Porträt –

The Box

 

 

AUTORIN: SVENJA HIRSCH 

FOTOS: JULIA SCHWENDNER

Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 33

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Ein Rotkehlchen flattert um das braune Kensington-Sofa, das in der Mitte des großen Concept Stores The Box steht. „Nicht schon wieder! Bis heute Abend muss es raus sein, sonst funktioniert die Alarmanlage nicht!“, sagt Monika Brune. Christian Peters sitzt entspannt neben ihr und zündet sich eine Zigarette an. „Je nachdem, wie die Leute konditioniert sind, kommen sie rein, finden’s toll und haken bei uns nach. So sind schon Freundschaften entstanden.“ Wir finden’s toll und haken nach: Der Laden ist mehr ein Hobby, denn Brune macht PR, während Peters mit denkmalgeschützten Immobilien handelt. Der Borselhof gehört in sein Repertoire. Als das Theater an der Basilika keine ausreichende Subventionierung bekam und raus musste, die Frage: Was nun mit dem schönen, loftartigen Raum?

 

„Man soll ja immer tun, was einem Spaß macht“, sagt Peters.

 

Da er zuvor als Kunsthändler arbeitete, lag die Welt der schönen Dinge nah – und die amerikanische Idee, auf ungewöhnliche Weise Produkte verschiedenster Art zu kombinieren: schwere Bücher zu türkisfarbener SoHo-Couch und Louis-Vuitton-Schuhkoffer aus dem 20. Jahrhundert zum Beispiel. Mittendrin Küchenutensilien des One-Kitchen-Ladens, auch ein Projekt der beiden, der zweite Laden eröffnete soeben in der City. Leute aus der Nachbarschaft und den Büros im Borselhof kommen gern nach Feierabend, um noch einen Cocktail zu schlürfen. Oder intime Konzerte und Lesungen zu genießen. Auch private, meist phänomenale Feiern finden statt, für die der Laden mit leichter Hand individuell aus- und umgeräumt wird.


Viel Handwerk hat Peters in den Gewerberäumen des Borselhofs vereint. „Wenn ich so darüber nachdenke, sind auch mein Klempner und der Elektriker alle aus Ottensen.“ Und er selbst: ein Ur-Ottenser. „Der Stadtteil ist schon eine coole Welt. Ich bin hier zur Schule gegangen, vermiete seit 1989, und viele Mieter sind seit dem ersten Tag hier. Das funktioniert, weil ich darauf achte, dass die Leute sich und mir sympathisch sind und nicht, ob ich zwei Euro mehr Miete bekomme. So denken viele private Eigentümer hier.“

 

Die Schätze im Laden hingegen kommen aus der ganzen Welt und werden von den beiden nach eigenem Geschmack mitgebracht. Besonderes Aufsehen erregt stets der riesige Kronleuchter des Künstlers Florian Borkenhagen. Der Hänger besteht aus Opas Brille, Orangina-Flaschen und den kleinen Kristallschalen, „auf denen wir als Kinder unseren Vanille-pudding mit Haut gegessen haben“, sinniert Brune. Zwei weitere Modelle hängen in Hotels, verkaufen sich durchaus. „Aber das ist so ein Werk, bei dem wir hoffen, dass es noch lange hierbleibt“, sagt Brune. So ist das mit echten Liebhaberstücken und dem Luxus, keinen Verkaufszwang zu haben. Da findet man Freunde, kommen Leute einfach so vorbei. Und hin und wieder sogar ein Rotkehlchen.

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