Andreas O. Loff

PODCAST HOST

Text: Jörg Fingerhut | Fotos: Jan Northoff

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Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 52

Andreas O. Loff könnte sein eigener Gast sein und sich wahrscheinlich über dutzende Folgen interviewen. Denn sein Lebensweg ist stellvertretend für die allermeisten seiner Gäste. Nicht straight. Sondern mit unfassbar vielen überraschenden Wendungen, mit verblüffenden Impulsen von links und rechts, ordentlich durchgeschüttelt und niemals bloß gerührt. „Wenn du willst, können wir kurz durch meine berufliche Vita galoppieren.“ Kurz ist natürlich maßlos übertrieben. Denn schon bei der ersten Station gibt’s Klärungsbedarf: Flugbegleiter Anfang der 90er? Zwei Jahre lang? „Ja, als Flugzeugmechaniker sind wir damals nach der Ausbildung einfach nicht übernommen worden.“ Wenn er nicht fliegt, hängt er damals mit Freunden rum, die anfangen, erste Webseiten zu bauen. Lernt er auch und gründet seine eigene Agentur, wird Kreativdirektor in einem großen Unternehmen. Alles innerhalb weniger Jahre. Mit Verzögerung und voller Wucht trifft ihn 2003 die geplatzte Dotcom-Blase.

„Schüchtern darfst du nicht sein!“ Was für ihn als Gastgeber seines Formats „Das Ziel ist im Weg“ gilt, galt auch nach seiner Pleite. Und so macht er mit Vollgas weiter. Er wird Berater für ein ganz schön großes Telekommunikationsunternehmen. „Ich verstand die Sprache der Entwickler, und vor allem konnte ich sie fürs Marketing übersetzen.“ Dann sieht er im Fernsehen die schlechte Werbung eines Wettanbieters. Wo andere wahrscheinlich nur umgeschaltet hätten, schreibt Loffi, wie ihn die meisten seiner Gäste nennen, ein Konzept, von dem der Wettanbieter begeistert ist, und wechselt für zwei Jahre die Branche. Er wird Produzent eines Poker-Events und arbeitet mit den größten, besten und spannendsten Testimonials. Wer macht denn heute noch so was? Wer hat den Mut, sich so im allerbesten und allerschönsten Sinn immer wieder beruflich neu zu entscheiden, nachzujustieren, auszuscheren? Darauf zu vertrauen, dass man schon zur rechten Zeit am rechten Ort ist. „Das Leben ist als Achterbahn am spannendsten. Aber meine Achterbahn bau’ ich mir selbst!“

2018 stellt er zum bisher letzten Mal beruflich auf Neustart. Er verkauft seine Unternehmensanteile an seine Partner und steigt aus dem gemeinsamen IT-Unternehmen aus. Nach 20 Jahren Unternehmensberatung, Gründungen und Jobs als Manager und Geschäftsführer ist endlich „Schluss mit dem Kasperkram“, wie er es später im Intro seines Podcasts selbst formuliert. Er schreibt über Monate Tabellen und testet Technik. Und schon im November 2018 gibt es seinen Podcast „Das Ziel ist im Weg“. Der Erfolg des wöchentlichen Formats liegt nicht nur an seiner sonoren Stimme oder einem Lachen, das immer irgendwie an Raucherhusten erinnert. Es liegt sicher auch daran, dass er ein feines Näschen für Typen hat, die im Leben eben nicht immer die kürzeste Verbindung von A nach B gewählt haben. Das zeichnet die meisten seiner Gäste aus. Und er hat das kommunikative Talent, von ihnen genau das zu erfahren: „Wie bist du dahin gekommen, wo du heute bist? Wie sah und sieht dein Weg aus?“ Das sind die spannenden Geschichten, die sonst eben nicht erzählt werden. Nicht in irgendwelchen Talkshows, in denen die immer selben Gäste in wenigen Minuten die immer selben Anekdoten präsentieren, nicht in anderen Formaten.

Weit mehr als 100 Gäste haben sich bis heute in Loffis Tonmobil gehockt, geredet, gelacht und getrunken. Denn auch das gehört zum Konzept. Man setzt sich nicht irgendwo zusammen, sondern in einem goldenen Vandura von GMC, der wirklich aussieht, als wäre er eigens für Andreas O. Loff hergestellt worden. Darin spricht er dann mit bekannteren und unbekannteren Menschen. In jedem Fall aber mit spannenden Menschen.

Aber Loffi wäre nicht er selbst, wenn er sich mit „Das Ziel ist im Weg“ jetzt zurücklehnen würde. Seit ein paar Monaten gibt es ein zweites Format, das er gemeinsam mit Oli P. macht, „Ich hab Dich trotzdem lieb“ heißt und immer montags erscheint. Im Prinzip ist es die Fortsetzung seiner Suche nach den Grautönen des Lebens: Zwei grundsätzlich unterschiedliche Typen sprechen aus grundverschiedenen Perspektiven über dies und das. Immer mit dem Ausblick, dass es am Ende heißt: „Ich hab Dich trotzdem lieb.“ „Aber wir schaffen es meistens gar nicht, uns wirklich zu streiten!“ Und ich höre wieder das Lachen. Oder den Raucherhusten?

Zudem produziert er mit seinem Laden Ponywurst Productions selbst Podcasts. Und er ist Sidekick von Micky Beisenherz auf dessen Tour „Apokalypse & Filterkaffee“. Schon wieder Beisenherz, der ja auch erster Gast im goldenen Van war. Und was macht einen erfolgreichen Podcast aus? „Inhalt, Qualität und Kontinuität: Du brauchst ein Thema, das langfristig funktioniert, technisch muss alles top sein und du brauchst absolute Regelmäßigkeit.“ Letzten Endes ist es auch so, dass sich die Gäste einfach wohlfühlen müssen, damit sie eben auch den Mut haben, ihre Geschichte zu erzählen. Das scheint zu klappen. Ein Gast hat es kürzlich so formuliert: „Du bist ein Herzensmensch dieser Stadt!“