Porträt –

Food Exchange

 

 

AUTOR: DAVID POHLE

FOTOS: OLAF DEHARDE

Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 37

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Der älteste Handel der Welt 2.0  Als Olaf vor mir stand, mich aus großen, aufmerksamen Augen ruhelos anschaute, ganz offensichtlich prüfend, ob ich würdig sei, seine innigst gelebte Leidenschaft und Begeisterung für das Essen, für das Trinken, fürs Kochen, fürs Gast- und Gasgeben, fürs weite Reisen, wahre Leben und echte Liebe, alles in jeder denkbaren
Form und – hier passt das furchtbare Wort mal – Facette zu teilen, war das der Schlüsselmoment, wohl eher der perfekte Garpunkt, unserer Zusammenarbeit. Tja, was sollte ich sagen? Olaf selbst war es, der das Gespräch dann mit aus Auftraggebersicht verheernden Aussagen eröffnete:

 

„Seitdem ich Zivi war, habe ich keinen offiziellen Job mehr gehabt“, lachte Olaf , „ich bin Autodidakt. Und zwar in allem.


Fotograf, Blogger, Foodie, Feinschmecker und Koch.“ Und damit hatte er in den vergangenen Jahren in Hamburg von sich reden gemacht. Also fing er auch hier an zu erzählen; reden kann er nämlich ganz gut, begeistern auch. Er erzählte vom Langzeitprojekt Food Exchange, für das er auf seinen zahlreichen Reisen um die Welt immer wieder tolle Menschen traf, die sich – wie er – mit dem Thema Genuss ausei­nandersetzten. Irgendwann fing er an, mit diesen Leuten für sie typische Sachen einzutauschen. In Süd­korea zum Beispiel eine Flasche Bier der Hamburger Kehrwieder Brauerei gegen ein Fläschchen Reisschnaps, in Dänemark deutschen Wein gegen einen Eimer Salzheringe und in Namibia eine geschmiedete Eisenpfanne gegen einen – ungiftigen – Holzpfeil. Die Heringe von Mads Larsen schafften es bei Werner Stehr in Neuenfelde in die Küche. Stehr ist einigen Insidern auch als „der Brenner“ bekannt. Bekam man mit viel Glück Einlass in seine Gaststätte,
winkte Hering zum Schnaps. Geregelte Öffnungszeiten gibt es zwar nicht, aber wenn man es doch in die heiligen Hallen schafft, reist man um einige Jahre zurück. Die offene Tür wird nur noch durch den eigens hergestellten Kümmel übertroffen. Jedenfalls entstand eine Kettenreaktion.


Aus einem ungeplanten Späßchen wurde so in den letzten sieben Jahren ein ziemlich großes, sehr gefragtes Projekt. Und da DER HAMBURGER
und ich mich auch für die Welt und den Genuss begeistern können, hat Olaf exklusiv für uns eine HAMBURGER-Food-Exchange-Strecke foto­grafiert, die vor allem auch wieder deutlich gemacht hat, wie groß und schön die Welt –
hier unser Hamburg – ist, wenn man offen und interessiert unterwegs ist.  
So ist eine faszinierende Städtetour abseits der ausgetretenen Routen und vielen der üblichen Verdächtigen entstanden, die viele von Olafs kulinarischen Lieblingsplätzen außerhalb der sonst immer genannten Viertel, wie Schanze, Altona oder St. Pauli, abbilden:

 

„Hamburg ist einfach viel größer als dieser sonst oft abgebildete Mikrokosmos, und wenn man diesen verlässt, kommt man aus dem Staunen kaum wieder raus.“

 

Das Tauschprinzip ist geblieben. Schon erstaunlich, was aus so einer Neuen­felder Rohmettwurst alles werden kann, bevor sie – mehrfach transformiert – als vietname­sischer Reiskuchen namens Banh Chung in den jüngst neu eröffneten Riverkasematten an der Hafenkante als köstlicher Snack endet. Folgen Sie Olafs HAMBURGER-Food-Exchange durch die Stadtteile Langenhorn, Hammerbrook, Reitbrook,  Harvestehude, Jenfeld, Bahrenfeld,
St. Pauli und Alsterdorf sowie Iserbrook. Es gibt noch sehr viel zu entdecken. Fangen Sie es an. „It’s all about Food.“

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