Goldschmiede H. C. Kay

SPOTLIGHT LEVANTEHAUS

Text: Simone Rickert Fotos: Giovanni Mafrici

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Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 53

DER STEMPEL MIT LOGO, kleinem Brillanten und der Angabe zum Feingehalt des Edelmetalls darf auf keinem Stück fehlen, das die Goldschmiede verlässt. Sabine Kay drückt ihn auf eine besondere Anfertigung: Eine Kundin hat sich aus mehreren Erbstücken einen Kettenanhänger machen lassen, der die Erinnerung an Tanten, Mutter und Großmutter in einem Schmuckstück vereint. Solche Aufträge liegen der Goldschmiedemeisterin besonders am Herzen, sie fordern hohe Handwerkskunst und bringen alte Steine neu zur Geltung.

Ein geradliniges und ausdrucksstarkes Design, das ist die Handschrift von Sabine Kay. Sie führt damit die Tradition fort, die der Großvater ihres Mannes Hans-Christoph begründete. Bei der Pariser Weltausstellung gewann Christoph Kay 1900 eine Bronzemedaille für seine Entwürfe. 1910 eröffnete er gemeinsam mit seinem Kollegen Otto Stüber eine Goldschmiede an der Anckelmannstraße: Sie übersetzten den Bauhaus-Stil ins Schmuckdesign, ließen Jugendstil-Elemente einfließen. Christophs Sohn Hans führte das Geschäft 1947 in Blankenese weiter. Im Silberschatz des Rathauses befinden sich Stücke aus seiner Hand, das Senatsbesteck der Stadt Hamburg. Und Hans-Christoph lernte schon als junger Mann beim Vater, aber dann ging er erst mal auf große Fahrt: zur See, raus in die Welt. Als Sabine Kay 1976 ihren späteren Mann kennenlernte, war von Heirat noch keine Rede. Doch ihre Design-Handschrift passt hervorragend zum Namen Kay. Kurz: Wie das Leben so spielt, es verging Zeit, bis die beiden 1997 gemeinsam als allererste Mieter in der neu gestalteten Passage ihr Geschäft eröffneten und ein Paar wurden. Mit vier Mitarbeitern betreiben sie die Werkstatt, übrigens in schönster Bach’scher Tradition: Schon als der Erbauer sein Kontorhaus unter den Mietern aufteilte, war der hintere Bereich an Handwerker und das lichte Obergeschoss an Künstler vergeben.

Die Anfertigung von Siegelringen ist eine weitere Spezialität des Hauses, nach alten Vorlagen oder mit neu entworfenem Wappen. Was ein stilvoller Flaneur eben so braucht. Trauringe und Verlobungsringe von zeitloser Schönheit – wobei, Sabine Kay lächelt, eine Kundin mal zu ihr gesagt hat: „Man wechselt schon mal den Partner, aber nicht den Goldschmied.“