamburger Manager Thomas Collien und der feinsinnige Tübinger Arztsohn, ein versierter Regisseur und Theatermacher, der schon als Leiter der Kammerspiele mit spannenden Produktionen überzeugte. Beide haben das St. Pauli Theater mutig, geschmackssicher und durch manch finanziellen Engpass zu einer weit über die Stadt hinaus strahlenden Bühne gemacht; mit einer gut dosierten Mischung aus neuen Stücken, modernen Klassikern, Musicals, Kabarett, Liederabenden und glänzenden Schauspielern. Ulrich Waller holt die Besten: Eva Mattes, Hannelore Hoger, Ulrich Tukur, Burghart Klaußner, Christian Redl, Ben Becker oder Angela Winkler. Die kommen gern, auch ohne Traumgagen. Von einer »richtigen Spielbude, dem schönsten Wohnzimmer des deutschen Theaters«, schwärmt Peter Lohmeyer, einer von ihnen. Mit ungläubigem Staunen schauen Kollegen aus ganz Deutschland auf die Reeperbahn, laden das Theater zu Gastspielen in ihre Häuser ein. Gerade spielte Hannelore Hoger im neuen Stück (»Ihre Version des Spiels«) der Erfolgsautorin Yasmina Reza. Auch so ein Publikumsmagnet.</p>
<p>Intendanten, Schauspieler und 15 feste Mitarbeiter des Theaters sind eine eingeschworene Gemeinschaft – Originale inbegriffen. Wie Inkasso-Henry, der abends in der Theaterbar sitzt, Freibier trinkt und allein durch seine Präsenz Unruhestifter fernhält. Oder Theater-Tischler Heino Bachur, der, längst im Ruhestand, unbedingt weiter ins Theater will und jeden Tag eine Schüssel Radieschen mitbringt, »der Vitamine wegen – weil die Mädels bei uns seiner Meinung nach zu blass aussehen«, berichtet Thomas Collien lachend. Übrigens: Auch Schüler der Stadtteilschule St. Pauli sind auf der Theaterbühne willkommen. Sie dürfen dort dreimal pro Spielzeit die in der Schule mit der Regisseurin Dania Hohmann erarbeiteten Stücke aufführen, mit Popsongs aufgelockerte Klassiker wie »Maria Stuart von der Großen Freiheit« oder »Othello von der Hafenstraße«. Bewegendes Theater. »Es ist schon anrührend, wenn die Schüler da auch ihre eigene Geschichte erzählen und Lieder singen wie ›Dieser Weg wird kein leichter sein‹«, sagt Ulrich Waller.</p>
<p><img src="http://www.derhamburger.info/wp-content/uploads/2013/03/Waller_Collien_20130103_FRS1914_OPS-300x199.jpg" alt="Bühne des St. Pauli Theater" title="St. Pauli Theater" width="300" height="199" class="alignleft size-medium wp-image-4931" />»Urania-Theater« hieß die Bühne, als sich der Vorhang 1841 zum ersten Mal hob. Varieté und Lokalpossen zogen damals die einfachen Leute magisch an. Für wenig Geld konnten sie sich vor den Toren der Stadt einen Abend lang köstlich amüsieren. Von der »Prüüntje-Böhn« (Kautabak-Boden) im zweiten Rang unter dem Dach wurde gern lautstark das Bühnengeschehen kommentiert und zwischendurch an die Decke gespuckt. Kein Wunder, dass es während der Vorstellung gelegentlich ins Parkett tropfte. Die Blütezeit des Theaters begann 1884, als Ernst Drucker plattdeutsche Volksstücke und Hamburger Originale wie »Thetje mit de Utsichten« auf die Bühne hievte. Drucker wagte sich aber auch an Dramen von Henrik Ibsen oder Gerhart Hauptmann. Sogar Goethes »Faust« eroberte damals St. Pauli: »Nur wollten die Leute dort nicht akzeptieren, dass Gretchen am Ende stirbt«, erzählt Ulrich Waller im herrlich plüschigen, rot schimmernden und denkmalgeschützten Zuschauerraum seines Hauses. »Die brüllten einfach so lange ›heiraten, heiraten!‹, bis ›Faust‹ wieder auf die Bühne rannte und Gretchen einen Heiratsantrag machte.« Dem Schauspieler, der den bösen Franz Moor in Schillers »Räubern« mimte, ging’s nach der Vorstellung regelmäßig an den Kragen: Erboste Zuschauer warteten auf der Straße und verdroschen ihn.<br />
 Unter Druckers Nachfolgern er-oberte die »Zitronenjette« die Bühne des nun nach Ernst Drucker benannten Theaters – insgesamt 851 Mal. Später kamen »Der Junge von St. Pauli« und »Meister Annecker« mit Publikumsliebling Henry Vahl. Da waren bereits der berühmte Impresario Curt Collien und dessen Sohn Michael, Großvater und Vater von Thomas Collien, Chef im 600-Plätze-Haus.</p>
