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Das Bärtierchen
GEH MIR NICHT AUF DEN SACK

©DRECKSARBEIT – Der Mikrokosmos unter unseren Füßen, Dölling und Galitz Verlag
Wie herrlich wäre es, wenn wir uns – angenommen, unsere Umwelt nervt mal wieder so richtig – in einen leblosen Sack verwandeln könnten. Da würden die anderen aber Augen machen. Das können aber leider nur Hamburgs wohl unprominenteste Einwohner: die an winzig kleine, krallenbewehrte Gummibären erinnernden Bärtierchen, auch Tardigraden genannt. Unter lebensfeindlichen Bedingungen schrumpeln sie in das sogenannte Tönnchenstadium, das keinerlei messbares Leben mehr enthält – wissenschaftlich noch ein Rätsel – und können so mehr als 20 Jahre überdauern. Wird’s um sie wieder besser, erwachen sie innerhalb von 30 Minuten vom zerknautschten Staubsaugerbeutel zu neuem Leben. Die oft weniger als einen Millimeter großen Gesellen existieren weltweit, sind im Hamburger Dreck, in Gärten, in Parks, in allen feuchten Lebensräumen kaum zu sehen und können im Kryptobiose-Zustand sogar im unwirtlichen Weltall überleben. Die groß von Nicole Ottawa und Oliver Meckes unterm Rasterelektronenmikroskop fotografierte Art ist neu entdeckt, trägt den Namen Ramazzottius kretschmanni, zu Ehren von Baden-Württembergs Ex-Ministerpräsidenten Kretschmann, um sein Engagement für Artenschutz und Biodiversität zu honorieren.
DRECKSARBEIT
Der Mikrokosmos unter unseren Füßen
144 Seiten, 30 Euro
Dölling und Galitz Verlag
Nominiert als Wissensbuch des Jahres 2025 von „Bild der Wissenschaft“
