Porträt –

Koch Kontor

 

 

AUTORIN: SIMONE RICKERT 

FOTOS: JULIA SCHWENDNER

Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 34

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In urgemütlicher Laden zwischen Messe und Karoviertel. Hot Spot aller Hamburger, die einer etwas seltsamen Leidenschaft frönen: Kochbücher lesen – und gelegentlich auch daraus kochen. Bücherre­ga­le bis unter die Decke, lichte Einrichtung, die Sonne fällt durch große Fenster, pastellige
Farben. In der offenen Küche werden appetit­liche Portionen für den Mittagstisch angerichtet, es duftet nach Tomate und Kräutern.


Mittendrin die Inhaberin Martina Olufs, fachsimpelnd mit einer Kundin, die offenbar einen ganz bestimmten Titel sucht. Man könnte sagen:
Hier hat sich jemand seinen Traum erfüllt. Aber, das träfe es nicht so ganz. Denn Martina Olufs ist eher nicht die Träumerin aus der rosaroten Abteilung „Haaach-morgen-kündige-ich-und-mach-ein-kleines-Restaurant-auf“ …
Eher muss man mit großem Respekt sagen, hier hat jemand eine einzigartige Idee in die Tat umgesetzt – ganz pragmatisch, Schritt für Schritt, und dabei offenbar alles richtig gemacht. Erst dieser sehr spezielle Buchladen, dann die Küche dazu. Erst mal „das Nest gemacht“, wie sie sagt, also den Laden schön eingerichtet, die richtigen Titel aus dem schier unendlichen Angebot ausgewählt, Buchhaltung, Kasse – musste alles stimmen. Ganz passend, das bodenständige „Kontor“ im Namen. Und dann erst das Restau­rant gestartet, tolle Köchinnen engagiert, die wirken, wie die besten Freundinnen bei ihrer
Lieblingsbeschäftigung. Aber die ganze Logistik, angefangen mit dem Einkauf, dann die Zeitplanung, sehen, dass alle Zutaten hübsch und rechtzeitig auf einem Teller landen: Das ist was anderes, als wenn man ab und zu mal für Freunde kocht. Hier füllt sich Schlag 12 Uhr der Laden mit Werbern aus den umliegenden Agenturen, mit Richtern sowie Messegästen – und die haben Hunger!


„Es ist ja nicht wenig Arbeit, viele Stunden, man sollte sich schon vorher überlegen, ob man so einen Job machen möchte, oder nicht …

 

… Ich hab mir das alles gar nicht überlegt und find’s trotzdem gut. Ich arbeite halt gern und viel und lieber mit den Händen als hinterm Schreibtisch. Ich würd’ nie wieder zurückgehen“ , erzählt sie mit dem glücklichsten und zufriedensten Lächeln der Welt. Eine Ausbildung als Reiseverkehrskauffrau hat sie gemacht, bei einer Eventagentur gearbeitet, ist viel unterwegs gewesen, aber auch viel im Büro. Das war’s definitiv noch nicht, aber sie hat das Beste daraus gemacht: Das Reisen hat geholfen, das richtige Konzept für den Laden zu finden. In ganz Europa hat sie sich Kochbuchläden angeguckt, sich systematisch bei den Besitzern durchgefragt, wie’s denn so läuft. „Und immer, wenn ich in einen Laden reinkam, habe ich gedacht: Ja, das bin ich! Das will ich machen.“ Und nun macht sie genau das, schon seit zehn Jahren. Kann selbst nicht so recht glauben, dass die Zeit so verflogen ist. „Time flies when you’re having fun“, würde man in New York sagen, wo sie geboren ist. Die eigene Idee erfolgreich umzusetzen, macht sehr sehr glücklich, man sieht es in Martina Olufs blitzenden Augen. Sie liebt ihren Job, und das überträgt sich auf die Atmosphäre – das kriegt man mit, egal ob man zum Kaufen, Stöbern, Essen oder Kochen kommt.

 

Am gemütlichsten wird es nachmittags, wenn die letzten Mittagsgäste wieder an ihren Schreibtischen in den Büros sitzen. Dann schnappt man
sich einen Stapel potentieller, neuer Lieblings-Kochbücher zum Schmökern, trinkt dazu einen Kaffee und verspeist ganz langsam Löffel für Löffel ein Stück supercremigen Cheesecake.

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