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Malika Rabahallah

LEITUNG FILMFEST HAMBURG

Seit Anfang 2024 leitet Malika Rabahallah nun schon das Filmfest Hamburg. Mit internationaler Erfahrung und klarer Handschrift entwickelt sie das Festival weiter. Über Veränderung, Visionen – und eine Frau, die Kino als eine Kraft versteht.

Text: Regine Marxen | Fotos: Anatol Kotte

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Der Applaus hallt noch nach. „Könige des Sommers“ war der Eröffnungsfilm von Malika Rabahallahs erstem Filmfest Hamburg als Leiterin. Ein französischer Debütfilm von Louise Courvoisier, die Regisseurin und der Hauptdarsteller Clément Faveau waren auch vor Ort. Die Komödie über die Liebe und das Landleben in seiner teils ruppigen Schönheit war eine mutige Wahl, denn auch wenn die Filmemacherin Courvoisier als der neue Ken Loach gehandelt wird, eilt ihr dieser Ruf noch nicht voraus. „Es war eine Wette“, sagt Malika Rabahallah, und sie ist aufgegangen. Kleine Filme können große Spuren hinterlassen, das hätte das Publikum gefühlt. „Der Film brachte eine gewisse Leichtigkeit mit sich, das war mir für den Festivalauftakt wichtig.“

Seit dem 1. Januar 2024 leitet die gebürtige Französin das Filmfest Hamburg. Eine Aufgabe, die sie mit dem Elan einer Frau angeht, die mehr als drei Jahrzehnte internationale Filmerfahrung mitbringt – und einen klaren Plan, wie das Festival in der Stadt und darüber hinaus wirken soll. Sie will das Filmfest wieder stärker in der Stadtgesellschaft verankern, es soll offen sein für alle und jeden. Und sie will die Filmbranche nach Hamburg holen. Denn das Festival soll ein Ort der Vernetzung sein. Rabahallahs Vorgänger Albert Wiederspiel hat das Festival 21 Jahre lang geprägt. Seine Fußstapfen, sagt sie, seien enorm. „Für mich ist es vor allem eine Chance. Eine Basis, auf der mein Team und ich aufbauen können.“ Ihre kuratorische Handschrift konzentriert sich auf junge, aufstrebende Stimmen, ohne die Meister des Kinos zu vernachlässigen. Das Michel Kinder und Jugend Filmfest soll stärker in den Fokus rücken, um auch junge Menschen für das Kino zu begeistern.

Rabahallah ist nicht nur Cineastin, sondern auch Netzwerkerin, Vermittlerin und Strategin. Aufgewachsen ist sie in einem Pariser Vorort. Als junge Frau studierte sie Betriebswirtschaft, weil man ihr sagte, sie könne gut mit Zahlen umgehen – und weil sie einfach Geld verdienen wollte. Ein freiwilliges ökologisches Jahr in Costa Rica, wo sie als Dschungelführerin arbeitete und Projekte mit indigenen Völkern durchführte, zeigte ihr eine andere Seite der Welt – und ihr Interesse an Sprachen und anderen Kulturen. Ihre Filmkarriere startete sie bei einem Festival in Köln. Sie wollte lernen, wie Filme gemacht werden, arbeitete mit Lutz Hachmeister zusammen, war in der Produktion unterwegs und kam schließlich zur Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (Moin Filmförderung). Mit ihrem BWL-Studium hätte sie in der freien Wirtschaft sicherlich mehr verdienen können. „Aber ich bin reich an Erfahrungen.“ Die Filmbranche kennt sie also von allen Seiten: als Producerin, Beraterin, Co-Autorin und Co-Regisseurin, als Filmfest-Leiterin. Das Kino ist ihre Leidenschaft, für sie hat es eine verbindende Kraft.

Welches Medium kann so viele unterschiedliche Menschen dazu bringen, sich in einem dunklen Raum zu versammeln, um gemeinsam in andere Realitäten aufzubrechen? Das Lichtspielhaus ist ein Ort der Empathie, der Begegnung – und in ihren Augen mehr denn je ein Raum gesellschaftlicher Relevanz. Doch nicht alle Teile der Gesellschaft können daran teilhaben. Filmfestivals haftet oft etwas Elitäres an, ganz zu schweigen davon, dass sich nicht jeder den Eintritt leisten kann. Rabahallah initiierte kurzerhand den Tag des freien Eintritts. Am 3. Oktober 2024 konnten alle Hamburgerinnen und Hamburger die Beiträge des Filmfests kostenlos sehen. 2025 geht die Aktion in die zweite Runde, erneut mit Unterstützung der Behörde für Kultur und Medien. Auch hinter den Kulissen bringt sie Bewegung ins System. Mit neuen Branchenevents wie der Industry-Plattform „European Work in Progress“ und einem Forum für internationale Filmverleiher wird Hamburg stärker als Knotenpunkt im europäischen Netzwerk positioniert. Das heißt nicht, dass das Filmfest um jeden Preis wachsen soll. Dass das Filmfest in ihrem Debütjahr 59.000 Besucher zählte, ist erfreulich und zudem ein Rekord. Aber entscheidend ist, „dass sich alle eingeladen fühlen“.

Das Filmfest Hamburg soll sich wie ein kulturelles Netz über die Stadt legen. Es soll sichtbar sein. Malika Rabahallas größter Wunsch ist ein Festivalzentrum, ein Ort, an dem sich Menschen zufällig begegnen – Filmschaffende, Stadtbewohner, Branchenvertreter. Sie weiß auch schon, wo dieser Ort sein könnte: der Alsterpavillon am Jungfernstieg. Schöne Idee, aber gar nicht so leicht umzusetzen. Die größte Herausforderung sind die begrenzten finanziellen Mittel. Die Stadt mache viel, um das Filmfest zu unterstützen. Sie hofft auf weitere Zuwendungen von den Hamburger Unternehmen und Mäzenen. Und so knüpfen sie und ihr Team weiter Netzwerke, um ihre Vision des Festivals zu verwirklichen. Die Frau, die einst Betriebswirtschaft studierte, um „etwas mit Zahlen zu machen“, ist heute Botschafterin für das bewegte Bild – und für ein Hamburg, das mehr sein kann als Kulisse.

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