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Tina Heine

 

 

AUTOR: JÖRG FINGERHUT 

FOTOS: RAIMUND FRITSCHE

Wir sitzen im Garten des Hadley’s, während um uns herum die Reste der gestrigen Jubiläumsfeier beseitigt werden. Vom Nachbartisch flachst der Jazzsänger Ian Shaw, der tags zuvor neben anderen alten Weggefährten aufgetreten ist, mit Tina. Er isst die letzten Obstreste seines späten Frühstücks und bittet sie lachend, die Polizei nach ihm suchen zu lassen, falls er es bis drei nicht zurückgeschafft habe. Ich bin mitten im Leben von Tina Heine, die diese Oase zwischen Univiertel und Schanze gemeinsam mit ihrem damaligen Geschäftspartner Bodo Klemm vor zwanzig Jahren eröffnet hat. Und es sind bereits zwei wesentliche Themen ihres Lebens genannt: Jazz und Hadley’s.

 

Bekannt geworden ist Tina in Hamburg – und weit über die Stadtgrenzen hinaus – aber nicht primär als Gastronomin (auch wenn das vielleicht durchaus verdient gewesen wäre), sondern eigentlich deshalb, weil sie ihre Idee, den Jazz in Hamburg einem größeren Publikum zugänglich zu machen, als Chefin einer Bar nicht umsetzen konnte. Genauer gesagt funktionierten die regelmäßigen Jazzkonzerte im Hadley’s in den 2000er-Jahren sehr gut. Nur sind die Mauern des alten Hospitals Beim Schlump leider nicht so perfekt schallisoliert. Deshalb mussten die Konzerte eingestellt werden. Tina hat daraufhin auf ihre Erfahrungen geblickt und gesagt, dass Hamburg noch viel mehr Jazz brauche – nicht nur einmal pro Woche im Hadley’s. Dann hat sie 2010 gemeinsam mit Nina Sauer das Elbjazz Festival gegründet und damit offenbar einen Nerv getroffen. Denn obwohl (oder gerade weil?) organisatorisch zu Beginn vieles fast so virtuos improvisiert wurde wie die Musik, faszinierte das Festival schnell durch die einmalige Kombination aus grandiosen Musikern und der Kulisse des Hamburger Hafens. Die Besucherzahlen steigen seitdem kontinuierlich, und das Elbjazz ist längst eines der wichtigsten Jazzfestivals in Europa. Obwohl das niemals das erklärte Ziel von Tina war.

 

„Meine Idee war eher eine Art Imagewechsel. Ich wollte zuallererst Menschen für den Jazz begeistern und zeigen, dass diese Musik rein gar nichts Oberlehrerhaftes hat, dass Jazz von tollen Musikern gemacht und von ebenso tollen Menschen gehört werden kann. Und die wollte ich zusammenbringen.“


Tina, die bis Ende 2015 die künstlerische Leitung des Elbjazz Festivals hatte, ist seit 2016 leider ziemlich oft nicht in Hamburg. Das hat damit zu tun, dass sie nach ihrem Ausscheiden beim Elbjazz in nahezu identischer Funktion jetzt Intendantin beim Salzburger Jazz & The City Festival ist. Vieles ist ähnlich wie in Hamburg, manches ist komplett anders. Wesentlichster Unterschied für Tina, in ihrem verhältnismäßig neuen Job in Salzburg, ist die Tatsache, dass das Festival dort direkt beim Altstadt-Marketing aufgehängt ist. Es gibt ein klares Budget ohne spekulative Einnahmen, da das Festival mit seinen hundert Konzerten an fünf Tagen komplett eintrittsfrei ist. Es ist eben keine subventionierte Veranstaltung mit privatwirtschaftlichem Hintergrund, bei der Eintrittskarten verkauft und Sponsoren gewonnen werden müssen, um jedes Jahr profitabel zu sein. Das erleichtert die Aufgabe für die Intendantin und ermöglicht mehr künstlerische Freiheit. Die mit der Stadt geteilte Überzeugung, dass der Jazz helfen werde, das Image der Stadt Salzburg zu verjüngen, ist zudem eine starke Basis für die gemeinsame Arbeit. Das gilt auch im weiteren Sinn. Denn der ursprüngliche Gedanke – schon der ersten Konzerte im Hadley’s – war es, interessante Menschen zusammenzubringen.

 

Insofern ist es gar nicht so überraschend, dass sie zusätzlich zu der Auswahl der Künstler – und den vielen Konzerten während des Jazz & The City – mit „Out of the Box“ noch ein Projekt anstößt: „Es sind während des Festivals so viele spannende und kluge Menschen in der Stadt. Die wollen wir in verschiedenen Konstellationen interdisziplinär zusammenbringen und mit ihnen verschiedene Themen öffentlich diskutieren und initiieren.“ Und da schließt sich auch der Kreis. Denn im Hadley’s verfolgt sie genau das – nach zwanzig Jahren seit Kurzem wieder intensiver – mit zwei neuen Formaten. Zum einen mit der monatlichen „Musiksprechstunde“, bei der namhafte Größen der Musikbranche miteinander plaudern und oft überraschende Einblicke gewähren. Und zum anderen mit der Veranstaltung „Hadley’s Salon“, den sie nach der Wahl Trumps initiiert hat. Denn damals wurde deutlich, dass zu vielen Themen bei ganz vielen Menschen ein enormer Redebedarf besteht. Und weil dieser Redebedarf sonst nur durch eher anstrengende Talkshows mit den immer selben Gästen bedient werde, lade sie jetzt regelmäßig Wissenschaftler der benachbarten Uni zu aktuellen Themen ein: um Themen fundiert und in Ruhe zu beleuchten, um sich auszutauschen und zu diskutieren.

 

„Das Hadley’s ist meine Homebase“, sagt sie. „Hier kann ich immer
landen. Die Menschen werden immer gute Orte suchen, an denen
sie zusammenkommen können.“ Und das Hadley’s ist – seit nunmehr zwanzig Jahren – ein guter Ort.

Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 37

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