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Isabel Bogdan

 

 

AUTORIN: REGINE MARXEN

FOTO: HEIKE BLENK

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Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 44

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Das Leben ist eine Achterbahnfahrt. Mal geht’s hoch, mal runter. Für Isabel Bogdan geht die Reise steil aufwärts, seit 2016 ihr Debüt-Roman „Der Pfau“ erschien. Ein Riesenerfolg – und für die 50-Jährige eine Überraschung. Nicht, weil sie an ihrem Talent oder an ihrem Buch zweifelte. Sondern weil sie das Buchgeschäft kennt. „Es gibt so viele Einzelteile, die zusammenpassen müssen. Ich bin lange genug in der Branche, um zu wissen, wie viel Glück man haben muss, um so einen Erfolg zu haben.“

 

Hier hat anscheinend alles gepasst. Die Geschichte vom durchgedrehten Pfau auf einem schottischen Gut hat die Leser und Kritiker begeistert. Für Isabel Bogdan fühlt sich das bis heute wie ein Neuanfang an. Ein Branchen-Neuling ist sie allerdings nicht: Seit 20 Jahren ist sie als Übersetzerin tätig, hat Schriftsteller wie Nick Hornby oder Jane Gardam in ihrer Vita stehen. Sie liebt den Job, macht ihn mit großer Leidenschaft, auch heute noch. Aber eines störte sie schon immer: Er ist ihr zu einsam. „Ich mag Menschen, eigentlich bin ich nicht dafür gemacht, nur für mich allein am Schreibtisch zu arbeiten.“ Das Bloggen und Social Media waren für sie lange das Fenster nach draußen, 2014 war sie sogar Bloggerin des Jahres. „Damals waren Blogs noch Tagebucheinträge, ich habe dort viel über das Übersetzen, aber auch Beobachtungen aus dem Alltag veröffentlicht.“ Inzwischen werden die Einträge auf ihrer Homepage seltener. Isabel Bogdan ist einfach zu viel unterwegs, da draußen, in der Welt jenseits ihres Schreibtischs. „2016“, erinnert sie sich, „war ein einziger Rausch. Allein im November hatte ich 15 Lesungen.“ Als Schriftstellerin lernt man die Republik kennen, ist an Orten zu Gast, die man vorher nicht auf der inneren Landkarte hatte. Ab einem gewissen Punkt verschwimmt das Ganze zu einem Wirrwarr an Bildern von Bahnhöfen und Hotels. „Zudem ich erwiesenermaßen das schlechteste Gedächtnis der Welt habe.“ Was bleibt, ist die Erkenntnis: „Das Jahr war anstrengend. Aber auch ganz schön großartig.“ Jetzt also der zweite Roman.

 

Mit „Laufen“ vollzieht sie einen Genrewechsel. Ihre Protagonistin hat in diesem Roman viel zu verarbeiten. Der Text spiegelt das, hat einen drängenden Ton, einen schnellen Beat. „Wenn ich schreibe, habe ich als Erstes den Sound im Kopf. Die Story selbst entwickelt sich dann tatsächlich beim Schreiben. Und dieses Mal habe ich meiner Figur einiges an Problemen mit auf den Weg gegeben.“ Auch wenn der Roman nicht gänzlich humorbefreit ist, handelt es sich hier nicht um einen Schenkelklopfer. Sorgt das für Druck, wo das erste Buch doch „niemandem wehtat“, wie sie selbst sagt? „Das ist eklatant untertrieben. Ich bin sehr aufgeregt. Einerseits sind mir beispielsweise die Buchhändler sehr wohlgesinnt, andererseits existiert eine Erwartungshaltung gegenüber dem neuen Roman.“ Sie lacht und fügt hinzu: „Wir werden sehen, wie es läuft.“ Das macht sie oft, lachen. Auch über sich selbst. Sie ist eine Frau, die Dinge ausprobiert, sich spielerisch leicht aus der eigenen Komfortzone bewegt. Neugierig und ohne Sorge, sich zu blamieren. Vielleicht hat sie das in Japan gelernt. Ein Jahr hat die Japanologie- und Anglistik- Studentin dort gelebt. Als 1,83 Meter große, blonde Frau fällt man dort ziemlich auf. Verstecken ist da keine Option, auf die Menschen zugehen schon. Zudem ist Isabel Bogdan eigentlich Kölnerin; am Rhein sind die Leute mitunter redseliger und offener als im Norden. Heißt es. Bestätigen kann die Wahl-Hamburgerin das nicht. Seit 14 Jahren lebt sie in der Hansestadt und fühlte sich von Beginn an pudelwohl. Sich hier niederzulassen, sagt sie, wäre eine ganz bewusste Entscheidung gewesen. „Berlin oder Hamburg? Hamburg machte das Rennen. Mein Mann ist Lehrer, hat sich hierhin versetzen lassen. Und ich konnte aufgrund der vielfältigen Literaturszene beruflich sofort andocken.“ Während die Heldin in ihrem neuen Roman auch läuft, um anzukommen, hat die Autorin selbst dieses für sich bereits erreicht. Diese Stadt ist ihre Heimat. Alles andere ist im Fluss, entwickelt sich. So wie die neue Buchidee, die Isabel Bogdan bereits in sich trägt. Aber erst einmal endet das Jahr für sie mit vielen Lesereisen. Bereits jetzt gibt es unzählige Anfragen. Die Achterbahnfahrt geht weiter. Läuft bei ihr. 

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