
Für den Vollbildmodus bitte auf ein Bild klicken
Laura Ludwig
BEACHVOLLEYBALL
Jesses, was hat die Frau Titel eingeheimst: zwölfmal Beachvolleyballerin des Jahres, viermal Europameisterin, Weltmeisterin, fünf Olympia-Teilnahmen und 2016 Gold geholt. Heute ist Laura Ludwig HSV-Vizepräsidentin, Speakerin und sagt als Botschafterin von Active City Hamburg natürlich Ja zu Olympia in unserer Stadt!
Text: Andrea Hacke | Fotos: Jan Northoff
„Endlich wieder Sand unter den Füßen!“, ruft Laura Ludwig, als sie für uns barfuß auf den Elbstrand soll. Ihr Gesicht leuchtet, sobald der Volleyball in ihren Händen liegt, sie danach hechten kann oder aber die 2016 in Rio gewonnene Goldmedaille an ihrer Hand baumelt. Vom vielen Berühren blättert das Gold schon langsam ab. Aber Laura macht daraus kein Gedöns, brachte ihren Olympia-Gewinn in einer Einkaufstasche mit zum Shooting und reicht ihn bereitwillig umher. Demnächst möchte sie die Medaille auch in Kitas und Schulen tragen und den Kindern erzählen, wie wunderbar es ist, Sport in sein Leben zu lassen und groß zu träumen. Als Active-City-Botschafterin hat sie gerade ein Ziel: so viele Hamburger wie möglich dafür zu gewinnen, beim Referendum am 31. Mai mit Ja zu stimmen für eine Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Das größte Sportevent vor der Haustür – für die Athleten, die Zuschauer und die heutigen Kinder und Teenager, die sich vielleicht mal dafür qualifizieren werden.
Laura selbst war acht, als sie in Berlin erstmals die zehn Minuten vom Elternhaus bis zur Volleyballhalle und dem Köpenicker SC gelaufen ist. Mit 13 nahm sie an einer dreitägigen Sichtung für das Jugendnationalteam teil – und fiel durch. „Ich habe damals Rotz und Wasser geheult“, sagt Laura. „Die haben nur Lulatsche genommen, obwohl ich in den Tests mit die Beste war.“ Kurzer Zweifel, alles zu lassen. Zum Glück blieb sie dabei: Schon vorm Abi schaffte sie es in die Erste Bundesliga in Leverkusen. Und als der Trainer von der Sichtung damals sie fragte, ob sie jetzt nicht doch bei ihm die Europameisterschaft mitspielen könne, antwortete sie: „Nein, keine Zeit.“ Nach dem Abi wechselte sie zum Beachvolleyball, zog dafür erst nach Kiel und 2007 nach Hamburg, als in Dulsberg die erste Beachvolleyballhalle entstand.
20 Jahre Hochleistungssport liegen hinter ihr, mit Gewinnen ohne Ende. Als erste europäische Beachvolleyballerin wurde sie 2025 in den USA in die Volleyball Hall of Fame aufgenommen. Ein Jahr zuvor hatte sie ihre Karriere beendet. Es war mühsam geworden, täglich an die eigene Grenze zu gehen, ewig um eine noch bessere Leistung zu kämpfen. „Andere Sportler haben ja oft erzählt, sie seien nach ihrer Karriere in ein Loch gefallen“, erzählt Laura. „Ich war mir sicher, das passiert mir nicht.
Ich hatte zwei kleine Söhne, ein volles Leben. Doch als es dann so weit war, kämpfte ich Monate mit der neuen Situation. Wer war ich? Wo wollte ich hin? Und was stimmt mit mir nicht, dass ich das nicht weiß?“
Wohl eher ein normaler Prozess, wenn ein komplett durchstrukturiertes Leben plötzlich wegfällt. Dazu die Sportlerblase mit Trainern, Partnerin und Freunden auf der ganzen Welt. Früher war jeder von Lauras Schritten verplant – das Essen, Training, selbst die Schlafenszeit. Und über allem schwebte diese Riesenleidenschaft für das tägliche Tun. „Nicht leicht, etwas zu finden, was dieses Loch wieder füllt.“
2025 stieg sie beim HSV als Vizepräsidentin ein. Der Verein hatte die Sportlerin über Jahre unterstützt; seit 2013 trug Laura bei jedem Spiel die HSV-Raute als Tattoo auf der Schulter. Hier ist ihr Wissen gefragt. Also gibt sie intern Tipps zum Mindset, zur Teamarbeit, zur Kommunikation, zur Wichtigkeit von psychologischer Unterstützung. Und sie verrät die Skills, um bei Olympia weit nach vorn zu kommen. „Ich habe meine Goldmedaille erst bei den dritten Spielen geholt, vorher konnte ich mich nicht unter Kontrolle bekommen“, erzählt Laura. „Heute weiß ich, was nötig ist, und kann das dem Nachwuchs mitgeben. Ich möchte nicht all meine Erfahrungen mit ins Grab nehmen.“ Neben der ehrenamtlichen Hilfe für möglicherweise zukünftige Olympioniken beim HSV geht sie als Speakerin in Unternehmen, denn Teamarbeit, Kommunikation und auch Identifikation sind in der Wirtschaft ebenso vonnöten.
Sie kann das fachlich einwandfrei. Mit dem ganzen Körper im Element ist sie jedoch erst, sobald es um Sport geht. Wenn sie sich im Gespräch an gewisse Situationen ihrer Laufbahn erinnert, strahlt sie oder hat Tränen in den Augen. Das ist emotional noch ganz dicht.
Wahrscheinlich ist sie deshalb die beste Botschafterin, die Active City Hamburg haben kann. Immer wieder, wenn das zuständige Team für Hamburgs Olympiabewerbung in den letzten Monaten sein Konzept vorstellte, stand Laura mit auf der Bühne. „In der Welt gibt es gerade so viel Negatives, Olympia könnte ein wichtiger positiver Gegenpol sein. Wir haben das in Paris gesehen: nur gute Vibes und statt Spaltung ein Riesen-Miteinander. Mehr Liebe in einer Stadt geht nicht.“ Laura betont, dass nicht nur die Leute mit Tickets etwas von den Spielen haben sollen, sondern wirklich alle Bewohner durch Public-Viewing-Plätze, verteilt in ganz Hamburg. „Allein wegen der neuen Sportstätten für die Stadt müsste jeder, der Kinder oder Enkelkinder hat, dafür stimmen. Das Wasser der Stadt würde gesäubert, und die Jüngsten könnten Helden finden, denen sie nacheifern möchten. Diese vielen Chancen dürfen wir nicht verstreichen lassen.“
Bei all der Euphorie: Könnte es sein, dass sie bei zukünftigen Olympischen Spielen als Trainerin mit einem Beachvolleyballteam dabei wäre? „Sport fixt mich an. Aktuell sehe ich das nicht, aber wenn meine Kinder älter sind, könnte ich sicher wieder um die Welt reisen.“ Kurze Pause, ein Lächeln. „Man soll ja nie nie sagen, ne?“







