Internationales Maritimes Museum Hamburg

SPOTLIGHT ELBTORQUARTIER

Text: Simone Rickert | Fotos: Tommy Hetzel

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Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 50

„Ohne Schiff keine Weltgeschichte“, nicht weniger wichtig schätzte Tamm senior die Schifffahrt für unsere Historie ein. 1934 war Peter sechs Jahre alt und lag krank im Bett. Seine Mutter brachte ihm ein Wasserlinienmodell eines Küstenfrachters aus dem Spielzeugladen mit, winzig, so lang wie sein Daumen. Heute wie ein Juwel ausgestellt auf dem 9. Deck ist es die Keimzelle der größten privaten maritimen Sammlung der Welt, einer der größten überhaupt: Mit einer Leidenschaft vom späteren Axel-Springer-Manager zusammengetragen, die inzwischen auf die nächste Generation übergesprungen ist.

Sein Sohn Peter führt uns durch das Museum, erzählt, dass sein Vater selbst den vermeintlichen Fehler eingestand, sich nicht auf ein Thema konzentriert zu haben, sondern einfach „alles sammelte, was schwimmt“. Handel, Marine und Vergnügungsboote – Deutschland und die Welt. Die internationale Ausrichtung wird das IMMH vom unweit entstehenden Deutschen Hafenmuseum abheben. „Ich trage die Fackel nur weiter“, sagt Tamm junior bescheiden, der gemeinsam mit Jan Tersteegen dem Museum vorsteht. Tamm junior leitet – nicht nur nebenbei – auch eine Schiffsmaklerei und mehrere Verlage. Die Seefahrt liegt in der Familie: Caspar und Sohn Martin Tamm führten als Convoykapitäne im 16. und 17. Jahrhundert die Fregatten „Wapen von Hamburg“ gegen Piraten. Jan Ter­steegen hat während seines Studiums der Fischereiwissenschaft im Museumsshop gejobbt und ist in den Vorstand hineingewachsen:

„Die Leidenschaft hatte mich auch gepackt.“ Mit 30 Festangestellten und über 100 Ehrenamtlichen bewirtschaften sie das private Museum, ein Public-Private-Joint-Venture: Die Stadt gab die Immobilie, Tamm senior seine (noch wertvollere) Sammlung. Profitabel für alle Beteiligten: Mehr als 150.000 Besucher im Jahr, die meisten sind Übernachtungsgäste, lassen weit mehr Geld als nur den Museumseintritt in der Stadt. Ihr Interesse belegt Seniors These „Schifffahrtsgeschichte ist Menschheitsgeschichte“. Die Sammlung wächst kontinuierlich, nur etwa die Hälfte ist in der Ausstellung zu sehen. Im angrenzenden Lager im Heinemannspeicher katalogisieren und digitalisieren die wissenschaftlichen Mitarbeiter mit modernstem Equipment.