Spotlight –

Deichstraße

AUTORIN: SIMONE RICKERT   

FOTOS: GIOVANNI MAFRICI

Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 42

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Deichgräfin könnte das Restaurant auch gut heißen, nach der Dame des Hauses, Magret Ismer. Sie empfängt hinter ihrer imposanten hölzernen Bar, herzlich, im besten Sinne hanseatisch. Ihr Reich umfasst das Kontorhaus Nr. 23, stilvoll bürgerlich eingerichtet, die Tische akkurat eingedeckt, gemütliche Polstersessel zum stundenlangen Schnacken und Schmausen, alles warm und hell, die Messing-Lüster blank poliert. So wie es in den meisten Hamburger guten Stuben nicht mehr aussieht, und wie wir es doch von Zeit zu Zeit lieben. Vor allem, wenn dann auch noch Labskaus oder Entenbraten auf den Tisch kommt. Einen Grafen gibt es auch, Thies Conle regiert allerdings von hinter den Kulissen. Der Küchenchef ist Magrets Lebensgefährte und hat mit ihr zusammen das Restaurant übernommen:

 

„Das Schiff schaukeln wir jetzt seit 15 Jahren.“ 


Die beiden sind ein echtes Paar. Als Magret das Angebot bekam, eher überraschend, schlief sie eine Nacht drüber, schaute sich den damals recht muffigen Laden mit Thies an, und dann sagten sie sich: Das machen wir. Und so etwas, davon sind beide überzeugt, geht wirklich nur im Team. Einer vorn bei den Gästen, einer hinten in der Küche. Dass beide erhebliche Gastronomie-Erfahrung hatten, half im schwierigen Startjahr 2003 sicher. Und Magret war gute vier Jahre zur See gefahren, als Stewardess auf der „MS Europa“. Zu den Reedern aus den umliegenden Kontoren hatte sie also gleich einen guten Draht, wusste was eine Handbreit Wasser unterm Kiel bedeutet. Und ein bisschen Glück war auch im Spiel: zufriedene Gäste aus der Senatskanzlei, darauf ein Anruf vom Auswärtigen Amt. Kurz, 2004 saßen Schröder und Putin am Fenstertisch und speisten Gänsebraten. Natürlich nicht ohne großes Tamtam vom Vorkoster bis zum lauernden TV-Team vor der Tür. Aber die Herren waren offenbar zufrieden, jedenfalls reserviert seitdem öfter mal ein Staatsgast. Und der Tisch am Fenster heißt auch bei den nicht so prominenten Stammgästen Präsidententisch. Und die werden hier mindestens genauso gut behandelt, Lieblings-Whiskeys stehen bereit, Geburtstage werden ausgerichtet und den „jungen Leuten“ aus den Büros und Banken rundum wird ein „anständiges Mittagessen“ gekocht. Alles so, wie in einer richtig guten Stube.

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