Porträt –

Peter de Vries

 

 

AUTOR: HEIKE GÄTJEN   

FOTOS: GIOVANNI MAFRICI

Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 34

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Er hat sie alle: Humphrey Bogarts Klassiker mit der lässig heruntergeklappten Krempe, den Zylinder des schrillen Hutmachers aus „Alice im Wunderland“, den kessen Grünen des Gerechtigkeitskämpfers „Robin Hood“. Hutmacher Peter de Vries bedeckt seit über 25 Jahren Hamburger Köpfe.


Hier stehen sie in den Regalen. Die Hutmodelle. 50 Stück. Aus Aluminium. Vom Cowboyhut über die Klassiker Fedora, Stetson, Borsalino oder den Zorro für Udo Lindenbergs Musiker, hin zu den „modernen“, wie Peter de Vries, der Hutmacher aus der Geschwister-Scholl-Straße 8 in Eppendorf, abgrenzt. Wie der trendige Pork Pie und Trilby oder der von ihm entworfene Sushehat. Frei nach japanischen Impressionen. Für knapp 50 Euro inklusive Gebrauchsanleitung für individuelle Faltmöglichkeiten. Ein Mehrzweckhut á la de Vries, verkauft bis nach Argentinien und Brasilien. Hutformen, so zahlreich, fantasievoll und vielfältig wie der kreative Kopf dahinter: der geborene Niederländer mit jungenhaftem Gesicht, blonden Strubbelhaaren und einem sich explosionsartig entladenden Lachen. Er redet ohne Punkt und Komma mit charmantem niederländischen Akzent und seltenen, zum Atemholen genutzten, Wortfindungsschwierigkeiten. Über Kopfformen, den Hut als Versteck, Verhüllung als Ausdruck der Persönlichkeit.In seinem Studio, zwei Treppen unterhalb des Gehwegs, arbeitet und atmet Peter de Vries sein Leben mit Filz: seine Begeisterung für das Material, den Grünen Kreislauf oder „wie man Filz wieder einfilzen kann“, demonstriert an dem Sack mit Filzresten, kostenlos abgegeben an Kitas, an seine Studenten für kreative Neuschöpfungen, an Bauernhöfe, geschreddert, mit Sand als Bodendecker. Die Auszeichnungen gerahmt, das Buch „Fokus Filz“ über den innovativen Einsatz von Filz im produktiven Textil. Zwei antike Nähmaschinen für Feinarbeit an Krempen, zwei Heißpressen für die Anfertigung von Stumpen, eingesetzt bei Großaufträgen wie 150 gelben Hüten für Bayreuths „Lohengrin“. Das könnte nahtlos so weitergehen: Am Thema Akustik, Wandpaneele zur Schallminimierung arbeitet er gerade; am Brandschutz bei Kinderbekleidung denkt er sich zurecht. Wie kann es anders sein – alles aus Filz natürlich.


Der Abschied von diesem „Hand-, Kunst- und Denkwerker“
fällt schwer, einem Tausendsassa auf Hochtouren. Hutmacher für ihn kein Beruf, sondern Lebensaufgabe, sagt er, in die er als Autodidakt so reingerutscht sei, weil er gerade „Bock drauf hatte“. Der Abschied geht natürlich nicht ohne Hut. „Diesen Robin Hood für die Jagd vielleicht? Nein? Zu klein? Dann zum Gassigehen mit Hund der Sushehat als Regenmodell zum Zusammenfalten. Nein?“ Kein Allwetterhut? Fassungsloses Kopfschütteln. Für Peter de Vries ist ein Leben ohne Hut zwar möglich, aber sinnlos. Die komplette Reportage lesen Sie in unserer Ausgabe Winter 2016.

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