<p>Das amtierende Intendanten-Duo hat dem St. Pauli Theater den Namen Ernst Drucker, den die Nazis getilgt hatten, zurück- und ihm sein heute unverwechselbares Profil gegeben: »Stücke müssen hier robust und populär sein. Wir wollen Geschichten erzählen in Inszenierungen, die die Leute ohne Dechiffrierautomaten verstehen können. Als Regisseur muss man nicht klüger sein wollen als der Autor oder Zuschauer«, findet Ulrich Waller und ist froh, dass Finanzchef Collien sich so gern verführen lässt: »Er ist risikobereit. Man kann ihn für neue Ideen entzünden.« Collien witzelt: »Anzünden ja, aber nicht verbrennen.« 2009 haben die beiden nebenbei auch noch das älteste deutsche Varieté, das Hansa-Theater am Steindamm, wieder flott gemacht. Doch manchmal schlafen sie schlecht, trotz der 470.000 Euro Subventionen, die sie vor vier Jahren von der Stadt erstritten haben. »So ein Haus kann nur überleben, wenn die Bude brummt. Wenn eine Produktion kein Knaller wird, stehen wir mit dem Rücken zur Wand«, sagt Collien, »wir brauchen vier Millionen pro Saison, das heißt: Fast 90 Prozent unseres Budgets müssen wir einspielen. Keine leichte Übung, manchmal mussten wir schon aus eigener Tasche zuschießen.«</p>
<p>Apropos schießen: Das kommt in der Umgebung auch schon mal vor. In jüngster Zeit, seit Rotlicht-Rivalen ihre Fehden nicht mehr auf offener Straße austragen, zum Glück sehr selten. Trotzdem sind die Ordnungshüter gleich nebenan, in der Davidwache, rund um die Uhr im Einsatz: im berühmtesten und mit 0,85 Quadratkilometern kleinsten Polizeirevier der Welt. Seit 1868 steht es fast unverändert an seinem Platz. Rund 100 Beamte bearbeiten dort jährlich 9.000 angezeigte Straftaten – vom Taschendiebstahl bis zum Totschlag. Auch im Theater sind sie schon angerückt, um einen Schauspieler festzunehmen, der seine Alimente nicht zahlen wollte. »Zum Glück haben sie damit bis nach der Vorstellung gewartet«, erinnert sich Ulrich Waller. Collien setzte sich für die schnelle Befreiung des Kollegen ein: »Aus Mitgefühl – schließlich habe ich da in meiner Jugend selbst mal eingesessen. Doch keine Sorge, der Grund war kein Gewaltdelikt!« Schräg gegenüber der Davidwache residiert seit 1906 der Herrenfriseur »Harry’s Salon«. Angeblich wurden dort den Beatles, als sie 1960 noch gänzlich unbekannt erstmals nach Hamburg kamen, ihre »Pilzköpfe« verpasst. </p>
<p><img src="http://www.derhamburger.info/wp-content/uploads/2013/03/Waller_Collien_20130115_FRS2215_OPS-300x199.jpg" alt="Nach Feierabend machen sich die  zwei Theatermänner auch gern mal auf  den Weg zur Hafenstraße: – auf eine  Schokolade mit Rum im »Amphore« oder zum Essen ins »Schauermann«" title="Uli Waller und Thomas Collien" width="300" height="199" class="alignleft size-medium wp-image-4933" />Spannend wie die Gegenwart ist auch die Geschichte des Stadtteils St. Pauli – im 15. Jahrhundert allerdings noch ohne die geringste Spur von Vergnügen. Da schenkte Graf Schauenburg das Gebiet der Bürgermeister-Gattin als Trockenwiese für ihre Wäsche – zum Dank für ihre Gastfreundschaft. Im 17. Jahrhundert wuchsen Elendsquartiere auf dem »Hamburger Berg«. So hieß damals die ungemütliche Gegend vor den Toren der Stadt, auf der Grenze zum dänischen Altona. Dort siedelten sich Gewerbebetriebe an, die Gestank, Schmutz und Lärm produzierten: eine Trankocherei, Branntweindestillerien, ein Trockenhaus für geteerte Seile. Später kamen ein Pesthaus und ein Obdachlosenquartier dazu. Reepschläger (Seilmacher) drehten ihre Schiffstaue auf langen, nebeneinander liegenden Bahnen – eine kräftezehrende Schufterei und Ursprung des Namens Reeperbahn. Arbeiter, Seeleute und aus der Stadt Vertriebene suchten auf dem »Hamburger Berg« Zuflucht, bauten sich dort Hütten und Buden. Für freies Schussfeld im Kriegsfall durften am »Hamburger Berg« aber nur eingeschossige Häuser gebaut werden, und die Stadt nahm sich das Recht, im Notfall alles wieder abzureißen, was mehrfach geschah. Auch Unterhaltungslokale etablierten sich und gaben dem Spielbudenplatz schon Ende des 18. Jahrhunderts seinen Namen. Zauberer und Marionettenspieler zeigten ihre Kunststücke. Später kamen Bierhallen, Ballhäuser, Revuetheater und Musikpaläste dazu. Dort, wo sich neuerdings die »Tanzenden Türme« des Architekten Hadi Teherani in den Himmel recken, eröffnete 1820 das »Ballhaus Trichter«, ein viel frequentiertes und äußerst beliebtes Revuelokal.</p>
<p>Vier Jahre zuvor hatte das erste Dampfschiff in Hamburg festgemacht. Aus Angst, die schnaufenden Ungeheuer könnten im Hafen zwischen eleganten Windjammern in die Luft fliegen, verlegten die St. Paulianer in den kommenden Jahrzehnten die Anlegestelle für Dampfer an die St.-Pauli-Landungsbrücken, heute An- und Ablegestelle für Barkassen, Startpunkt diverser Hafenrundfahrten und Schnellboote in Richtung Helgoland. Mit acht Millionen Besuchern im Jahr sind die Landungsbrücken, längster schwimmender Schiffsanleger der Welt, Deutschlands meistbesuchte Touristenattraktion. Fernweh liegt dort in der Luft. Wer bei leichter Brise, den Michel im Rücken, vom Oberdeck der Brücken auf die Elbe blickt, der spürt das einzigartige Flair der Stadt.</p>
