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Lieblingsplatz in Hamburg? „Bei mir zu Hause am Süllberg mit Blick auf die Elbe. Am liebsten elbaufwärts, weil dort Ebbe und Flut sichtbar werden.“ Zuckowski mag den Wechsel. Wetter, Wasser, Rhythmus. Die Idee, dass man nie „fertig“ ist. Alles ist Entwicklung. Dein Umfeld, dein Werk, du selbst.
Rolf Zuckowski – Liedermacher, Komponist, Produzent, Unternehmer – hat für viele Generationen so etwas wie den Soundtrack der Kindheit geschrieben. Er hat über zwanzig Millionen Tonträger verkauft, viele seiner Songs sind längst zum kulturellen Gemeingut geworden. „Wie schön, dass du geboren bist“, „In der Weihnachtsbäckerei“, „Stups, der kleine Osterhase“. „Zeilen, die du eigentlich nur singen kannst“, sagt ihr Schöpfer. Parallel dazu engagiert er sich seit Jahrzehnten sozial. Mit seiner Stiftung „Kinder brauchen Musik“, die Kindern Zugang zu musikalischer Bildung ermöglicht, und als Initiator des Vereins „Elbkinderland e.V.“, der Kinder- und Jugendchöre entlang der Elbe vernetzt und regelmäßig große Begegnungskonzerte organisiert. Auch mit 79 Jahren ist Zuckowski dort noch aktiv: 2025 stand er im Rahmen einer Tournee mit den „Elbkinderland“-Chören erneut selbst auf der Bühne. Nach Konzerten, sagt er, dauert das Selfies-Machen und Autogramme-Schreiben manchmal „doppelt so lang wie das Konzert“.
Körperlich mitunter anstrengend, aber seelisch ein Aufputschmittel. Nahbarkeit war und ist ihm wichtig. Begegnungen sind das, was bleibt, und so ist es wenig überraschend, dass er Freunden und Wegbegleitern auf seiner Homepage einen eigenen Platz widmet. Fakt ist: Rolf Zuckowski zählt zu den erfolgreichsten Künstlern Deutschlands. Fragt man ihn danach, erzählt er selbstbewusst von seinem Schaffen, setzt aber auch gezielt Grenzen. „Man darf wissen, dass ich auf dem Süllberg wohne. Wo, muss keinen interessieren“, antwortet er mit Sendungsbewusstsein auf die Frage nach seinem Lebensort in Hamburg.
Aufgewachsen ist er in Hamburg-Winterhude. Sein Vater fuhr zur See, die Mutter war Friseurin, später Zustellerin bei der Post. Keine Künstlerfamilie, Sicherheit zählte. Musik hatte ihren Platz, in der Freizeit, nicht als berufliche Perspektive. Zuckowski lernte Gitarre, spielte mit der Schülerband „The beAthovens“ am Albrecht-Thaer-Gymnasium. Sie nahmen sogar ein Album auf. Aber mit einem Auftritt im Hamburger „Star-Club“ endete ihre Geschichte. Während eines Stücks hörte ihr Sologitarrist einfach nicht auf zu spielen. Auch nicht, als der Rest der Band die Bühne verließ. Am zweiten Weihnachtstag 1967 war das, es hätte auch das Ende von Zuckowskis Musiklaufbahn sein können. Wir wissen es besser, war es nicht. Auch wenn der junge Rolf Zuckowski nach dem Abitur erst einmal Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg studierte.
Stichwort Sicherheit. Anfang der 70er-Jahre verschlug es ihn zu den Musikverlagen Sikorski, wo er als Assistent der Geschäftsleitung in den Maschinenraum des Musikgeschäfts schauen konnte. Parallel schrieb und produzierte er weiterhin Songs, unter anderem für das Schweizer Trio „Peter, Sue & Marc“, das mehrfach am Eurovision Song Contest teilnahm. 1979 war er als Dirigent in Jerusalem dabei, 1981 in Dublin.
Es lief gut für ihn. Dass ausgerechnet die Kleinen ihn groß machen würden, das ahnte er damals noch nicht.
