Marsbar

SPOTLIGHT STRASSENBAHNRING

Text: Simone Rickert
Fotos: Giovanni Mafrici

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Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 47

Früher checkten hier die Ingenieure und Arbeiter ein, die im Falkenried-Quartier ab 1890 Straßenbahnen und später Omnibusse für Hamburg und den Export in die ganze Welt gebaut haben und die für die Pflege und Wartung der in der Stadt verkehrenden Wagen sorgten. Mit einem strahlenden „Hallo, guten Morgen!“ begrüßen Cemal Kaynar und sein Team heute jeden, der vorbeigeht oder -radelt, später zum Mittagessen wiederkommt oder nach Feierabend auf einen Drink.
Die „Marsbar“ ist seit 2004 das soziale Herzstück des zu Beginn des Jahrtausends umgewidmeten Geländes, nun eine Mischung aus Wohnungen und Stadthäusern, Läden und Büroflächen. Der Gastronom Joachim Mars gab dem Restaurant damals seinen Namen. Inzwischen ist er weitergezogen, an die Alster, das war sein Traum. Und hat die „Marsbar“ in die richtigen Hände gegeben: Cem, wie ihn alle nennen, hat hier lange mit Joachim zusammengearbeitet, wollte sich gern selbstständig machen und hat so ebenfalls seinen Traum verwirklicht. Er ist zwar kein ausgebildeter Koch, sondern hat BWL studiert, aber er sagt lachend, er „stand schon immer mit einem Fuß in der Gastronomie“.Die Küche ist mediterran, abends stehen eine fantastische Dorade und fette Steaks auf der Karte. Mittags kann sich zum Caesar Salad mit hausexklusivem Geheimdressing auch mal ein Königsberger Klops gesellen oder ein Wiener Schnitzel. Jeden Freitag gibt es Fischstäbchen auf der Mittagskarte, ein „Marsbar“-Klassiker, natürlich sind sie selbst gemacht.
Schon ab morgens um 9 Uhr ist hier reger Betrieb: Drei Köche und ein Barmann plus neun Servicekräfte arbeiten in zwei Schichten da­ran, dass durchgehend morgens, mittags und manchmal auch bis zwei  Uhr nachts serviert wird. Die Karte wechselt täglich, das lieben die Stammkunden natürlich, so wird es nie langweilig. Cem freut sich schon auf die Sommermonate, wenn die Terrasse hoffentlich wieder für Gäste geöffnet wird. Der Spätburgunder Portugieser aus Rheinhessen, der Rosé-Hauswein der Marsbar, ist das liebste Feierabendgetränk der Nachbarn vom Straßenbahnring, die sich nach getaner Arbeit im Pförtnerhäuschen bei Cem und seinen Kollegen von ihrem Dienst abmelden – auf ein Glas.