<p><a href="http://www.derhamburger.info/wp-content/uploads/2013/03/Karte_St_Pauli.jpg"target="_blank"><img src="http://www.derhamburger.info/wp-content/uploads/2013/03/Karte_St_Pauli-300x268.jpg" alt="Karte von St. Pauli. Zum vergrößern klicken" title="Karte_St_Pauli" width="300" height="268" class="alignleft size-medium wp-image-4935" /></a>1833 wurde der »Hamburger Berg« in St. Pauli umbenannt, nach der gleichnamigen, 1682 erbauten und später zerstörten Kirche auf dem Pinnasberg. Auch von St. Liederlich war häufiger die Rede. Denn mit zunehmender Schifffahrt florierte die Prostitution. Um 1860 registrierte die Polizei 151 leichte Mädchen in 20 Bordellen. Einziger Zugang zur Stadt war das Millerntor, gleichzeitig die Zollgrenze. Manch einer wurde damals von Torschlusspanik gepackt, wenn er fürchtete, es nicht rechtzeitig vor Schließung zu erreichen. Ab 1861, dem Jahr der Gründung des Fischereihafens, blieb es dann offen und die Angst entfiel. Mit der Gewerbefreiheit strömten seit 1865 immer mehr Handwerker und Gewerbetreibende in die Gegend. Arbeiterquartiere und Wohnheime für die kleinen Leute wurden gebaut. Ende des 19. Jahrhunderts setzte ein wahrer Boom ein und im Umfeld der heutigen Wohlwill- und Hein-Hoyer-Straße schossen bürgerliche Etagenhäuser wie Pilze aus dem Boden. 1894 wurde St. Pauli dann zum Stadtteil.<br />
</br></br><br />
An den »Hamburger Berg« erinnert heute nur noch eine Seitenstraße der Reeperbahn. Von 1865 bis 1938 hieß sie Heinestraße, benannt nach dem Bankier Salomon Heine, der in der Simon-von-Utrecht-Straße das Israelitische Krankenhaus als Stiftung errichten ließ, ausdrücklich für Kranke aller Konfessionen. Übrigens: Die berühmte »Große Freiheit«, wo sich diverse Striptease-Lokale aneinanderreihen und einst im 1962 eröffneten Starclub die Beatles, Chuck Berry, Bill Haley, Jimi Hendrix und viele andere auftraten, verdankt ihren Namen nicht lockeren Sitten, sondern religiöser Freizügigkeit. Dort, im damals dänischen Altona, konnten auch die im protestantischen Hamburg angefeindeten Katholiken in der barocken St.-Joseph-Kirche ungestört beten. An den berühmten Starclub, der 1969 schon wieder schloss, erinnert nur noch eine Tafel im Neubau-Innenhof und an die Beatles der 2008 nach ihnen benannte Platz.</p>
<p>Wenn Collien und Waller mal Abstand vom Theater brauchen oder Appetit auf Fisch verspüren, spazie-ren sie ins angrenzende Altona, in die Große Elbstraße 143. Das gediegene Fischereihafen Restaurant ist eine Top-Adresse für Fisch-Liebhaber aus aller Welt und seit 1981 untrennbar mit dem Namen Kowalke verbunden. Die Theatermänner sind Freunde des Hauses: Herzlicher Empfang, Schampus an der Oyster Bar, kleiner Plausch mit Rüdiger und Dirk Kowalke und ein Fischteller vom Feinsten. Kein Wunder, dass Ulrich Waller, als sein Freund Ulrich Tukur im Theater mal schwächelte und behauptete, nicht spielen zu können, zu dessen Stärkung bei Kowalke Fisch bestellte. »Kaum zu glauben, aber die Therapie hat angeschlagen«, berichtet Waller und kann sich ein Grinsen nicht verkneifen.</p>
<p>Nur wenige hundert Meter vom Fischereihafen Restaurant entfernt liegt eine andere Bühne, auf die ganz Deutschland lange gespannt guckte. Die heute so idyllisch wirkende Hafenstraße war eineinhalb Jahrzehnte lang Kampfzone. 1981 eroberten Besetzer die vom Abriss bedrohten SAGA-Häuser. Autos und Barrikaden brannten. Straßenschlachten zwischen Besetzern und der Polizei hielten die Gegend in Atem. Erst 1995 gelang die Einigung. Die bunten Häuser wurden zu einem »politischen Preis« an die »Genossenschaft Alternativen am Elb-ufer« verkauft. Inzwischen sind sie renoviert. Ruhe ist eingekehrt. Heute kämpfen viele St. Paulianer um den Erhalt der sanierungsbedürftigen Hochhäuser am Spielbudenplatz – samt Esso-Tankstelle. </p>
<p>Was auch immer auf St. Pauli saniert, abgerissen oder neu gebaut wird – unwahrscheinlich, dass dieser Stadtteil jemals sein unverwechselbares, vibrierendes Flair verliert. In diesen Wochen geht’s dort wieder richtig rund: Fast drei Millionen Menschen stürzen sich auf dem Hamburger Frühlingsdom ins Vergnügen. Ulrich Waller ist dabei: »Würstchenstände, Wurfbuden und die Achterbahn ziehen mich magisch an. Widerstand ist zwecklos«, gesteht er. Kein Wunder, dass der Dom-Fan unbedingt das berühmteste Rummel-Drama »Liliom« von Franz Molnár auf St. Pauli herausbringen will. »Nicht auf der Bühne des St. Pauli Theaters, sondern im Zirkuszelt und mit Ben Becker in der Titelrolle – gelebter Zirkus in der Vergnügungsmeile«, sinniert Waller vor sich hin. »Das Budget muss noch ausgelotet werden«, kommentiert Collien, »aber wir arbeiten daran.«</p>