Mitte der 70er-Jahre kam der Wendepunkt. Der Auslöser: seine Tochter Anuschka. Die sang gern und liebte eine Liederfibel mit Bildnoten. Zuckowski griff diese Form auf, entwickelte erste eigene Stücke, sang mit seiner Anuschka, probierte sie mit Kindern im „Kinderhaus Iserbrook-Sülldorf“. 1977 erschien „Rolfs Vogelhochzeit“. Ein Durchbruch. Es folgten Fernsehauftritte und Familienprogramme. 1984 moderierte er die Samstagabend-Sendung „Große Show für kleine Leute“. Ein Eltern-Kind-Programm zur besten Sendezeit, das war ein Novum. Für den Künstler Zuckowski war das nur folgerichtig, denn der nahm seine Zielgruppe ernst. Immer stärker fokussierte er sich auf ein Familienpublikum, veröffentlichte eigene Alben, entwickelte Konzertprogramme, gründete 1994 sein Label „Musik für Dich“ und arbeitete als Komponist und Textautor für andere Künstler.
Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehörte das erste Tabaluga-Album mit Peter Maffay mit dem Text zur Hymne „Nessaja“. Der Song handelt vom Wunsch, sich etwas Kindliches zu bewahren. Gefragt nach seinem eigenen „inneren Kind“, antwortet Zuckowski: „Ich wollte nie erwachsen sein, heißt ja nicht, kindisch zu bleiben, sondern sich etwas Wertvolles zu bewahren.“ Die Fähigkeit, zu träumen, zum Beispiel. Was wäre die Welt ohne scheinbar unvernünftige Träumereien?
Mit seinem Erfolg geht Rolf Zuckowski zurückhaltend um. Er hat schon einige Ehrungen und Auszeichnungen erhalten. Das Bundesverdienstkreuz, später die erste Klasse des Ordens, der Echo für sein Lebenswerk sowie zuletzt ein Preis der Gema für sein gesellschaftliches Engagement. 2025 ernannte ihn zudem die Polizei Hamburg zum Ehrenkommissar, eine Würdigung für seine langjährige Unterstützung der Verkehrssicherheitsarbeit durch die „Schulweg-Hitparade“. Über all diese Preise freut er sich gleichermaßen, er zählt sie ohne Rangordnung auf. „Diese vielen Ehrungen dürfen nicht so was wie ein Schutzwall sein“, sagt er. Sie seien Anerkennung, aber kein Grund, sich zurückzulehnen.
Erdung, das geschieht bei ihm vor allem durch die Familie. Quasi sein persönlicher Lebensdünger. Mit seiner Frau Monika feierte Rolf Zuckowski 2026 den 55. Hochzeitstag. Er ist Vater von drei erwachsenen Kindern und sechsfacher Großvater. Seine Tochter Anuschka, für viele seine Lieder Inspiration, war viele Jahre Teil der Gruppe „Rolf und seine Freunde“. Oft begleitete sie ihn bei TV-Auftritten und auf der Bühne, heute tritt sie nur noch gelegentlich mit ihm auf. Zuletzt im März dieses Jahres bei „Musik im Dunkeln“ in der Laeiszhalle. Sohn Alexander arbeitet selbst erfolgreich als Songwriter und Produzent.
Zuvor hat er Biologie studiert. Was Handfestes, wie der Vater. „Ich habe ihm nahegelegt, das Studium abzuschließen. Aber entscheidend ist für mich nur, dass jeder seinen eigenen Weg findet.“ Der jüngere Sohn, Andreas, ebenfalls viele Jahre Teil von „Rolf und seine Freunde“, arbeitet inzwischen bei einer Hamburger Event- und Filmproduktionsfirma. So setzt sich dieser Kreislauf fort. Die Kinder, für die Rolf Zuckowski einst zu schreiben begann, sind längst erwachsen geworden. Viele bringen heute ihre eigenen Kinder zu seinen Konzerten mit. Die Lieder bleiben, auch wenn die Generationen wechseln. Neue Stücke entstehen derzeit nicht, Zuckowski arbeitet mit seinem umfangreichen Repertoire von mehreren hundert Songs, entwickelt Programme, begleitet Projekte. Das Weihnachtsduett mit Helene Fischer von 2024 zum Beispiel. Zeiten ändern sich. Rolf Zuckowskis Lieder bleiben.






