Porträt –

Kunst aus der Schmiede Lehmann

 

 

AUTOR: SVENJA HIRSCH   

FOTOS: GIOVANNI MAFRICI

Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 31

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Metallisches Kling-Klong dringt aus dem Hinterhof der Poolstraße 12. In der Schmiede Lehmann wird Schwerstarbeit geleistet! Geruch von Eisen umweht die alten Gemäuer der einstigen, vom Krieg zerbombten Synagoge, während der Regen nur so auf den niedrigen Bau der Schmiede pladdert. Innen herrschen 50 bis 60° C, Johannes Rienhoff steht am Gasofen: ein junger Typ mit mehr als bloß kräftigen Armen, seit 2012 Inhaber und Chef von etwa vier bis fünf starken Kerlen, die hier täglich das Eisen bügeln. In der „Dackelgarage“, wie der Mann aus Bad Oldesloe seine Schmiede liebevoll nennt, werden herrschaftliche Zäune alter Gründerzeitvillen gefertigt, Ornamente und florale Muster in Treppengeländer gearbeitet und sogar eiserne Hängeduschhauben für Künstlerinnen aus Blankenese von Hand hergestellt. Kunden, die das Besondere schätzen. „Vieles, was wir schmieden, bezieht sich auf die Zeit um 1850. Da ist Hamburg ja so richtig groß geworden“, erzählt er und zeigt Entwürfe von einem seiner letzten Aufträge: ein drei mal vier Meter großes und rund 550 Kilo schweres Gartentor, das er mit Geselle Michael in Winterhude ganz allein eingebaut hat. Ein halbes Jahr hat die Fertigung gedauert, ähnlich anspruchsvoll die Fenstergitter für die Friedenskirche in Altona. „Natürlich kann ich auch einen auf Sozialbau machen: zack, zwei Striche durch, fertig. Aber das ist nicht mein Anspruch.“ Aus dem Anspruch folgte die Entscheidung, seinem damaligem Chef und „altem Bollerkopf“ Dieter Lehmann den Laden mitsamt Kundenstamm abzukaufen. „Wenn ich etwas mache, dann in aller Konsequenz.“ Schon über zehn Jahre hatte der bereits Anfang 80-Jährige einen Nachfolger gesucht. Ohne Rienhoff gäbe es die Schmiede nicht mehr. „Man muss so einen Kiez doch am Leben halten, da gehören Schuhmacher, Schmied und Mechaniker einfach dazu“, sagt Rienhoff und zeigt, wo alle Auftraggeber zuerst Platz nehmen.

Das Büro ist ein niedriger, holzvertäfelter Raum, der nach Großmutters Gästezimmer riecht. Überall Zeichnungen, kunstvolle Skizzen, so detailverliebt und genau, dass man glaubt, in der Stube eines begnadeten Künstlers zu hocken. An dem kleinen Schreib-tisch zwei Stühle mit Fellbezügen. „Wer schon auf diesen Stühlen gesessen hat! Deshalb habe ich hier alles so gelassen, nur das Fell in die Waschmaschine geschmissen.“ Auf dem Kühlschrank an der Seite steht ein Eierkocher: Um 9 Uhr gibt es hier jeden Tag Frühstück, „einen Sixer Eier“ für die Jungs, die dann alle Mann an dem kleinen Tisch Platz nehmen. Mittags geht es zu Hej Papa, dem modernen Bistro direkt gegenüber. Dann wird weiter das Eisen gebogen. „Kneten“, sagt Rienhoff, „eigentlich heißt es, das Eisen kneten.“ Oft zu zweit: heißes Metall über einem Amboss, der erste legt los, gibt den Takt vor. Der zweite steigt ein. „Das ist wie Musik machen.“ Musik, mit der andere nicht immer zurechtkommen: Direkt an der Schmiede kann ein Raum für Aufnahmen gemietet werden. Auch der „Tatort“ war schon dort. „Die denken meist nicht an uns, und wir haben schnell einen vom Filmteam hier stehen, der um Ruhe bittet. Dann nehme ich von denen ein Ausfallhonorar: Wir können ja nicht weiter-arbeiten“, sagt Rienhoff und grinst. Die Krachmacher namens Kehlhammer, Kugelhammer und andere Werkzeuge werden von den Schmieden selbst hergestellt. Althergebracht, nostalgisch irgendwie, denn selbst, wenn einige der Maschinen mit neuerer Technik arbeiten, bleibt es am Ende die geballte Kraft, mit der hier reingekloppt wird. Und auch, wenn zu Hause auf seinem Nachttisch „Narziss und Goldmund“ von Hesse liegt, ein Studium wäre für Johannes Rienhoff nichts gewesen: „Ich muss etwas mit den Händen tun, dem Körper. Ich mag diese Bettschwere, wenn man hart gearbeitet hat, sich auf die Matratze wirft und das Gefühl hat, zentnerschwer darin zu versinken.“ Die komplette Reportage lesen Sie in unserer Ausgabe Sommer 2016.

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