<p>Fotos Frank Siemers | Text Susanne Kunckel</p>
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		<title>Olympia bleibt ein schöner Traum</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Mar 2013 17:31:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgabe 18]]></category>
		<category><![CDATA[Rund um Hamburg]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Der 2028 endlich Realität werden soll. Laut Reinhard Wolf, dem zuständigen Mann in der Handelskammer, hat die Stadt bei der nächsten Bewerbung auf jeden Fall bessere Karten für große Spiele auf dem Kleinen Grasbrook.</p> <p>Das olympische Feuer leuchtet über der Wilhelmsburger Elbinsel. Die Jugend der Welt gastiert in Hamburg. Der ganze Globus schaut für drei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.derhamburger.info/wp-content/uploads/2013/03/OlympiaBoulevard02_OPS.jpg" alt="" title="Der Hamburger Olympia Boulevard 2012" width="800" height="447" class="alignleft size-full wp-image-4939" /><strong>Der 2028 endlich Realität werden soll. Laut Reinhard Wolf, dem zuständigen Mann in der Handelskammer, hat die Stadt bei der nächsten Bewerbung auf jeden Fall bessere Karten für große Spiele auf dem Kleinen Grasbrook.</strong></p>
<p>Das olympische Feuer leuchtet über der Wilhelmsburger Elbinsel. Die Jugend der Welt gastiert in Hamburg. Der ganze Globus schaut für drei Wochen auf das Tor zur Welt. Es war ein schöner Traum, den die Hamburger vor elf Jahren träumten. Und als das größte Sportfest der Welt im letzten Sommer statt an der Elbe an der Themse über die Bühne ging, beschlich viele von ihnen mehr als ein Hauch von Wehmut. Zu ihnen gehörte auch Reinhard Wolf. Der Syndikus der Hamburger Handelskammer und Leiter des Geschäftsbereichs Infrastruktur zählte 2001 zu den Protagonisten der Hamburger Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2012.</p>
<p>Wenn Reinhard Wolf heute von seinem Schreibtisch über den langen Konferenztisch schaut, hat er zwei Bilder im Blick: Das eine, schon leicht verblichen, zeigt das Modell des einstmals geplanten Olympiageländes auf dem Kleinen Grasbrook, das andere die Ankunft der deutschen Athleten mit der MS Deutschland nach den Spielen in London. »Das eine haben wir geplant, das andere haben wir bekommen«, sagt Wolf. Aber heute liegt keine Wehmut mehr in seiner Stimme, im Gegenteil. Ganz sachlich rekapituliert der 60-Jährige die Geschichte der gescheiterten Olympiabewerbung, erzählt von der Initialzündung durch den damaligen Sportamtsleiter Dr. Hans-Jürgen Schulke, von der anfänglichen Skepsis, in der sich Bürgermeister Ortwin Runde und Kandidat Ole von Beust einig waren, und vom darob verfassten Strategiepapier der Handelskammer, das in zwei Punkten gipfelte, die da lauteten: 1. Hamburg kann das. 2. Die Hamburger Wirtschaft will das – und ist bereit, die Hälfte der Bewerbungskosten zu tragen. Nicht zuletzt diese Ansage sorgte für den Sinneswandel bei Ole von Beust, der sofort nach seiner Wahl zum Bürgermeister im Herbst 2001 die Hamburger Bewerbung für die Olympiade 2012 zur Chefsache machte.</p>
<p>Ebenso sachlich schildert Wolf auch den Grund für das Scheitern des Projekts: »Am Ende kam heraus: Hamburg hat sich für das größte Sportereignis der Welt beworben, ohne eine sportliche Duftmarke zu haben. Wir hatten nur den HSV als Leuchtturm, aber keine Leistungszentren, keine Welt- oder Europameisterschaften, kaum Vertreter in den Sportgremien.« Genau das aber war in Leipzig, das sich letztlich in der nationalen Ausscheidung des nationalen olympischen Komitees durchsetzte, im Übermaß vorhanden: Schließlich galt die sächsische Metropole dank ihrer hocheffizienten Hochschule für Körperkultur zu DDR-Zeiten als die Sportmetropole der Arbeiter- und Bauernrepublik. Und der ihr angeschlossene SC Leipzig darf sich noch heute als erfolgreichster Club der Sportgeschichte rühmen: Bis 1989 hatten seine Mitglieder insgesamt 93 olympische Medaillen und 136 Weltmeistertitel errungen. Wolf: »Hamburg dagegen war in Sachen Leistungssport ein weißer Fleck und damit einfach nicht glaubwürdig.«</p>
