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Hendrik Knopp

 

 

AUTORIN: REGINE MARXEN

FOTO: FRANZ SCHEPERS

Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 41

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Vieles ist über Hendrik Knopp in den letzten Monaten geschrieben worden. „Dieser Mann will Deutschland high machen“ oder „Holy Shit“ titelten namhafte Magazine und Zeitungen. Knopp ist in aller Munde. Kein Wunder: Er bewegt sich in einem milliardenschweren Markt. 


Der Hamburger Jurist ist Geschäftsführer der Nuuvera Deutschland GmbH, eines Unternehmens, das den Import, den Vertrieb und den Anbau von medizinischem Cannabis in der Bundesrepublik fokussiert. 
Seit der Legalisierung von Hanfprodukten für medizinische Zwecke befindet sich die Branche weltweit im Goldrausch. Der Kampf um die zentralen Märkte ist längst eröffnet. Und mittendrin befindet sich 
Hendrik Knopp aus Altona, der für seinen Mutterkonzern Nuuvera den deutschen Markt aus- und aufbauen soll. 1,2 Millionen Tonnen Gras will das kanadische Unternehmen nach eigenen Angaben nach Deutschland importieren, insgesamt 30 Millionen Euro sollen in den Aufbau des deutschen Firmen-Ablegers fließen. Wie stürmisch die Lage auf dem Cannabis-Weltmarkt ist, spürt auch Hendrik Knopp: Nuuvera wurde 
inzwischen von einem größeren Mitbewerber geschluckt. Das Unternehmen Aphria, das ebenfalls in Kanada sitzt, übernahm den Konzern für satte 320 Millionen Euro.


Das sind die Summen, mit denen Knopp hantiert. Und er tut es, als hätte er nie etwas anderes getan. Unaufgeregt erzählt er von seinem derzeitigen Tagesablauf. Gespräche mit Politikern und Lobbyisten, nächtliche Konferenzschaltungen mit millionenschweren Investoren, so ein Kram halt. Jüngst gab es einen Rückschlag: Nuuvera bewirbt sich um eine der Lizenzen für den hiesigen Cannabis-Anbau. Zu diesem Zweck hat Hendrik Knopp bereits ein 16.000 Quadratmeter großes Grundstück in Neumünster erworben. Hier sollte eines der modernsten Gewächshäuser Europas für medizinisches Cannabis entstehen. Doch vor 2019 wird hier kein Gras wachsen: Anfang 2018 wollte die Bundesregierung über die Vergabe der Lizenzen entscheiden; ein Ausschreibungsfehler sorgte für eine Verzögerung von mindestens einem Jahr. Ärgerlich. „Nun ja, das Geschäft bleibt spannend“, sagt er. „Dann importieren wir die Blüten eben erst mal aus Kanada.“ In seinen Augen blitzt es schelmisch. Der Mann hat es faustdick hinter den Ohren.
Kein Wunder also, dass ihn das Anwaltsdasein, das der 46-Jährige nach seinem Jurastudium in seiner Heimatstadt anstrebte, rasch langweilte.  Ein halbes Jahr hielt es den damals Mittzwanziger im Kanzlei-Business, bevor es ihn in „rechtlich kreativere“ Branchen zog. Er wechselte ins TV-Geschäft und ging als Assistent der Geschäftsführung zu RTL nach Köln. Anfang der 2000er-Jahre stieg der Sender ins Wettgeschäft ein, und Knopp machte die Buchmacherprüfung, um den Prozess zu begleiten. 
Als ein bekannter Glücksspiel-Branchenriese ihm anbot, von Wien aus Online-Poker nach Deutschland und Europa zu bringen, zögerte er nicht lange. Mit seiner Frau zog er in die österreichische Hauptstadt, 
hier erblickten sein Sohn und Deutschlands erste Poker-Show, mit Stefan Raab als Gastgeber, das Licht der Welt. Das Format entwickelte sich zum Quotenhit. Knopp legte nach und ließ in der internationalen Version „Poker Island“ Stars wie Lady Gaga und The Pussycat Dolls in der eigens für die Sendung angemieteten Villa auf Ibiza zocken. Die Sache lief.

 

Doch jemand wie Hendrik Knopp braucht mehr als ein Spielfeld. Fernab vom selbst kreierten Glamour entdeckte er die eigene Musik. 
In einem Proberaum unter einem Wiener Friseurstudio komponierte er unter dem Künstlernamen Heinrich von Handzahm deutschsprachige Songs, irgendwo zwischen Pop und Chanson. „Musik“, sagt er, „erdet mich. Aber man verdient damit einfach zu wenig Geld.“ Er zuckt mit den Schultern. Die Musik bleibt trotzdem sein Begleiter, im Sommer dieses Jahres veröffentlichte er sein zweites Album „Auf anderer Frequenz“. Der Poker-Job aber begann Hendrik zu langweilen. 


Anfang 2008 kehrte er mit seiner Familie nach Hamburg zurück. Beruflich experimentierte Knopp, beschäftigte sich unter anderem mit dem 3-D-Druck und dem autonomen Fahren, aber irgendwie hakte das Timing zwischen Idee und Markt. „Für die meisten guten Ideen war ich viel zu früh dran“, sagt er. Das änderte sich, als ihm 2016 zwei Freunde von ihren Cannabis-Unternehmungen vorschwärmten. „Was für ein Abenteuer“, dachte er. Seit dem 1. März 2017 ist Hendrik Knopp Geschäftsführer des deutschen Nuuvera-Konzernarms. 
Das Cannabis-Business ist komplex. „Die Gesundheitsbranche tickt anders als die Glücksspielbranche, ist viel weniger konfrontativ. Und langsamer.“ Mit gedrosseltem Tempo zu arbeiten, ist neu für ihn. Dennoch: Er begeistert sich für den öffentlichen Diskurs, den das Thema erregt. Die Grundlage eines jeden Wandels, sagt er. 
Vielleicht ist Cannabis die Herausforderung seines Lebens. Wer weiß.

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