Spotlight –

T.R.U.D.E.

AUTORIN: SIMONE RICKERTH  

FOTOS: GIOVANNI MAFRICI

Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 41

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Holger Völsch erklärt uns den Namen TRUDE nochmals richtig: steht für „Tief runter unter die Elbe“, so wurde das Schneidrad des Elbtunnelbohrers getauft, von einem kleinen Jungen, in einem ausgeschriebenen Wettbewerb. Also kein Fachbegriff, wie oft erzählt wird. Anfangs war Holger sich nicht sicher, ob das ein glücklicher Name für sein Restaurant ist, ob das nicht zu sehr nach Tante klingt. Mittlerweile mag er die Geschichte und ist gut im Erklären, auch warum sein Burger so „preisbewusst“ ist und das Schnitzel zwei Euro mehr kostet als anderswo. Serviert wird nämlich ausschließlich Rind vom Bauern seines Vertrauens und Schwein, das glücklich im Stroh gewühlt hat. Etwas anderes würde er selbst nicht essen. Und das Fleisch für den Burger wird nicht etwa durch den Wolf gedreht, sondern von Hand ganz fein geschnitten, also eigentlich ein Steak auf Brot. Steht in der Karte, die Gäste mögen und honorieren das – der Laden brummt. 


Für den erfahrenen Gastronomen war das bei der Eröffnung vor 13 Jahren keine Selbstverständlichkeit, eher ein Wagnis, an diesem Standort. Ein großer Schritt von der Sterneküche, aus der er kam. Aber der richtige. Seine gut 50 Mitarbeiter bewirten jeden Tag mehr als 200 Gäste. Die „T.R.U.D.E.“ ist der kulinarische Treffpunkt, weit über den Stadtteil hinaus bekannt. Mittagstisch, auch ein schneller Lunch vom Food Truck, abends gute Weine, besondere Biere, die einzige wirkliche Bar des Stadtteils ist ausgestattet bis unter die Decke. Die Liebe zur guten Auswahl steckt Holger im Blut, er ist zum Barfachmann ausgebildet, hat als Gläserspüler angefangen. 


Nach und nach kamen die anderen Cafés im Hof dazu. Als Konkurrenz betrachtet man sich überhaupt nicht. Wenn die Pommes knapp werden oder das Eis aus ist, geht man zu den Nachbarn. Große Veranstaltungen werden gemeinsam geplant und abgestimmt. Wie neulich, als Holger hier 100 Oldtimer auf den Hof fahren ließ, kleines Treffen unter Freunden. Seine eigenen Hobby-Vehikel sind ein Chevrolet Camaro und ein Iso Rivolta, sehr selten und mit seinen speziellen Fahreigenschaften eine kleine Diva. Doch sein absoluter Liebling ist Mops-Mischung Molli, mit der er jeden morgen am Osterbekkanal entlangspaziert.

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