<p>Doch was damals war, ist heute für Reinhard Wolf nur noch bedingt relevant. Nicht umsonst gilt der drahtige Betriebswirt bei Handelskammer-Chef Hans-Jörg Schmidt-Trenz als »Spezialist für das Bohren dicker Bretter« – und dementsprechend ist ihm »viel wichtiger, was wir daraus gelernt haben.« Wie etwa die Erkenntnis, dass man mit dem ursprünglich geplanten Gelände auf dem Kleinen Grasbrook genau richtig lag. Wolf: »Der Londoner Olympic Park war früher ebenfalls ein vergessenes Quartier in der Stadt und ist jetzt zum Leben erwacht. Darin liegt nach wie vor auch unsere große Chance. Irgendwann können wir den Grasbrook nicht mehr für den Hafen nutzen, und dann brauchen wir einen großen Wurf für die Stadtentwicklung.« Der sich im Fall einer Olympiade auch finanziell besser rechnen würde: Allein schon das Internationale Olympische Komitee zahlt bereits bei der Vergabe der Spiele einen Zuschuss von zwei Milliarden Dollar für die Entwicklung, und das Land dürfte ebenfalls erkleckliche Mittel beisteuern. »Schließlich«, so Wolf, »wurde auch die Weltausstellung in Hannover nicht von der Stadt allein, sondern ganz wesentlich vom Bund bezahlt.«</p>
<p>Doch die wurde – genau wie Rom – auch nicht an einem Tag geplant und erbaut. Olympische Spiele, auch das eine Erkenntnis aus der gescheiterten Bewerbung, müssen ebenso langfristig wie vielschichtig vorbereitet werden. Bereits vor zwei Jahren beauftragte Sportsenator Michael Neumann daher die »Zukunftskommission Sport«, der neben Reinhard Wolf und Sportstaatsrat Karl Schwinke mit Michael Beckereit und Ingrid Unkelbach auch die Leiter der Olympiastützpunkte Hamburg und Schleswig-Holstein sowie mit Günter Ploß auch der Vorsitzende des Hamburger Sportbunds angehören, mit der Erstellung eines Konzepts zur sportlichen Neuausrichtung der Hansestadt. Das Ergebnis ist ein 22-seitiges Werk unter dem Titel »Hamburg macht Sport«, das eine Dekadenstrategie mit einem Zehn-Punkte-Plan enthält, nach dessen Vorgaben Hamburg spätestens 2020 in der Lage sein soll, sich erfolgreich für Großveranstaltungen zu bewerben. »Darüber hinaus«, so Wolf, »wollen wir aber auch den Spitzensport bei uns so weiter fördern, dass wir eine Vorbildfunktion in Deutschland besetzen.«</p>
<p>Im Fokus dieser Strategie liegt vor allem der Ausbau von sechs Schwerpunkt-Sportarten, von denen drei dem natürlichen Hamburger Umfeld entsprechend im oder am Wasser ausgeübt werden: Rudern, Schwimmen und Beachvolleyball. Hinzu kommen Hockey sowie zwei andere Disziplinen, die derzeit noch ausgelotet werden, von denen aber eine in jedem Fall paralympischer Natur sein soll. Um die entsprechende Infrastruktur zu finanzieren, arbeitet die Kommission auch an einer noch besseren Verzahnung zwischen der Hamburger Wirtschaft und dem Sport. Schließlich sorgen laut einer aktuellen Analyse schon jetzt über 3.000 Unternehmen auf dem Sportsektor mit 15.000 Arbeitsplätzen für eine Wertschöpfung von 1,2 Milliarden Euro jährlich und damit für Steuereinnahmen von 120 Millionen Euro – und Wolf prophezeit weiteres Wachstum: »Unser Engagement ist ungebrochen, wir machen das im besten Einvernehmen mit der Stadt, der Wirtschaft und dem Sport. Wenn wir in diesem Geist weitermachen, sind wir 2020 auf einem ganz anderen Niveau.« </p>
<p>Was laut Wolf ebenfalls als Spätfolge der gescheiterten Bewerbung für 2012 anzusehen ist: »Man hat in dieser Stadt einen neuen Blick auf den Sport geschaffen und in allen Institutionen erkannt, dass es nur gemeinsam geht. Und wenn wir unsere Dekadenstrategie abarbeiten, tun wir damit das Bes-te für Olympia.« Zumal überstürztes Handeln ohnehin nicht erforderlich ist: Europa hatte gerade eine Olympiade, 2016 laufen die Spiele in Rio de Janeiro, 2020 ist Nordamerika an der Reihe, 2024 dürfte Asien den Vorzug bekommen. 2028 aber sollte Europa wieder eine starke Chance haben – und damit auch Hamburg.</p>
<p>Dass Hamburg dann gute Karten hat, daran zweifelt Reinhard Wolf nicht im geringsten: »Mit unserem Stadtentwicklungskonzept liegen wir schon jetzt auf dem Niveau von London. Und wenn wir die sportliche Entwicklung auf die Reihe bekommen, wird sich keiner mehr wundern, wenn wir uns bewerben. Aber dafür brauchen wir noch einen langen Atem, sonst geht uns nachher die Puste aus.« Auch mit solchen Dingen kennt sich Wolf aus. Schließlich läuft er schon seit 30 Jahren, dreimal war er beim Hamburg-Marathon dabei – und ist jedes Mal ins Ziel gekommen.</p>
<p>Foto Thomas Metelmann | Text Hermann J. Müller</p>
