Spotlight – Pöseldorf

AUTORIN: SVENJA HIRSCH  

FOTOS: GIOVANNI MAFRICI

Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 39

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Aus dem Fenster sieht man die Alster. Elmar Lampson, Präsident der Hochschule für Musik und Theater, sitzt wohl am schönsten Arbeitsplatz der Stadt. Eine seiner ersten und einzigen Bewerbungen: „Ich hatte freiberuflich als Dirigent und Komponist gearbeitet und dabei Musikwissenschaftler Hermann Rauhe kennengelernt. Er forderte mich auf, mich hier zu bewerben. Das habe ich dann ganz entspannt getan.“

 

Volltreffer: Er wird ab 2004 Präsident, jetzt in dritter Amtszeit, sitzt vor Stuck und meterhohen Bibliothekswänden, grüßt beim Gang durch die Räume jeden Studenten. Wer ein Anliegen hat, kommt direkt zu ihm. Hauptaufgabe eines Präsidenten, meint Lampson, während er das großartige Budge-Palais zeigt, das 1884 vom legendären Stadtarchitekten Martin Haller für Schiffsmakler Ivan Gans gebaut wurde, 1900 in das Eigentum von Henry Budge, einem jüdischen Kaufmann mit amerikanischer Staatsbürgerschaft, überging und dessen Erben quasi enteignet wurden. „Den Nazis diente das Gebäude dann als Headquarter. Unheimlich, zu wissen, dass von hier Befehle zur Deportation jüdischer Mitmenschen gegeben wurden“, erzählt Lampson. 1956 wurde das Palais von den britischen Besatzungsmächten an die Stadt zurückgegeben, die es der Hochschule zuteilte.

 

Seit den 70er-Jahren schafft ein Neubau weitere Übungsräume für die vielen Studenten. „Wir sind ein ganz und gar internationales Haus, mit Studierenden aus 50 Ländern, noch mehr Kulturen und Sprachen. Jeder, der hier arbeitet und studiert, will das wirklich, ist von Kindheit an dabei.“ Muss man auch. „Bei den Aufnahmeprüfungen kommen allein im Fach Klavier bis zu 80 Bewerber auf einen Platz.“ Gut, dass Deutschland eines der Länder mit den meisten Orchestern der Welt ist. „Insofern gibt es in diesem Bereich einen guten Arbeitsmarkt. Ein Automatismus ist die Jobsuche dennoch nicht. Insbesondere bei Fächern wie Klavier. Höchstens drei bis vier Pianisten eines Jahrgangs haben Chancen auf eine Solistenkarriere.“ Oder Band-Erfolg wie zuletzt das Trio Saskya, das es 2017 zum Echo Jazz schaffte. Lampson nennt das Haus daher – fast zärtlich – „Alsterphilharmonie“: „Die Studierenden präsentieren sich in etwa 450 Veranstaltungen pro Jahr und haben so einen intensiven Bezug zur Stadt.“

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