Ansichtssache –

F.C. Gundlach im Interview

 

 

AUTORIN: SIMONE RICKERT

FOTOS: F.C. GUNDLACH

Herr Gundlach, DER HAMBURGER lebt von großformatigen Fotografien. Besonders müssen sie sein, das gewisse Etwas haben. Was ist für Sie ein gutes Bild?

Ein gutes Bild muss immer Anreiz sein, mehr sehen zu wollen. Für mich als Fotograf, der selbst viele Jahrzehnte für führende Magazine wie „Film und Frau“, „Brigitte“ oder „Twen“ gearbeitet hat, ist es immer positiv, wenn der Fotografie durch ein großzügiges Layout ohne störende Typografie und Werbeanzeigen gehuldigt wird.
Sie sind 1956 der Arbeit wegen nach Hamburg gezogen. Hier saßen Ihre Auftraggeber, die Verlage, Modehäuser, die Lufthansa. Haben Sie auch ein paar persönliche Lieblingsorte gefunden?
Es sind weniger die Orte, die mich über die Jahre beeindruckt haben, sondern die Bewohner dieser weltoffenen Stadt, die mich immer wieder aufs Neue inspirieren. Viele meiner Ideen, Projekte und Bestrebungen wären in anderen Städten vielleicht nicht realisierbar gewesen. Und dass ich mich dann gegen Paris entschieden habe – damals der Sehnsuchtsort aller jungen Europäer – zeugt in meinen Augen von meiner Wertschätzung für Hamburg.
Die Triennale der Photographie steht an – Ihre Initiative. Das Leitthema ist „Breaking Point. Searching for Change“. Gab es so einen Moment in Ihrem Leben?

Ein wichtiger Wendepunkt in meinem Leben war Ende der 1980er die Entscheidung, die Kamera aus der Hand zu legen. Bereits 1971 hatte ich im Bunker in der Feldstraße mit PPS mein eigenes Dienstleistungs-unternehmen für Fotografen ge-gründet. 1975 folgte die PPS. Galerie. Das Sammeln und Kuratieren wurden zu meinen zentralen Herzens-
angelegenheiten. Zeit zum Fotografieren blieb immer weniger. Es wurde für mich zudem immer wichtiger, dem Medium Fotografie in all seinen Erscheinungsformen eine Plattform zu schaffen. Das Ergebnis sehen Sie heute nicht nur in Form der Triennale, sondern vor allem im Haus der Photographie.
Nie scheinen die Menschen mehr Fotos am Tag konsumiert zu haben, die sozialen Medien und Online-Nachrichten überfluten uns damit.
Schnell durchgeklickt, meist schnell vergessen. Glauben Sie an eine Zukunft mit erinnerungswürdiger Reportage-Fotografie?

Ja, ich denke, die wird es durchaus geben. Es gilt natürlich, die Spreu vom Weizen zu trennen. Die digitale Fotografie stellt heute ganz andere Herausforderungen an Fotograf und Betrachter als noch zu meiner aktiven Zeit. Aber das kann durchaus positiv sein. Stillstand ist nie gut. Wirklich bedeutende Bilder werden ihre Zeit überdauern, auch außerhalb ihres Entstehungskontextes funktionieren und unser kollektives Gedächtnis prägen.
Die meisten Ihrer Fotografien sind schwarz-weiß. Gefällt Ihnen das einfach besser?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe bereits ab Mitte der 1950er viel Farbe fotografiert. Anfangs war das unglaublich aufwendig und kostspielig. Seitens der Magazine auch wenig gefragt, da die Kombination aus Schwarz-Weiß und Farbe im Layout eine echte Herausforderung darstellte. Nur wenn eine farbige Anzeige geschaltet wurde, konnte im redaktionellen Teil auch in Farbe gedruckt werden. Das gab die Technik eben so vor. Zudem konnte nur vom belichteten Gelatine-Abzug gedruckt werden. Ab Mitte der 1960er änderte sich das. Die farbigen
Seiten im Heft verdrängten nach und nach das übliche Schwarz-Weiß. Die Redaktionen benötigten hierfür lediglich das Farb-Dia für die Gestaltung. Viele meiner Farbaufnahmen sind daher niemals auf Papier abgezogen worden. Meine Stiftung widmet sich vorerst der Ordnung und Archivierung meiner Schwarz-Weiß-Abzüge. Die Sichtung meines umfangreichen Farb- und Negativarchivs steht noch aus.
 

Das komplette Interview lesen Sie in Ausgabe 39.

Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 39

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