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		<title>Zwei TV-Legenden und eine große Liebe</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Mar 2013 17:31:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 18]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Mehr als 20 Jahre nach seinem Tod schwärmen noch immer viele Fernsehzuschauer von dem Mann, der als erster vor laufender Kamera die Nachrichten der Tagesschau verlas. Und auch die Schauspielerin, die schon in jungen Jahren die schrullige Alte gab, ist unvergessen. An wen die Klopstockstraße in Ottensen erinnert, wissen aber wohl nur die wenigsten.</p> <p>Heidi [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.derhamburger.info/wp-content/uploads/2013/03/Heidi-Kabel_OPS.jpg" alt="" title="Heidi Kabel" width="488" height="600" class="alignleft size-full wp-image-4943" /><strong>Mehr als 20 Jahre nach seinem Tod schwärmen noch immer viele Fernsehzuschauer von dem Mann, der als erster vor laufender Kamera die Nachrichten der Tagesschau verlas. Und auch die Schauspielerin, die schon in jungen Jahren die schrullige Alte gab, ist unvergessen. An wen die Klopstockstraße in Ottensen erinnert, wissen aber wohl nur die wenigsten.</strong></p>
<p><strong>Heidi Kabel </strong><br />
<em>*27. August 1914 in Hamburg<br />
† 15. Juni 2010 ebenda</em></p>
<p>»Heidi – du nicht!«, rief ihr die Mutter warnend hinterher, als das achtzehnjährige Fräulein Kabel eine Freundin zum Vorsprechen bei der »Niederdeutschen Bühne Hamburg e.V.« begleitete. Die Freundin war nervös und erhoffte sich moralische Unterstützung, aber das war letztendlich keine gute Idee. Denn Richard Ohnsorg nahm kaum Notiz von ihr. Stattdessen musterte er interessiert ihre Begleiterin, die blonde junge Dame mit den breiten Wangenknochen und den großen blauen Kulleraugen. Die wollte er in seinem Theater haben! So war das nicht geplant gewesen, weder von der Freundin noch von Mutter Kabel noch von Heidi selbst. Manchmal kommt man eben gegen das Schicksal nicht an. Und Heidi Kabels Leben scheint schicksalhaft mit dem Ohnsorg-Theater verwoben. Geboren und aufgewachsen ist sie zufällig Große Bleichen Nr. 30 – schräg gegenüber lag das Haus, in dem sich ab 1936 die »Niederdeutsche Bühne« befand, seit 1946 »Richard-Ohnsorg-Theater«. Die Schauspielerin, die später so oft Frauen aus dem Volk darstellte, Spießerinnen im Küchenkittel oder Deerns vom Lande, kam aus einer »besseren« Familie. Ihr Vater besaß eine Druckerei und war Vorsitzender des Vereins geborener Hamburger e.V. Damals stellte dieser Begriff noch den gesellschaftlichen Gegensatz heraus, der zwischen alteingesessenen, renommierten Hamburger Familien und bloßen »gebürtigen« bestand. Letztere waren zwar selbst in der Hansestadt zur Welt gekommen, aber mit Eltern von anderswo – also halbe Quiddjes. Denen wurde gesellschaftlicher Umgang oder gar die Einheirat eher ungern gewährt. Trotzdem gestatteten die Eltern Heidi ihre Bühnenkarriere. (Schließlich hätten sie auch nichts dagegen gehabt, wenn sie Konzertpianistin geworden wäre und ließen sie deshalb ein Musikstudium beginnen.) Nachdem der Zufall sie so an den richtigen Platz geschoben hatte, nahm Heidi Kabel als gewissenhafter und disziplinierter Mensch Schauspielunterricht: Sie wollte das Ganze gern solide untermauern. Sie hatte Freude an ihrem Beruf. Sie besaß eine gewisse Bekanntheit in ihrer Stadt. Sie heiratete 1937 den vierzehn Jahre älteren Kollegen Hans Mahler und bekam zwei Söhne sowie die Tochter Heidi, später ebenfalls Schauspielerin. Dann fiel es Anfang 1954 einem in Deutschland ziemlich neuen Medium, dem Fernsehen, ein, aus dem Bunker des Nordwestdeutschen Rundfunks auf dem Heiligengeistfeld ein Stück aus der »Volksbühne« (live) zu senden. Später gab es Aufzeichnungen direkt aus dem Theater. Schlagartig wusste jeder Mensch in Deutschland, was das Ohnsorg-Theater ist. Der Name wurde allerdings selten mit dem Theatergründer in Verbindung gebracht, sondern meist als Synonym für fröhliche, erheiternde Stücke aufgefasst. Ein weiteres Missverständnis war: Plattdeutsch ist ja ganz leicht zu verstehen! Denn speziell für die Fernsehfassung sprachen die Darsteller keineswegs platt, sondern missingsch. Vor allem jedoch hatte Hamburg deutschlandweit nun ein Gesicht, eins mit breiten Wangenknochen und großen blauen Kulleraugen. Verschroben, uneitel, grotesk, keifend, patent. Keineswegs immer die Gute, doch auch als Böse noch zum Totknuddeln süß. Mit kaum vierzig oft schon die schrullige Alte. Die Zuschauer liebten ihre Natürlichkeit und meinten, sie spiele einfach sich selbst. Selten bis nie kam auf der Bühne die zurückhaltende, damenhafte Hanseatin zum Vorschein, ihre Alltagspersönlichkeit. Vielleicht war es für diese etwas reservierte Person eine Erleichterung, in ihren Rollen so koboldhaft und derbe herumzupoltern. Sie war, sagte ihre Tochter über sie, dazu erzogen worden, in der Öffentlichkeit keine Gefühle zu zeigen. Sobald sie auf der Bühne jemand anders war, entfiel dieses Verbot. Heidi Kabel wurde ein Star, der Star des