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Moritz Fürste
HYROX
Es gibt nur wenige Menschen, die ihre Visionen wirklich leben – Moritz Fürste gehört dazu. Der 41-jährige Hamburger Unternehmer hat eine Sportmarke geschaffen, die kurz vor der Aufnahme ins Olympiaprogramm steht, und ist Super-Befürworter der Bewerbung der Hansestadt um die Austragung der Olympischen Spiele.
Text: Christoph Plass | Fotos: Anatol Kotte
Vor nicht einmal vier Jahren organisierte der zweimalige Olympiasieger und ehemalige Welthockeyspieler in London den ersten Hyrox-Wettbewerb – mit 600 Startern. 2025 hat die neue Fitness-Eventsportart, die aus einem Parcours mit acht Kraftübungen besteht, die durch 1000-Meter-Läufe verbunden sind, die ganze Welt erobert. Über eine Million Teilnehmer, etwas mehr als die Hälfte Frauen, haben in diesem Jahr an den Wettkämpfen teilgenommen.
Eine Boomsportart. Die am schnellsten wachsende weltweit? „Vielleicht“, sagt Fürste, den in Sportkreisen alle nur Mo nennen, „das behaupten aber einige von sich. Es kommt immer darauf an, welche Parameter man misst.“ Fürste und sein Geschäftspartner Christian Tötzke denken bereits weiter. Es laufen Gespräche mit dem Welt-Triathlonverband, dem sich Hyrox gern als zusätzliche Sportart anschließen möchte. Dadurch stünde der Fitnesssportart dann auch der Weg ins Programm der Olympischen Spiele offen. „Ich gebe Buch und Siegel drauf, dass Fitness Racing olympisch wird“, ist sich der Vater zweier Töchter sicher. „Denn es ist ein logischer Schritt. Es passt in seinen Facetten ideal zum olympischen Gedanken. Bei uns performen junge Weltklasse-Athletinnen und -athleten. Und es ist eine Zuschauersportart mit Entertainmentcharakter, was vielen klassischen Olympia-Sportarten fehlt.“ Die aktuelle Hamburger Bewerbung um Paralympische und Olympische Spiele wird Hyrox voraussichtlich als Testsportart für eine Ausrichtung 2040 oder 2044 vorschlagen. Schaut man auf die rasante Entwicklung des Sports, wird es vermutlich gar nicht so lange dauern. Olympia in Hamburg ist trotzdem ein Thema, das Moritz Fürste am Herzen liegt. Der mehrfache Hockey-Welt- und Europameister war einer der wichtigsten Botschafter der gescheiterten Hamburger Bewerbung um 2024.
Er hielt damals in der Frankfurter Paulskirche eine bewegende Rede, die mit dazu beitrug, dass sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) für Hamburg als potenziellen Austragungsort festlegte. Dass dies schließlich an einem knappen negativen Bürgerentscheid in der Hansestadt scheiterte, war für Moritz Fürste nicht nur emotional eine der herbsten Niederlagen seines Lebens. „Wir waren mit Thjnk, der Agentur, in der ich damals gearbeitet habe, als einer der letzten drei Bewerber im Pitch um die lokalen Vermarktungsrechte. Es war eine unglaubliche Enttäuschung, dass diese berufliche Zukunft sich nicht erfüllt hat.“
Für 2040 oder 2044 legt er die Hoffnung auf Spiele in Deutschland. „Es wäre einfach so großartig, wenn dieses größte Sportevent der Welt nach 1972 mal wieder hier stattfinden würde“, erklärt Fürste. „Aber natürlich werde ich auch als Botschafter Hamburgs wieder zur Verfügung stehen, wenn man mich fragt. Hamburg ist meine Heimatstadt!“ Und er ergänzt grinsend: „Ganz sicher werde ich mich allerdings nicht wieder wochenlang von Supermarkt-Eröffnung zu Infoabend durch die Stadt karren lassen.“ Dafür ist der Tag des Tausendsassas Fürste auch viel zu eng getaktet. Neben der Arbeit für Hyrox hat er die Plattform Powwow Sports gegründet, die Athletinnen und Athleten auf einem jährlichen Festival und bei Community Events eine Bühne für ihre Geschichten gibt, und hat sich vor Kurzem erst zum Vorsitzenden seines Heimatclubs Uhlenhorster HC wählen lassen.
