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Hector González Pino

 

 

AUTORIN: REGINE MARXEN

FOTO: TOMMY HETZEL; HAMBURG MARKETING

Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 44

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Elegant tanzt das Wasser über den See inmitten von Planten un Blomen. Es bildet in Licht getauchte Formationen und Fontänen. Leuchtendes Blau wechselt zu Grün; über all dem schweben die Klänge von Jacques Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“. Dann herrscht Stille und Dunkelheit, eine Nanosekunde lang verharrt das Wasser in der Luft, dann fällt das Gebilde prasselnd in sich zusammen. Applaus.

 

An einem Tag wie heute wird Hector González Pino an seinem Arbeitsplatz den Applaus der Zuschauer, die sich rund um den See versammelt haben, sogar hören. Denn heute ist ein warmer Abend, dann steht die Tür zu dem kleinen Pumpen- und Spielhaus am Rande des Gewässers offen. Unauffällig drückt es sich quasi in den See hinein, im Innern steht das Lichtklavier mit seinen 95 Tasten in doppelter Reihe, daneben die Wasserorgel mit den abgeschabten Hebeln, der Server-Turm summt in der Ecke laut vor sich hin. Die Orgel ist ein filigranes Objekt aus den 70er-Jahren – und sieht auch ein wenig so aus. Die surrende Technik ist neu, die Anlage hat in diesem Jahr ein technisches Update erfahren. Alte Verpackung, neuer Inhalt. „Wir sind von der analogen zur digitalen Welt gewechselt, aber ohne die Handarbeit aufzugeben.“ Hector González Pino blickt durch das rechteckige Fenster auf das Panorama der Parkanlage – und auf sein Arbeitsgerät, auf die 99 Wasserdüsen und 566 LED-Scheinwerfer.

 

Zusammen mit einem Kollegen lässt er von hier aus die Fontänen tanzen, denn dieser Job ist Teamarbeit. Einer spielt die Licht-, der andere die Wasserorgel. Das Ganze geschieht live, während die Musik vom Band kommt. Das Spiel ist komplex. 15 Fontänengruppen gibt es, und jede von ihnen lässt sich in sechs Grund- und deren Mischfarben beleuchten. Klingt technisch und künstlerisch zugleich. Und genau so beschreibt der 52-Jährige seinen Job. „Es ist eine musikalische Arbeit mit stark technischem Zugang. Es ist eine künstlerische Leistung, aber eine, die nicht vor den Kopf stoßen darf. Sie soll für ein Massenpublikum geeignet sein.“ Seit 15 Jahren ist Hector González Pino Wasserlichtorgel-Chef in Planten un Blomen. Er ist Hamburger, auch wenn sein Name anderes vermuten lässt. Zu Uruguay, der Heimat seines Vaters, hat er wenig Verbindung. „Absolut norddeutsch“ beschreibt er sich selbst. Den Posten als künstlerischer Leiter trat er gleich nach seinem Tanzpädagogik-Studium an.

 

„Die damalige Leiterin suchte bewusst einen Nachfolger, der aus dem Tanz kommt. Denn dieser kann die Trägheit des Wassers gut einschätzen.“

 

Er hatte ein Gefühl für das Medium, beste Voraussetzungen. Alles andere lernte er schnell, auch die Notation, denn die ist speziell. „Die Wasserlichtorgel hat eine eigens kreierte Notenschrift, in der die Verläufe beider Elemente dokumentiert sind.“ Diese ist ihm heute in Fleisch und Blut übergegangen. Alle zwei Jahre choreografiert er ein neues Stück Wasserlichtmusik. Er legt ein Oberthema fest, beispielsweise Ballett oder Kino, recherchiert Musiken, wählt die passen- den Stücke aus und verbindet sie zu einer Einheit. „Wenn ich beim Hören nicht sofort die Wasserbewegung sehe, dann eignet sich das Stück nicht.“ Auch das inzwischen zehnköpfige Team dürfe bei dem Prozess mitreden. „Das hat sich bewährt“, sagt González Pino. Am Ende schreibt er die Noten in Form von Farben und Wellen und verpackt diese in großformatige Ordner. Sie werden Teil des Fundus, aus dem er in jedem Jahr mindestens sechs Kompositionen auswählt, die über die Saison hinweg gespielt werden. Die neuesten Stücke liegen ihm dabei immer besonders am Herzen, in diesem Jahr ist es eines mit Filmmusiken. „Fluch der Karibik“, „Harry Potter“, „Shape of Water“ oder die Titelmusik von „Game of Thrones“ sind Teil davon. González Pino hat es im letzten Jahr zusammengestellt, er blättert durch die Noten, erzählt, dass Film- und klassische Musik sich am besten für die Wasserlichtorgel eignen, und zeigt dabei auf die Linien, die nur zu den Auserwählten sprechen, die diese Sprache beherrschen. Natürlich, das weiß auch Hector González Pino, könnte man diesen ganzen Vorgang automatisieren. Aber warum? „Es gibt genug programmierte Wasserlichtorgeln auf dieser Welt“, sagt er. „Meistens ist das Ergebnis beliebig, es fehlen die Nuancen. Hier sitzen Menschen aus Fleisch und Blut. Jeder von uns ist anders. Jede Vorstellung ist ein Kunstwerk. Umsonst, draußen, für alle Hamburger und deren Gäste zugänglich. Den ganzen Sommer lang.“ 

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