Ohnsorg-Theaters, eine Legende. Sie stand in mehr als 160 plattdeutschen Stücken auf der Bühne, über 65 Jahre lang, spielte dutzende Film- und Fernsehrollen und sang volkstümliche Weisen. Sie wurde mit Ehrungen wie der »Goldenen Kamera« und dem »Bambi« überhäuft, lehnte allerdings, in hanseatischer Tradition, das Bundesverdienstkreuz ab. Im März 1970 spielte sie im Stück »Suuregurkentied«, als man sie in der Pause informierte, dass ihr Mann gestorben sei. Das Angebot, die Vorstellung abzubrechen, schlug sie aus und absolvierte den dritten Akt fehlerfrei. Sicherlich Disziplin und eine Abneigung, ihr Publikum zu enttäuschen. Aber auch ein Haltfinden in ihrer zweiten Existenz, in ihrer Rolle. Mit 84 Jahren nahm sie Abschied vom Theater. Bald verschlechterte sich ihr gesundheitlicher Zustand; sie zog einige Jahre später in eine Seniorenresidenz in Othmarschen. Auf die Frage eines Reporters, wie sie gern sterben würde, hatte sie geantwortet: »Zu Hause. Abends die Augen schließen und nicht mehr aufwachen.« Am 15. Juni 2010 wachte sie morgens nicht mehr auf. Das Ohnsorg-Theater ist ungefähr ein Jahr später von den Großen Bleichen weggezogen. Es befindet sich jetzt beim Hauptbahnhof, Adresse: Heidi-Kabel-Platz 1.</p>
<p><img src="http://www.derhamburger.info/wp-content/uploads/2013/03/Meta-Klopstock-2_OPS-219x300.jpg" alt="" title="Meta Klopstock" width="219" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-4945" /><strong>Meta Klopstock</strong><br />
<em>* 16. März 1728 in Hamburg<br />
† 28. November 1758 ebenda</em></p>
<p>Zur Klopstockstraße in Ottensen sagt der Erläuterungstext: »Benannt nach Friedrich Gottlieb K. (1724–1803), Dichter, und dessen Ehefrau Margaretha, genannt Meta K. (1728–1758). Meta Moller (ohne Pünktchen über dem o) war die jüngste Tochter des Hamburger Kaufmanns Peter Moller. Sie war ungewöhnlich intelligent und talentiert und sprach Französisch, Englisch, Italienisch sowie Latein. Als sie acht Jahre alt war, starb ihr Vater. Meta konnte sich durchaus nicht mit dem Stiefvater vertragen, den ihre Mutter anschließend heiratete, und zog zu ihrer ältesten, verheirateten Schwester Elisabeth. Sie war literarisch interessiert und begeistert von Klopstocks ersten drei Gesängen des »Messias«, die ihr auf etwas ungewöhnliche Art in die Hände kamen. Meta fand zufällig auf dem Toilettentisch einer Freundin einige beschriftete Papilloten, die damals gebräuchlichen Lockenwickler. Da es keine aus Plastik zu kaufen gab, schnitten sich die Damen aus Zeitungen oder Briefen Streifen zurecht, aus denen sie Röllchen für ihre Haarsträhnen drehten. Auf diesen nun befanden sich die Verse. Meta klebte die Stücke wieder zusammen, las und rannte zu Giseke, einem Freund der Moller-Töchter, der etliche Literaten kannte: Ob er wüsste, wo mehr von diesen »göttlichen Gedichten« zu haben sei? Giseke, wirklich mit Klopstock befreundet, ging durch den Kopf, wie gut die beiden zusammenpassen müssten. Bei seiner nächsten Begegnung mit Freund Gottlieb in Braunschweig erzählte er ihm von dem Mädchen in Hamburg, das so ganz anders sei als alle anderen und das den Messias »mit Entzücken« gelesen hätte. Dem fügte er eine ausführliche Beschreibung der 23-jährigen Kaufmannstochter bei. Klopstock, der zunächst noch abgewehrt hatte, geriet dabei »in tiefes Nachsinnen.« Ergebnis des Sinnens war der erste Besuch bei Meta im April 1751. Es muss Liebe auf den ersten Blick gewesen sein. Sie selbst schildert, wie sie ihm die Tür öffnete: »Auch hatte ich gar nicht die Meynung, daß ein ernsthafter Dichter finster und mürrisch aussehen, schlecht gekleidet seyn und keine Manieren haben müsse, aber ich stellte mir doch auch nicht vor, daß der Verfasser des Messias so süß aussehe, und so bis zur Vollkommenheit schön wäre (denn das ist Klopstock in meinen Augen, ich kanns nicht helfen, daß ichs sage).« Der Dichter seinerseits war ähnlich angetan. Wenn man Metas Porträt mit der hochgestülpten Nase und dem für damalige Schönheitsbegriffe zu großzügigen Mund sieht, muss man annehmen, dass sie viel persönlichen Charme besaß. Gottlieb huldigte ihr in zahlreichen Oden, die um die Figur der Cidli kreisen. 