Ausgabe 28 | Hamburger Geschichte(n) | Persönlichkeiten & Portraits

// Deutschlands bester Gastgeber

Nichts weniger soll und will Thies Sponholz werden. Dafür hat ihn Klaus-Michael Kühne zum 
Direktor seines neuen Hotels berufen. 2016 wird »The Fontenay« eröffnet – eine Art luxuriöses 
Ferienresort, das einmal nicht am Meer oder in den Bergen liegt, sondern an der Alster

Im Sommer des nächsten Jahres geht an der Außenalster ein neuer Stern am hiesigen Hotelhimmel auf: »The Fontenay«. Bauherr Klaus-Michael Kühne hat bereits verkündet, dass es das »bes-te Hotel Deutschlands« werden soll. Dieses ambitionierte Ziel umzusetzen, ist die Aufgabe von Thies Sponholz (45), Direktor des neuen Luxustempels und seit Anfang dieses Jahres im Amt. Seitdem begleitet der gebürtige Husumer die Bauarbeiten auf dem Areal an der Fontenay und bereitet inzwischen sogar schon die Eröffnung vor. Bis zu fünf der sieben Geschosse stehen bereits. Die Einladungen für das Richtfest am 20. November werden demnächst verschickt. Es geht also im Rekordtempo voran. Wird dem Verantwortlichen da nicht schwindelig? Thies Sponholz lächelt. Er trägt einen dunkelgrünen Sommeranzug mit weißem Hemd. Im Revers steckt eine orangefarbene Häkelblume – sein Markenzeichen, davon hat er 40 Stück. »Ich liebe Herausforderungen«, sagt er, »deshalb habe ich diese Aufgabe angenommen. Ich sehe es als große Wertschätzung an, dass das Ehepaar Kühne mir ihr Hotelprojekt anvertraut hat.«

Dass Sponholz aus dem »The Fontenay« das beste Hotel des Landes machen soll, spornt ihn an: »Wir werden den Gästen hier ein Produkt präsentieren, das es so noch nicht gibt – eine Art luxuriöses Ferienresort, aber eben nicht am Meer oder den Bergen, sondern in der schönsten Metropole Deutschlands an der Alster.« Deshalb kommt es ihm auf jedes Detail an. So werden die Gäste beispielsweise nicht an einer klassischen Rezeption empfangen, sondern individuell an einzelnen »Welcome-Desks« begrüßt. Die Bar und das Gourmet-Restaurant, auch der Wellness-Bereich mit Innen- und Außenpool, liegen hoch über der Alster. Jedes der großzügigen Zimmer – ab 50 Quadratmeter – ist mit einem Balkon ausgestattet. »Die Gäste sollen sich wohlfühlen und einen Service auf höchstem Niveau erleben«, verspricht Sponholz.

 

Dafür braucht der Hotelier aus Leidenschaft besonders zuverlässige Mitarbeiter. Bis zu 200 sollen es werden. »Es nützt ihnen das beste Produkt nichts, wenn sie nicht die richtigen Mitarbeiter haben.« Wenn es um die Auswahl der Angestellten geht, dürfte Sponholz allerdings ein absoluter Profi sein. Denn mit Personalführung kennt sich der »Junge von der Küste« aus. Schon im Alter von 32 Jahren wurde er Direktor im traditionsreichen Steigenberger-Hotel »Badischer Hof« in Baden-Baden, nachdem er zuvor in zahlreichen anderen legendären Häusern Berufserfahrung gesammelt hatte – darunter so berühmte Namen wie das »Negresco« in Nizza oder das »Suvretta House« in St. Moritz. Dort hat Sponholz den Geldadel und internationale Prominenz kennengelernt: »Diese Jahre haben mich geprägt und ich habe viel Menschenkenntnis bekommen.« Er weiß seitdem, dass viele »VIPs« dankbar dafür sind, wenn sie ganz normal behandelt werden und nicht jedes Mal ein großes Aufheben um ihren Besuch gemacht wird.

 

Dass Thies Sponholz einmal einer der ganz Großen in der Spitzenhotellerie werden würde, war ihm zumindest nicht in die Wiege gelegt. Sein verstorbener Vater war Vorstand einer Bank, seine Mutter Apothekerin. »Wir sind aber viel gereist und ich habe früh zahlreiche gute Hotels kennenlernen dürfen«, verrät er. »Da war für mich schon als Jugendlicher klar, dass ich auch in diese Branche einsteigen möchte.« Gesagt, getan. Nach der Schule folgte Ende der 80er-Jahre die Ausbildung zum Restaurantfachmann im »Landhaus Carstens« am Timmendorfer Strand. Ein Haus, das an der Ostsee ein Begriff für formvollendete Gastlichkeit ist. »Wir haben am Tisch Gerichte flambiert und Hummer zerlegt. Das war wirklich eine Ausbildung par excellence mit einem hervorragenden Lehrmeister.« Schon während dieser Zeit fasste Sponholz den Entschluss, später mal Direktor werden zu wollen. Das Ziel hatte er 2002 dann ja bereits erreicht.

 

Vier Jahre später folgte ein weiterer Meilenstein in seinem Berufsleben: In Berlin durfte er das »Hotel de Rome« am Bebelplatz in einem historischen Bankgebäude eröffnen. Das Fünf-Sterne-Haus entwickelte sich zu einem Hotspot in der Hauptstadt und diente als Location für glamouröse Events. Auch Sponholz selbst wurde zu einer festen Größe der Gesellschaft in Berlin. Doch nach acht Jahren brauchte er eine Veränderung. Da kam das Angebot von Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne gerade recht. Es folgten Gespräche im »Kühne+Nagel«-Bürohaus in der HafenCity und ziemlich schnell wurde Sponholz klar: »Dieser Job ist genau das, was ich als neue Herausforderung gesucht habe.« Zumal er mit ihm noch etwas anderes verbindet: »Ich möchte endlich ankommen. In meinem Leben bin ich 15 Mal um-gezogen. Irgendwann muss man sesshaft werden.«

Und das möchte er in Hamburg. »Ich liebe diese Stadt mit all ihren Facetten.« Die passende Wohnung in Alsternähe ist gefunden. Mit ihm sind Lebensgefährtin Clarissa und Labradorhündin Ruby dort eingezogen. Die Hamburger Journalistin und der Hoteldirektor sind seit fast drei Jahren ein Paar. Gemeinsam erkunden sie nun die Hansestadt, testen Restaurants und Bars, lassen sich für Kochabende in den eigenen vier Wänden inspirieren. Auch den Golfschläger will Sponholz künftig wieder häufiger schwingen und Heimspiele seines Lieblingsclubs HSV besuchen. Doch zunächst arbeitet er vor allem auf den Tag der Hoteleröffnung im Sommer 2016 hin. Vielleicht wird das »The Fontenay« dann schon bald auch zur perfekten Kulisse für seine Hochzeit mit Clarissa: »Ja, die ist ge-plant«, verrät er schmunzelnd.

Foto Roland Magunia | Text Ulrich Gassdorf