Bucerius Kunst Forum

SPOTLIGHT ALTER WALL

Text: Simone Rickert | Fotos: Julia Schwendner

DH2002_Titel_S.jpg

Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 55

dIE GeheimniSSE des Erfolgs? Kunst zeigen, Hintergründe vermitteln und die Besucher selbst neue Zusammenhänge entdecken lassen – das „Ach so“-Erlebnis, sagt Kathrin Baumstark, ist in die Konzeption jeder Ausstellung bewusst eingearbeitet, sei es Minimal Art oder Antike. Und ein wesentlicher Faktor, ergänzt Andreas Hoffmann, sei die begrenzte Ausstellungsfläche, zwar 250 m2 mehr als vor dem Umzug, aber dennoch relativ wenig. „Das ist für die Kuratorin eine gute Herausforderung, die Konzentration auf die Werke, die wirklich entscheidend sind für die Geschichte, die sie erzählen will. Ein sehr starkes Narrativ“, meint Hoffmann, Geschäftsführer und promovierter Archäologe mit Blick zur künstlerischen Leiterin Baumstark. In München hat sie Kunstgeschichte und Religionswissenschaft studiert.
Seit Gründung 2002 mit jeder Ausstellung eine Geschichte erzählen – dafür sitzen sie beide mit ihrem Team jedes Mal wieder vor einem leeren Blatt Papier, denn das Besondere an diesem Museum ist auch, dass es keine eigene Sammlung hat. Für jede Ausstellung müssen die Exponate aus den Museen der Welt als Leihgabe angefragt werden, und zur Überzeugungsarbeit gehört, neben Raumklima, Sicherheit und Beleuchtung, die Kunst mit einer ganz neuen Fragestellung und aus einer noch nicht da gewesenen Perspektive zu präsentieren. Bei der Wahl der Themen beraten sie sich mit einem Kuratorium, das mit sechs weiteren klugen Köpfen besetzt ist. Und dem Träger des nicht staatlich finanzierten Museums, der „ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius“. Mit vier Schauen locken sie pro Jahr rund 200.000 Besucher an. Einige müssen über Jahre im Voraus geplant werden, andere können etwas schneller umgesetzt werden. Und wirklich jedes Thema in diesem Zickzackkurs durch die Kunstgeschichte wird ihnen beiden zum Herzensprojekt. Über den Hamburger Fotografen Herbert List, dessen Vintage-Prints ab dem 14. Mai zu sehen sind, erzählt Kathrin Baumstark mit mindestens so viel Begeisterung wie vor einem halben Jahr über den Maler Emil Nolde. „Sie merken, ich bin gerade so im Thema drin …“, sie lacht über ihre galoppierende Euphorie. Sicher auch eins der Geheimnisse des Erfolgs: Begeisterung, die sich auf die Besucher überträgt.