1752 verlobten sich die beiden – gegen den Willen von Metas Familie. Zwei Jahre später heirateten sie und zogen nach Dänemark. Es war eine ganz große Liebe, ein ganz großes Glück, geistiges Verstehen, seelisches Verschmelzen, gegenseitiges Anschwärmen. Beide waren literarisch tätig im damaligen Stil der »Empfindsamkeit«, der sentimentalen Dichtung. Meta schrieb vor allem Briefe und Essays, verfasste jedoch auch das Drama »Der Tod Abels«, ein Seitenstück zu Klopstocks Trauerspiel »Der Tod Adams«. Das Ehepaar sehnte sich nach einem Kind und freute sich sehr, als Meta endlich guter Hoffnung war. Vorsichtshalber zog sie aus Kopenhagen wieder zu ihrer Schwester nach Hamburg, vielleicht, weil sie den deutschen Ärzten eher traute: sie war bereits 30. Was heute ganz normal ist – das erste Baby in diesem Alter zu bekommen – galt damals, nicht zu Unrecht, als gefährlich. Tatsächlich starb Meta bei der Geburt am 28. November. Der kleine Sohn kam tot zur Welt. Gerade sechseinhalb Jahre waren der großen Liebe vergönnt gewesen. Gottlieb Klopstock trauerte 33 Jahre lang um Meta und besang sie in vielen Elegien. Dann heiratete er, 67-jährig, noch einmal: eine Nichte seiner verstorbenen Frau. Vielleicht war sie ihrer Tante sehr ähnlich und er hoffte, das Glück erneuern zu können. Beigesetzt wurde er 12 Jahre später auf dem Friedhof der Christianskirche in Ottensen neben Meta und seinem Söhnchen.</p>
<p><img src="http://www.derhamburger.info/wp-content/uploads/2013/03/Karl-Heinz-Köpcke_OPS-226x300.jpg" alt="" title="Karl-Heinz Köpcke" width="226" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-4947" /><strong>Karl-Heinz Köpcke </strong><br />
<em>* 29. September 1922 in Hamburg<br />
† 27. September 1991 ebenda</em></p>
<p>Eigentlich wollte er 1941, nach dem Abitur, eine kaufmännische Ausbildung machen; stattdessen zog man ihn zum Arbeitsdienst ein. 1945 geriet er als Funker der Luftwaffe in französische Gefangenschaft, aus der er 1946 entlassen wurde. Anschließend sprach er bei Radio Bremen in Hörspielen und im Schulfunk oder moderierte Quizsendungen. 1948 heiratete Karl-Heinz Köpcke seine Rundfunkkollegin Gertie Kelkenberg. Ein Jahr später engagierte ihn der NWDR in Hamburg als Nachrichtensprecher. Und zehn Jahre später landete er endlich da, wo er ganz offensichtlich hingehörte. Ab 1952 gab es bei der ARD die Tagesschau. Zunächst verwendete man dafür zusammengeschnittenes Filmmaterial der Wochenschau, versehen mit Kommentaren eines unsichtbaren Sprechers im damaligen Nachrichtenstil: hinter jedem gebellten Satz zwei Ausrufungszeichen. Am 2. März 1959 geschah etwas völlig Neues. Da saß ein gepflegter Mittdreißiger, linksgescheitelt und damals noch auffallend glatt gekämmt, hinter einem Schreibtisch und sprach ruhig: »Guten Abend, meine Damen und Herren.« Dann las er vor, was passiert war, emotionslos, korrekt, seriös. Ohne jeden persönlichen Charme. 30 Millionen Zuschauer vertrauten von da ab, Abend für Abend, seiner Zuverlässigkeit, seiner Pünktlichkeit, seiner Glaubwürdigkeit. Manche hielten ihn übrigens für den Regierungssprecher. Es galt schnell als unerzogen, einen Mitmenschen zwischen 20.00 Uhr und 20.15 Uhr anzurufen: das war die heilige Tagesschauzeit. 28 Jahre lang blickte das längliche, unauffällige Gesicht in die deutschen Wohnzimmer und neutralisierte gewissermaßen die schlimmsten Neuigkeiten durch seine kühle Sachlichkeit. Mochte die Welt untergehen, Köpcke blieb jedenfalls Köpcke. Deshalb ist es verständlich, dass man ihm plötzliche Capricen verübelte. Als er mit Schnauzbart antrat oder statt der Krawatte eine Fliege trug, reagierte die Nation ganz aufgewühlt auf diese Individualitätsversuche – bis er wieder aussah wie er selbst. Zwei Versprecher sind überliefert: »Aufpitschmuttel« und »Bundesaußenseiter Genscher«. Das ist nicht viel in fast 30 Jahren. »Mr. Tagesschau« ging am 10. September 1987 nach über 5.000 Sendungen in Rente. Fans nahmen mit Dankesbriefen, Blumen und Geschenken<br />
körbeweise von ihm Abschied. Er erzählte, dass er sich immer auf den Ruhestand gefreut hätte. Schöne Reisen wollte er machen mit seiner Frau und endlich mit Werbung Geld verdienen (das war ihm während seiner Dienstzeit verwehrt). Doch wenige Tage vor der geplanten Kreuzfahrt auf einem Traumschiff stellte sich heraus, dass er an Krebs erkrankt war. In den folgenden vier Jahren ließ er 19 Operationen über sich ergehen. Dazu kam auch noch ein Beinbruch. Als er gerade die ersten Gehversuche machte, erreichte ihn die Nachricht, dass seine ebenfalls krebskranke Frau Gertie gestorben war. In der Nacht auf den 28. September 1991, einen Tag vor seinem 69. Geburtstag, starb Karl-Heinz Köpcke. Seine Urne wurde neben der seiner Frau beigesetzt. In einer Umfrage von 2012 stellte sich heraus: Für 20 Prozent der Deutschen ist er auch mehr als 20 Jahre nach seinem Tod noch immer der beliebteste Tagesschausprecher.</p>
<p>Illustration Dieter Braun | Text Dagmar Seifert</p>
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