Fleetschlösschen

SPOTLIGHT ELBTORQUARTIER

Text: Simone Rickert | Fotos: Tommy Hetzel

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Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 50

Mit Humor hat man dem „Fleetschlösschen“ seinen Namen gegeben, neugotisch gezwirbelte Backsteinbauweise, zwei „Freitreppen“ hi­nunter zum Wasser. Die Zollbeamten, als deren Dienststelle es ursprünglich gebaut wurde, damit sie an bevorzugtem Platze den Warenfluss von den Großseglern in die Speicherstadt kontrollieren konnten, müssen es hier recht gemütlich gehabt haben. Die zwei Säulen im Raum sind eigentlich Ofenrohre, für muggelige Wärme im Zollhaus. Einen royalen Besuch gab es mindestens: Wilhelm II. bestieg nach Einweihung der Speicherstadt 1888 von hier seine kaiserliche Barkasse. Die Hamburger Feuerwehr hat es später als Brandwache genutzt, seinen historischen Tiefpunkt erreichte es als Toilettenhäuschen, die vorbeischippernden Ausflugsboote schreien das noch immer am lautesten heraus. Dann ging es aufwärts Richtung Gastronomie: als eine der legendären Kaffeeklappen für die Hafenarbeiter.

Seit der aufwendigen Instandsetzung 2017, inzwischen unter Denkmalschutz und Welterbe, ist Julian Haarstrich hier Chef der Küche. Er hat es für das Hamburger Traditionsunternehmen Daniel Wischer als Restaurantleiter übernommen. Nachdem er viele Jahre im „Casse-Croûte“ und im „Henriks“ gekocht hatte, musste der fischbegeisterte Maître für sein erstes eigenes Restaurant zunächst ein halbes Jahr in die Backfisch-Lehre im Stammhaus an der Steinstraße gehen. Als Daniel César Hugo Wischer vor bald hundert Jahren in Sankt Pauli sein erstes Lokal eröffnete, kam Fisch gut an, einfach, gesund, preiswert zudem. Für 55 Pfennige wie 1924 bekommt man heute keinen Bratfisch mehr, dafür immer noch ohne Chemie und mit Kartoffelsalat und Zitronenschnitz, für einige Hamburger der Inbegriff kulinarischer Nostalgie. „Schnell und frisch“, das einzige Geheimnis von Daniel Wischer hat Julian verinnerlicht, seine Gerichte im „Fleetschlösschen“ versieht er zudem mit einer Prise Raffinesse: Tempura-Curry-Mischung macht extra knusprig, Fish & Chips werden untypisch, aber wohl goutiert angerichtet mit kleinem Salat. Sogar Engländer wussten das zu schätzen. „Das Lob war mir schon eine Ehre“, lacht Julian, der hier in guten Zeiten mit seinem Team 200 Gäste am Tag bewirtet. Auf bald, auf den besten Backfisch Europas!

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