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Juliane Golbs

KÜNSTLERIN

Text: Regine Marxen | Fotos: Uta Gleiser

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Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 58

Die Malerei ist ihr Ticket ins Glück. Das war schon immer so, zumindest solange sich Juliane Golbs erinnern kann. Als Sechsjährige sei sie einmal im Krankenhaus gewesen, erzählt sie. Man hätte einen Katheter legen müssen. „Jule, welchen Arm sollen wir nehmen?“, fragte der Arzt. „Den linken“, hätte sie ohne zu zögern geantwortet. „Sonst kann ich nicht mehr malen.“ Die Malerei war ihr Kraftspender, sie ist es noch heute. Wer Juliane Golbs’ Werke betrachtet, wird Teil ihres Kosmos. Der ist farbintensiv, leuchtend, einladend. Die 35-Jährige arbeitet mit Acryl, Lacken, Blattgold und Goldcreme; malt Blumen, die nie welken, Autos, die zeitlos im Vintage-Look strahlen, Hamburgs Elbphilharmonie oder den Pariser Eiffelturm. Ihre Motive sind dynamisch, energetisch. Einhundert Prozent Lebensfreude im Leinwandformat.

Das kommt an, die Hamburger Promiwelt feiert Juliane Golbs’ bunten Blick auf die Welt – und ihren Style. Die Malerin ist inzwischen zu Hause auf den roten Teppichen dieser Stadt und zeigt sich stilsicher. Wie ihre Bilder ist sie ein Unikat. Zu sehen waren ihre Arbeiten zuletzt in der Ausstellung „Life is a Color“ in der Barlach Halle K im Rahmen ihrer ersten großen Werkschau. Der Clou: Die Gäste konnten sich virtuell weitere Ausstellungen der Künstlerin anschauen – durch eine VR-Brille. Umgesetzt hat das ihr Mann Nicolas Krohn, der sich gern digital austobt und Ideen ausprobiert. Das Paar ergänzt sich perfekt und kann sich 2023 über ein ganz besonderes Geschenk freuen. Sie erwarten ihr erstes gemeinsames Kind, ein Mädchen.
Eine Frau malt sich nach oben. Klingt märchenhaft und ist es auch ein wenig. Nur dass Juliane Golbs keine Prinzessin ist, die auf ihren Prinzen gewartet hat.

Die Leichtigkeit, die sie sich heute leisten kann, hat sie sich selbst erarbeitet. Aufgewachsen ist sie in Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern. Während andere Kinder ihren zahlreichen Hobbys nachgingen, zog die junge Juliane sich zurück und malte allein an ihren Skizzen. Sie war eine Einzelgängerin, die sich, sobald sie alt genug war, in den Zug nach Hamburg statt ins Klassenzimmer setzte, das ermogelte Attest vom Arzt und ihr Pausenbrot in der Tasche, um in Hamburgs Museen abzutauchen. Ihre Eltern begriffen: Gegen diese Leidenschaft war kein Kraut gewachsen. Vor allem ihr Vater, ein gelernter Schiffsbauer, unterstützte sie auf ihrem Weg. „Er besuchte mit mir Museen und Ausstellungen, sagte mir immer, dass es gut war, wie ich war, auch wenn die anderen Kinder das nicht verstanden haben.“

Nach dem Abitur studierte sie Kunst an der Hochschule für bildende Künste und absolvierte gleichzeitig ihr erstes Staatsexamen in Philosophie und Pädagogik an der Universität Hamburg. Auch hier war sie weit entfernt davon, ein It-Girl zu sein. Alles, was an Geld übrig blieb, floss in die Malerei. „Ich war immer das Mädchen, das allein gemalt hat, das allein in Urlaub gefahren ist, das allein ins Museum gewackelt ist“, erinnert sie sich. „Und dann kommt dieser Mann um die Ecke, der etwa sieben Jahre jünger ist als ich und der für mich die Potenzierung von meinem Sein war.“ 2016 war das. Mit Nicolas Krohn, sagt Juliane, wurde ihr Schaffen noch strahlender. „Ich habe immer wieder auch mit sehr krassen Kontrasten gearbeitet. Aber als er da war, hat das komplett den Rahmen gesprengt, im wahrsten Sinne des Wortes.“ Heißt: Die Leinwand wurde zu klein, sie bemalte auch den Rahmen mit. Ein raumgreifendes Glück. Julianes Bekanntheit wuchs. Sie verkaufte erste Bilder, organisierte Ausstellungen und vermarktete sich über Social Media selbst. In der Promiwelt fand sie endlich auch Gleichgesinnte und Freunde. Menschen, die für eine Sache leben und brennen, sagt sie.

Heute verdient sie mit ihrer Malerei Geld. Gutes Geld. Juliane Golbs hat sich einen Namen gemacht. Den nutzt sie auch für Wohltätiges: Seit 2021 ist sie Botschafterin für die NCL-Stiftung. Erfolg ist für sie nicht rein monetär, es geht ihr um Sichtbarkeit. Als Malerin gehört sie zu einer Minderheit in der bildenden Kunst, in der es vor allem Männer sind, die den Weg in die Museen und Galerien schaffen. Bisher, das ändert sich, auch weil es Frauen wie Juliane Golbs gibt. Sie hängt noch nicht in den großen Museen, aber sie geht ihren Weg, und sie gibt viel von sich preis. Wer die Öffentlichkeit sucht, macht sich verletzbar. Juliane Golbs ist attraktiv, blond, mag Fashion und Marken. Sie mag einfach Schönes. Ihre Offenheit und ihre Freude daran stößt nicht bei allen dort draußen auf Verständnis. Sie tickt anders und passt in keine Schublade. Aber Juliane Golbs hat sich ihre Räume erschaffen, und Malerei kann auch ein Schutzschild sein.

In dem Moment, in dem diese Zeilen entstanden sind, malt sie zu zweit. Ihre Tochter ist bei ihr, und sie projizieren gemeinsam ihr Strahlen auf die Leinwand. „Ein wenig haben sich die Fragen bereits verändert“, sagt sie. Sie arbeitet gerade mit Handschuhen und Atemmaske, um das Kind vor Farbdämpfen zu schützen. Das ist umständlich, aber gar nicht zu malen, ist keine Alternative. Zudem neue Projekte anklopfen, sie hat in Paris eine Hutmacherin kennengelernt, und warum sollte man immer nur auf Leinwänden malen? Das Glück sucht sich seine Wege. Man muss sich nur trauen, sie zu gehen.

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