Spotlight –

Deichstraße

AUTORIN: SIMONE RICKERT   

FOTOS: GIOVANNI MAFRICI

Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 42

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Die Bemalung mit Blättern und Ranken schmückte schon zur Erbauung des Bürgerhauses 1686 die dicken Deckenbalken der zweigeschossigen Diele. Der Gewürzhändler Jacob Lange ließ es als Kontor und Wohnhaus erbauen. Ein altes Gemälde erinnert an ihn, ebenso wie an den späteren Besitzer Theodor Dill, der als Retter der neuen Börse während des großen Brandes 1842 in die Geschichte der Stadt einging. Auch die Bombardierung im Zweiten Weltkrieg überstand der Straßenzug wie durch ein Wunder, nur um Anfang der 1970er-Jahre beinahe dem Straßenbau geopfert zu werden. Die ersten Häuser am Anfang der Straße waren schon gefallen, als Hamburger Bürger den Verein „Rettet die Deichstraße“ gründeten, um dieses Haus zu kaufen. Inzwischen sind mehrere Gebäude in seiner schützenden Hand. 


Auch die ehrenwerte „Gesellschaft Harmonie“, ein Männerclub für wohltätige Zwecke, den es seit 1789 gibt, hat ihr zweites Zuhause in diesem Gebäude, trifft sich hier zum Essen im Frack. Die 43 Wappen der Mitgliedsfamilien hängen an der Wand. Christine Heitmann und Michael Maaß behandeln all dies mit großem Respekt: „Über 330 Jahre, wer hier schon alles durch die Räume gelaufen ist. Viel Geld ist geflossen, um diese Häuser zu erhalten. Da hat man Ehrfurcht und will die Räume gut behandeln, das ist wirklich etwas Besonderes.“ Die Küche: weit mehr als Weinbar. Traditionelle Hamburger Gerichte, daneben Austern, Flammkuchen. Der Wein steht natürlich im Mittelpunkt. Die umfangreiche Karte mit mehr als 200 Sorten haben sie mit ihren beiden Partnern vom Vineyard in der Osterstraße ausgeklügelt. 


Michael und Tine sind seit Langem befreundet, haben vorher schon sechs Jahre zusammengearbeitet. Michael kennt große Küchen von seinem Vater, der an zwei Landgasthöfen Chef war, und hat selbst in einigen gekocht. Tine ist Hotelfachfrau, hat die ganze Welt bereist, auf der „Aida“ gearbeitet, sie ist die Organisatorin. Nicht nur ihre beiden neuen Köche dachten darum bis vor Kurzem, die beiden seien ein Paar. Sind sie nicht – aber ein Arbeitsehepaar, das sich blind versteht. Paarkonstellationen unterschiedlicher Art, das Modell funktioniert zufällig hervorragend bei allen Gastgebern, die wir in dieser Straße treffen.

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