SUTOSUTO

KNALLBUNTES KÜNSTLERDUO

Text: Regine Marxen, Fotos: SUTOSUTO

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Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 49

Zwei Menschen in gelben Schutzanzügen tragen eine ebenso gelbe, überdimensionale Banane vor grauem
Hintergrund. So weit, so lustig. Wäre da nicht die Tatsache, dass sich ihre Schutzanzüge aufzulösen scheinen, dicke
gelbe Schlieren ziehen sich über die Leinwand. Etwas Unbehagliches geht von dem Bild aus. Da stimmt was nicht …
Willkommen in der Welt des Hamburger Künstlerduos SUTOSUTO. Diese Welt ist knallbunt, witzig – und hat stets einen doppelten Boden. Ihre Malerei lebt von Kontrasten, von teils detailverliebten Tuschezeichnungen auf großer Leinwand, vom Miteinander von Absurditäten und Realitäten und verschiedener Stile. „Wenn man einen Stil finden will für uns, dann wäre das Contemporary Vintage Street Art Style“, sagt Susanne Dallmayr, ein Part von SUTOSUTO. Die 34-Jährige kommt eigentlich aus der Nähe von Augsburg; wenn sie in ihrem rosafarbenen Pulli mit Einhornprint und Spitzen-
kragen vor einem steht, ahnt man, warum ihr das Dorfleben zu eng wurde. Der andere Part ist Thomas Koch, Autodidakt aus Hessen. Die Frankfurter Herkunft ist unüberhörbar,
spätestens, wenn er „Leudde“ mit Doppel-D ausspricht.
Die beiden leben gemeinsam auf St. Pauli, sie sind ein Paar, beruflich und privat. Kennengelernt haben sie sich vor 14 Jahren während ihres Studiums an der HTK. Susanne wechselte an die HAW und studierte Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Illustration, Thomas verließ den universitären Kosmos und erkundete die Agenturszene. „Ich wollte die Struktur von großen Konzernen verstehen, die Art und Weise, wie die an größere Projekte rangehen und kalkulatorisch betrachten. Auch, um mein Produktionswesen zu verifizieren und nicht immer nur Graffiti zu sprühen“, sagt er. Graffiti hat er früher gemacht, in Jugendjahren. Er mag es noch heute, wenn es auf Bildern tropft und nicht allzu clean zugeht.
Dass Susanne und Thomas ihre Karriere gemeinsam starten, war so nicht geplant. Zu Beginn arbeiteten sie hauptsächlich getrennt, kleinere Zusammenarbeiten gab es zum Beispiel im Rahmen der Millerntor Gallery oder für den FC St. Pauli. Irgendwann wurde dann aus Susanne und Thomas SUTOSUTO. Die Abkürzung ihrer Vornamen, doppelt verstrickt. „So wie wir sind. Außerdem klingt’s so schön asiatisch“, grinst Thomas. Ihr erstes „dickes Projekt“, das unter diesem Label entstand, ist das Wandbild in der „Boilerman Bar Altes Hafenamt“ im 25hours Hotel. Ein
Pfeife rauchender Kapitän mit Furchen im Gesicht und Haaren, die Tentakeln ähneln. Popularität verschaffte ihnen die Kooperation mit fritz-kola anlässlich des G20-Gipfels 2017. Auf riesengroßen Plakatwänden zierten schlafende Politiker die Stadt: Putin, Trump, Erdogan. SUTOSUTO bewegen sich gekonnt zwischen Auftragsarbeiten für die Hotellerie oder Industrie und freier Kunst, die sich auch als politisch-soziales Statement versteht. „Das geht“, sagt Thomas. „Wir spielen mit Konzepten, sind auch Dienstleister. Das heißt aber nicht, dass wir irgendjemandem in den Arsch kriechen und allen gerecht werden wollen.“ Oder, um es mit Susannes Worten zu sagen: „Wir sind sehr gesegnet mit vielen Freiheiten. Auch im Umgang mit Kunden.“
Das Paar ergänzt sich auf vielen Ebenen. Die Zeiten, in welchen sie sich bei der Arbeit an einem Gemälde in der Diskussion über einen Duktus zerfleischten, liegen lange hinter ihnen. „Wenig zielführend“, lacht Susanne. „Streiten: ja. Zerfleischen: nein.“ Jetzt kommt der nächste
Meilenstein: die erste Ausstellung in einer klassischen
Galerie. „The World is going under“ heißt sie und
findet ab dem 27. Januar 2021 in der Hamburger Galerie
Commeter statt. Einer der Protagonisten: der Hazmat, die Figur im gelben Schutzanzug. Vergnügt badet sie im Meer, umhüllt von Verpackungsmüll, liest unterm
Sonnenschirm „Armageddon for Dummies“ oder schleppt eine Riesenbanane. Die Banane, genau. Was soll das eigentlich? „Vergiftete Böden durch den massenhaften Einsatz von Pestiziden, Wasserverlagerung, verarmte Bauern“, so Susanne. Gesellschaftskritik, Klimawandel und Umweltverschmutzung werden die Themen der Ausstellung sein. Dystopische Bilder im bunten Gewand, die selbsterklärend sind. Schließlich sage ein Bild mehr als 1000 Worte,
so Thomas. Und fügt hinzu: „Das nervt an der Kunst. Es muss immer viel geschwafelt werden.“

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