Bei all dem, was ihn umtreibt, steht für Moritz Fürste die Familie an erster Stelle. Vater Peter hatten er und sein jüngerer Bruder Jonas im Herbst 1994 beim tragischen Untergang der „Estonia“ in der Ostsee verloren. Der riesige Verlust schweißt die Brüder und Mutter Nicola bis heute eng zusammen. Die Familie wird für Moritz durch Ehefrau Stephanie und die beiden Töchter Emma und Lotta vollkommen.
Bei seinem vollen Terminkalender ist die Zeit mit der Familie begrenzt. Ehepaar Fürste hat aus dieser Not eine Tugend gemacht. Stephanie Fürste hat inzwischen schon fünf Mal an Hyrox-Wettbewerben rund um den Globus teilgenommen. Sie und Moritz haben auch schon zwei Mal als „Mixed“ an den sogenannten „Doubles“ teilgenommen. Dort treten Paare aus zwei Männern, zwei Frauen oder einer Frau und einem Mann gemeinsam an.
„Währenddessen streift man manchmal sogar einen Streit, wenn der Ehrgeiz einen packt und man den anderen zu Höchstleistung anspornt, aber es ist ein grandioses Gefühl, gemeinsam die Ziellinie zu überqueren“, sagt Moritz Fürste lächelnd. Die Emotionen und Strategien aus dem Sport haben für ihn immer schon eine große Tragweite gehabt. Fast etwas staunend blickt der 41-Jährige auf seine berufliche Karriere. „Es gibt nicht viele Sportler, die als Gründer eine unternehmerische Karriere machen“, so Fürste. „Was habe ich schon zu bieten im Vergleich zu den Highflighern mit zahlreichen Abschlüssen, die in der Gründerszene erfolgreich sind.“ Gerade mal anderthalb Jahre Berufserfahrung hatte er nach Abschluss seiner beispiellosen Leistungssportkarriere bei Hyrox-Gründung. Viele trauten sich den Schritt nicht zu, „allerdings ist es in Deutschland ja auch nicht unbedingt en vogue“.
Mo Fürste hat sich auf die Dinge verlassen, die ihn auch im Hockey erfolgreich gemacht haben. Ein starkes Team als Basis bringt den Mut, Dinge auszuprobieren. „Da ist einiges auch eine Frage von Timing und Glück“, gibt er zu. „Aber ich habe gelernt, wenn du den Shot nicht wagst, kannst du auch nicht treffen.“ Der unbedingte Wille, kreative Ideen weiterzuentwickeln und auch vor bürokratischen Hürden nicht Halt zu machen, ließen das noch junge Unternehmen selbst die Corona-Zeit überleben, als an Fitnessevents überhaupt nicht zu denken war. Kurzum widmete man sich der Organisation von Testzentren und startete, als die Beschränkungen aufgehoben wurden, sofort mit der Entwicklung von Hyrox weiter durch.
Die vielleicht größte Niederlage seines Lebens, das negative Referendum um die Olympiabewerbung vor zehn Jahren, hat Fürste genauestens analysiert. „Die Gründe sind relativ simpel. Ein Referendum als demokratisches Entscheidungsinstrument führt selten dazu, dass das Ergebnis wirklich die Meinung der basisdemokratischen Mehrheit widerspiegelt. Die intrinsische Motivation der Gegner ist größer, zur Wahl zu gehen, als die derjenigen, die im Grunde dafür sind.“
Deshalb hofft er, dass für die neue Entscheidung am 31. Mai möglichst viele Befürworter die Briefwahlunterlagen nutzen, die ihnen Anfang Mai zugeschickt werden. Vor zehn Jahren musste man Briefwahl erst beantragen. „Ich glaube, das ist dieses Mal ein großes Plus, dass man zu Hause schnell sein Kreuz machen und es früh abschicken kann.“ So war auch beim Mitbewerber München schon im Oktober eine 67-prozentige Zustimmungsrate erreicht worden. Fürste hofft vor allem auf Zuspruch aus gesellschaftlichen Bereichen fernab vom Sport. „Dass Sportler dafür sind, ist ja nicht überraschend. Ich glaube, dass man viele unentschlossene Hamburger überzeugt bekommt, wenn Idole zum
Beispiel aus Musik oder Kunst ihre Unterstützung ankündigen!“







