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Graht und Kaspar Handsetzerei

SPOTLIGHT WEIDENSTIEG

Text: Marco A. Gomes | Fotos: Giovanni Mafrici

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Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 70

WER DIE Graht & Kaspar Handsetzerei betritt, wähnt sich unweigerlich in einer längst vergangenen Zeit: Im Vorraum hängen die Bilder der Gründer Wilhelm Ferdinand Kaspar und Franz Josef Walter Kaspar. Im Nebenraum stehen Druckmaschinen, Setzkästen und -regale, Farbdosen sowie Premium-Papiersorten.
Christian Beintker führt die traditionsreiche Handsetzerei seit 1993 und produziert hier im bewährten Hochdruckverfahren Visitenkarten, Geburtskarten, Hochzeitskarten, Briefpapiere, Todesanzeigen und Spruchkarten. Zu seinen Kunden zählt die Prominenz der feinen hanseatischen Gesellschaft. Stolz zeigt er einige Visitenkarten – alles Unikate, maßgeschneidert auf die Persönlichkeit des Kunden.

Produziert werden alle Drucke direkt vor Ort. Blindmaterial, Winkelhaken, Füllmaterial sowie fein sortierte Holz- und Bleischriften liegen bereit – knapp acht Tonnen Blei, sortiert in 630  Schubladen. Direkt unterm Fenster steht zudem ein exzellent erhaltener Heidelberger Tiegel, der Mercedes unter den Druckmaschinen.
Beintker ist gelernter Kunstbuchbinder und Graphikrestaurator. Er war selbst Kunde in dieser Druckerei. Als er hörte, dass das Geschäft aus Altersgründen aufgegeben werden sollte, übernahm er neben seiner Tätigkeit im Atelier für Graphikrestaurierung Henriques & Beintker die historische Druckerei. Leicht sei ihm die Entscheidung damals nicht gefallen, aber er habe es nie bereut. Drucken ist seine Leidenschaft. Das sieht man den Druckergebnissen an: Die Präzision und die Stimmigkeit sind beeindruckend. Alles ist Handarbeit. Drucker gelten als Perfektionisten. Kein Wunder: Fehler kosten Zeit, und hochwertiges Papier ist teuer.

Christian gehört zu den Letzten seines Metiers, verbringt gern Zeit in der Werkstatt, liebt das haptische Erlebnis mit Papier, Blei, Holz und Farbe. Sein Motto lautet: „Spationieren ist die Kunst der Typografie.“ Das Geheimnis exzellenter Arbeit sei die optimale Einhaltung von Abständen und Leerräumen.
„Jeder kennt seinen Namen, aber wenn er ihn richtig gesetzt sieht, ist das wie das Tragen eines Maßanzugs. Es passt einem perfekt. Man fühlt sich gut und tritt souveräner auf“, so Christian. Den ersten Eindruck kann man kein zweites Mal machen. Was bleibt, sind die gedruckten Worte.

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