Porträt –

Müllmänner

 

 

AUTOR: DAVID POHLE  

FOTOS: RENÉ SUPPER

Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 36

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Einen Tag bei der Stadtreinigung, Müllabfuhr. Mit allem, was dazugehört, keine Sonderbehandlung. „Kein Problem“, schrieb Herr Möller. „Ich gehe davon aus, Sie haben keine körperlichen Gebrechen. Dann seien Sie Freitag um 5.45 Uhr da.“

 

Moin. Moin. Moin. Moin. 5.45 Uhr, nicht zu freundlich guckend, gehe ich über den Betriebshof der Stadtreinigung im Neuländer Kamp, Stadtteil Neuland, Bezirk Harburg, Region Süd-Ost. Ende der Sackgasse. Alle anderen sind schon da. Der Hof trägt Orange. In den Niederlanden die Farbe der Freiheit und des Oranje-Teams. Hier die Arbeitsmontur. Ich werde erwartet, der freundliche Herr Platt mit dem festen Händedruck schickt mich zu Herrn Becker. Platt ist hier der Einzige, der kein Orange trägt, offenbar Bürojob. „Mann, sind sie groß“, hält sich Becker nicht lange auf, gibt mir eine riesige Tüte, randvoll mit Klamotten, um mich für jedes Wetter einzukleiden. Es ist noch frisch, die Sonne scheint. Was tragen die anderen? Ein kurzer Blick, dann die Entscheidung für T-Shirt, Weste und Latzhose. Farbe? Ist klar. Die ist übrigens mit Lebensfreude, Optimismus und Geselligkeit nahezu ausschließlich positiv besetzt. Und überhaupt, was den Dalai Lama kleidet, soll mir nur recht sein.


6.04 Uhr. Sicherheitseinweisung. Penibel und gründlich. Nur mit Handschuhen arbeiten – die Hamburger Stadtreinigung setzt übrigens auf das Modell Bremen, ungeheuerlich – , nie in den Müll – Scherben, Spritzen – greifen, nichts mitnehmen, was daneben steht (ist nicht bezahlt), im Zweifelsfall Mundschutz tragen, nicht von der Plattform springen, nicht ein- oder aussteigen, wenn der Lkw rollt, MGB (Müllgroßbehälter) nur zu zweit bewegen, nicht rauchen, nicht trinken. Und das Bewusstsein haben, dass alle, die ihren Müll von uns abholen lassen, Kunden sind, nicht etwa wie einst Gebührenschuldner.


6.15 Uhr. Mir wird noch schnell ein Hamburger Schlüssel zugesteckt. Der Vierkanter löst Bremsen von Mülltonnen, öff­net Kästen, ist unverzichtbar, wenn man was bewegen will.
„Moin, wir sind die Eliteeinheit der Müllabfuhr“, sagt Cihan Altun mit dem breitesten Grinsen. „Mir ist völlig egal, wo jemand herkommt, was für eine Religion er hat, Haupt­sache er ist korrekt und kann arbeiten.“ Kann losgehen. Meine Kolonne besteht aus drei echten Lokalhelden, die sich auf unserer Wilhelmsburg-Tour bestens auskennen. Zweimal die Woche sind sie hier im Viertel mit Lkw-gefluteten Trassen, wie dem Reiherstieg-Hauptdeich und der Harburger Chaussee, in bürgerlichen Wohnstraßen und der inzwischen fast hippen Veringstraße, mit netten Lokalen, kleinen Läden, aber auch einer langen Schlange vor dem Alten Deichhaus, wo Tafel und Arbeitsloseninitiative sitzen. Uninteressant für mein Team: Fast 75 % aller Mitarbeiter sind seit über 10 Jahren im Unternehmen, und wer das erste Jahr übersteht, keine goldenen Tonnen umschubst, bleibt hier bis zur Rente. Den kompletten Artikel lesen Sie in unserer Ausgabe Herbst 2017.

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