Pottery People

TUCANO HAMBURG

Text: Simoen Rickert | Fotos: René Supper

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Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 55

„Sind die auch frostfest?“, fragen die meisten Kunden als Erstes. Ja, jeder einzelne Pott: mit Garantie für 5, 10 oder 30 Jahre und in Wahrheit viel länger. Patrik Pohle ist eher nebenbei auf seinen Handel mit Pflanzkübeln gekommen. Hatte eine gut gehende Werbeagentur und fuhr im Urlaub auf dem Motorrad durchs vietnamesische Mekongdelta. Entdeckte einen kleinen Familienbetrieb, der glasiertes Steingut herstellte, in jahrhundertealter Tradition. Das mit der Frostfestigkeit ist eigentlich ganz einfach: Es braucht eine ganz bestimmte Mineralität im Ton, den richtigen Anteil von Eisen und Kupfer, die nur in wenigen Regionen der Erde vorhanden ist. Rohstoff und Hersteller gibt es anderswo auch, aber die Ware hält dann eben nicht so gut. Und das Steingut muss mit viel Erfahrung bei 900 bis 1200 Grad gebrannt werden, glasiert in Farben, die in der Sonne changieren und glänzen – fertig: „Sieht einfach aus, ist aber wie immer bei kunstvollem Handwerk nur mit viel Erfahrung zur Perfektion zu bringen.“

Auf seinem ersten ungeplanten Einkaufstrip vor 27 Jahren war die Verständigung noch schwierig, Zahlen, Schiffe, Summen in den Sand gemalt, durchgestrichen, neue gemalt – im Überschwang gleich einen ganzen Seecontainer geordert, den er in Hamburg dann erst mal bei Freunden unterstellen musste. Inzwischen beschäftigt er acht Mitarbeiter auf 3000 m2 Verkaufsgelände in Bahrenfeld. Der Familienbetrieb im Mekongdelta hat inzwischen 300 Leute, die vernünftige Gehälter bekommen. Die Region hat es zu Wohlstand gebracht und exportiert bis nach Finnland und Kanada. Und Mr Patrik wird im klimatisierten Minibus aus dem Hotel in Saigon abgeholt, liebt aber nichts mehr, als schwitzend in der Fabrik zu stehen und seine eigenen Designs zu diskutieren. Da er einfach wahnsinnig gern durch die Welt reist, hat er sich sukzes­sive noch andere Manufakturen erschlossen, die dort liegen, wo es die begehrten Erden gibt: in Thailand und auch im pakistanischen Belutschistan, wo man nur mit einer Tüte voller Visa und bewaffnetem Geleit hingelangt.

Eigentlich bekommt man hier also zu jedem Topf gleich gratis eine Abenteuergeschichte dazu. Selbst in der Toskana, wo die feinste Terrakotta (gebackene Erde) herkommt, ticken die Uhren noch anders als bei uns. Mails werden eher zäh beantwortet, lieber wird persönlich und direkt besprochen. Da sitzen dann die beiden älteren Fabrikbesitzerinnen aus der Region Impruneta eben lieber beim Rotwein zum Mittagessen mit Signore Patrik zusammen. Ihre Terrakotta ist seit der Antike begehrt als „Königsklasse“ in Sachen Haltbarkeit. Die Manufaktur sieht mittelalterlich aus und wie Bud Spencer die Typen, die dort die ungebrannten 100-Kilo-Gefäße wuchten und fein ornamentieren. Patrik zeigt Fotos und träumt schon vom eiskalten „Ba Ba Ba“-Bier bei der nächsten Reise nach Ho Chi Minh City.