Ausgabe 15 | Hamburger Geschichte(n) | Persönlichkeiten & Portraits

// Hauptsache, die Gäste staunen

Das ist die Maxime für Hans-Christoph Klaiber, wenn er sich mal wieder auf die Suche nach einem neuen Veranstaltungsort für sein Unternehmen Nord Event macht. Jetzt ist der Party-Profi ganz oben angekommen: Im 23. Stockwerk des neuen Emporio-Hochhauses.

»Cool, oder?« Hans-Christoph Klaiber strahlt. Der 40-jährige blonde, sportlich daherkommende Unternehmer steht in der 23. Etage des gerade revitalisierten Unilever-Hochhauses, das heute Emporio heißt. Das hier ist sein Terrain, sein Nord-Event-Panoramadeck. Gerade eingeweiht und schon sehr gut gebucht. In den nächsten Monaten findet hier oben fast jeden Abend eine Veranstaltung statt. Partys mit den schönsten Perspektiven über die Hansestadt: Im Norden liegen CCH und Alster, im Osten die City, im Westen die Reeperbahn und die »Tanzenden Türme« von Hadi Teherani und im Süden ragen Hafenkräne und Köhlbrandbrücke in den Himmel. Egal ob an der Bar, in der Lounge oder im Konferenzbereich – von überall blickt man durch bodentiefe und schier himmelhohe Fenster auf Hamburg.

Klaiber, Geschäftsführer der Veranstaltungsfirma Nord Event, die 3.500 Privatpartys und Firmenfeiern jährlich durchführt, zeigt stolz seine neue Lieblingslocation. Zwei Jahre dauerte die Runderneuerung des Hochhauses. Mittlerweile sind viele Büros wieder belegt. Auf allen Stockwerken herrscht geschäftiges Treiben. Hier und da wird aber noch gehämmert.

Der Veranstaltungsprofi schüttelt die Hände seiner Mitarbeiter. Die falten in der weiß eingerichteten Lounge des Panoramadecks gerade die Servietten und decken die Tische. Die nächsten Gäste kommen in zwei Stunden. Wie ein Junge, der ein neues Fahrrad zu Weihnachten bekommen hat, freut sich Klaiber über jedes Detail. »Hier kommt die Musik raus«, sagt er und zeigt auf die teure HiFi-Anlage. »Und alle Böden und Wände sind schallgedämpft.« Dann rast er in die Küche: »Alles neu, alles fein und blitzblank.«

Skoda

Neben dem Panoramadeck in der City gehören zu Nord Event auch noch das Penthouse Elb-Panorama im 20. Stock des Atlantic-Hauses, historische Speicherböden in der Speicherstadt und der Windjammer »Mare Frisium«. Drei Dinge seien wichtig, weiß der Firmengründer: »Lage, Lage, Lage.« Charakteristisch müsse ein Veranstaltungsort sein, authentisch den Standort abbilden und auf die Gäste so wirken, »dass ein Münchner und ein Berliner aus dem Staunen nicht mehr rauskommen.«

Zwei weitere Faktoren sorgen laut Klaiber für die perfekte Feier: Eine ausgefeilte Logistik und das kulinarische Angebot. »Wir liefern beste, auf den Produkten regionaler Erzeuger basierende Speisen ohne Konservierungsstoffe.« Hier ist der Selfmade-Unternehmer, der seine Firma 2000 in Lübeck gründete und seit 2005 in Hamburg ist, konsequent: Unter den 270 festangestellten Mitarbeitern von Nord Event sind 70 Köche, Bäcker und Konditormeister. »Bei uns gibt es immer alles aus einer Hand«, verspricht Klaiber. Auch hier geht er wieder ins Detail: »Vorgefertigte Soßenfonds sind bei uns tabu. Wer bei uns Essen bestellt, bekommt alles frisch zubereitet.«

Genau diese Detailversessenheit ist wahrscheinlich sein Erfolgsrezept. Klaiber blickt auf die Hansestadt mit offenen Augen, ist stets auf der Suche nach neuen schönen Veranstaltungslocations. Vielleicht spielt dabei auch seine Ausbildung zum Diplom-Elektroingenieur eine Rolle: Der Quereinsteiger im Gastronomiegewerbe geht mit fast naturwissenschaftlicher Akribie ans Werk. Effizienz ist für ihn stets ein wesentlicher Faktor. Wie kam der Ingenieur zum Event-Management? Als Student verdiente er sich als Musiker ein Zubrot. So lange, bis er dachte: »Warum kann ich nicht auch selbst Veranstaltungen organisieren?« Er begann also neben seinen Vorlesungen, Schiffe zu chartern und für Partys zu vermieten. Mit Erfolg. »Eigentlich wollte ich promovieren«, lächelt der in hanseatisch dunkelblau gekleidete Norddeutsche. Er entschied sich für das eigene Unternehmen und gegen die Wissenschaft.

Der Begriff »Event« stand damals für viele noch in den Sternen. Heute bezeichnen die fünf Buchstaben eine ganze Branche. Spätestens mit der Firma Nord Event, der inzwischen größten Eventagentur Norddeutschlands, bekam diese schillernde Welt der Veranstaltungsorganisatoren einen hanseatisch-seriösen Anstrich. Bei Klaiber sind das nicht nur der dunkelblaue Anzug und die braunen Schuhe. Laut Definition gelten Hanseaten »als weltoffen, urban, nüchtern, zuverlässig und aristokratisch-reserviert.« Bis auf das letztgenannte Attribut trifft auch das auf Klaiber und dessen Firmenphilosophie zu. Das Lexikon belehrt weiter: »Lübeck, Hamburg und Bremen werden mit solchen Klischees gern verbunden.« Klaiber hat für sich und seine Familie einen besonders hanseatischen Ort zum Leben auserkoren. Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in der Hafencity. »In diesem neuen Stadtteil gegenüber der Speicherstadt«, wo übrigens das Headquarter seiner Firma liegt, »ist so viel Neues entstanden und trotzdem ist immer eine Brise Tradition zu spüren.«

Foto Frank Siemers Text Anja Steinbuch