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Henning Riecken
REPRÄSENTANT BREUNINGER
Der Kieler, der Hamburg im Sturm eroberte, ohne ein Geschäft zu haben. Probleme kennt er nicht, maximal handelt es sich um Herausforderungen. Er ist der Repräsentant vom Mode- und Lifestyle-Haus Breuninger in Hamburg. Protokoll einer finalen Punktlandung und Freundschaft.
Text: David Pohle | Fotos: Anatol Kotte
Henning Riecken lernte ich im April vor einem Jahr kennen, ich wollte ihm was zuschicken, er hatte noch keine Postadresse und kam stattdessen selbst ins Stella-Haus, Verlagssitz des HAMBURGERS, um abzuholen, was für ihn gedacht war. Mit der schnell festgestellten Verbindung durch einen gemeinsamen Freund, den Henning schon aus Schulzeiten kannte, war gleich gute Stimmung, er setzte sich, wir unterhielten uns lange, bis wir Hunger bekamen. Meiner Empfehlung folgt er gern, „Veddeler Fischgaststätte“, zwischen Lkws und Elbbrücken am Hafenrand, nicht die Schokoladenseite der Stadt, aber berühmt für seine Fish & Chips, Fassbrause und das Gesamtensemble,
vor allem innen, das aussieht, als würde es kurzfristig einen Platz im Museum für Hamburgische
Geschichte finden.
Und Henning hatte die Ärmel schon hochgekrempelt, sich und Hamburg vorbereitet auf einen der Höhepunkte der historischen Breuninger-Journey, die Eröffnung des Flagship-Stores, auf drei Etagen und mit einer Fläche von 14.000 Quadratmetern DER Ankermieter im neuen Westfield Hamburg-Überseequartier.
Nun, in Hamburg ließ man sich gern bitten, die Eröffnung wurde einmal, dann zweimal verschoben, beim dritten Mal konnte Henning – bis dahin wie ein König ohne Königreich – sein Team von rund 150 Mitarbeitern endlich auf den Platz lassen, Anfang April dieses Jahres öffneten sich feierlich die Tore, und seitdem bekommt er sein verschmitztes Lächeln selten aus dem Gesicht.
Der 58-jährige Riecken hat es sportlich genommen, die Zeit genutzt wie kein anderer, der einen Fuß in die Tür zur hamburgischen Gesellschaft bekommen wollte. Ohne geöffnetes Geschäft wohlgemerkt. Kaum eine schöne Veranstaltung in Hamburg, wo Breuninger nicht als Partner auftrat oder gleich mit Henning als hanseatisch großzügigem Gastgeber, kein Gespräch, wo auch immer, bei dem der Name Breuninger, meistens in einem Atemzug mit „Du kennst den Henning doch auch“, ausgelassen wurde. Und Henning immer mittenmang. Das heißt mittendrin und ist dem in Kiel aufgewachsenen Vater zweier erwachsener Kinder natürlich vertraut. Er ist das Gesicht der Marke Breuninger. In Hamburg jedenfalls, aber Riecken und Breuninger sind wie Tempo und Taschentuch, und er ist der anerkannte Repräsentant an der Elbe.
Nicht wenige, in deren Wahrnehmung das von Henning erzeugte Grundrauschen dazu führte, dass man annahm, Breuninger würde ganz groß in der Hafencity eröffnen. Und das Westfield wäre ein Teil davon. Tatsächlich ist es aber genau andersherum. Riecken meint dazu nur: „Wir gehen immer aktiv in die Stadt hinein.“
Er lebt das, wohnt in Eppendorf, ist geländegängig und sicher auf jedem Parkett. Kommen tut er von der Ostsee, Wassersportfan, alles, was Wind braucht. Näht aus alten Segeln Taschen, Jacken und macht aus Lust eine Schneiderlehre, parallel Abendkurse, um auch auf Maß schneidern zu können.
Dem BWL-Studium folgen langjährige Stationen bei Anson’s und später Peek & Cloppenburg, seit 2018 ist er beim Breuninger, wie der Schwabe sagt und Bezug auf das Stammhaus nimmt, das 1881 in Stuttgart gegründet wurde.
Der Breuninger. Während mit der nationalen Identität verbundene Namen wie das zuletzt dauerinsolvente Karstadt langsam implodiert sind, Neckermann und Hertie nur Ältere noch erinnern, ist Breuninger stabil inhabergeführt und steht gut da. Beeindruckende 1,5 Milliarden Euro Umsatz, die Hälfte mit dem Onlinehandel, den man bei Breuninger seit 2008 mit Lehrgeld, Expertise und langem Atem massiv vorangetrieben hat und der als Lehrbeispiel gilt, wie man es richtig und gut macht. Meine Kolleginnen lieben breuninger.com jedenfalls. Vermutlich hat man von Stuttgart aus das alte Sprichwort verinnerlicht, dass, wer nicht mit der Zeit geht, mit der Zeit geht. Und innovativ waren sie schon immer, führten die Kundenkarte ein und nutzen für den Weg in die Damenoberbekleidung erstmals die Rolltreppe.
Und Breuninger hat sich auch in den letzten Jahrzehnten durch die erfolgreiche Anpassung und die Integration digitaler Erlebnisse vor Ort einen hervorragenden Ruf erarbeitet, der nirgendwo selbstverständlich ist. „Offline und online sind für uns ein Geschäft, es gibt keine Trennung. Online ist kein Gegner für Breuninger, sondern wir sind eine Company, eben ein Multichannel-Department-Store“, sagt Henning.
Zwölf große Stores gibt es in Deutschland, alle in besten Innenstadtlagen, und wer Henning durch die drei Etagen in Hamburg gehen sieht, muss kein Profiler sein, um zu erkennen, dass hier nichts anonym ist, dass der Kunde gesehen, ernst genommen und wertgeschätzt wird. Henning lebt es vor, sein Team hat es drauf. „Wir müssen den Einzelhandel neu denken, ein Springbrunnen reicht jedenfalls nicht mehr aus.“
Ortsbesuch. Chicagostraße 1, da steht Henning Riecken zwischen den Schaufensterpuppen. Moment, die heißen jetzt Figuren, lächelt selbstbewusst für den Fotografen, ohne sich verstellen zu müssen, bereit, seine Breuninger-Journey fortzusetzen. Mit gelegentlichem Boxenstopp auf der Veddel, hoffe ich.







