Ladage & Oelke

SPOTLIGHT ALTER WALL

Text: Simone Rickert | Fotos: Julia Schwendner

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Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 55

Gegründet 1845 in den damals neu gebauten Alsterarkaden von den Herren Georg Wilhelm Carl Ladage und Johann Diedrich Wilhelm Oelke als Handel für englische Tuche, ist Ladage, wie man in Hamburg kurz sagt, stets in Familienhand geblieben. 2020 haben Selma und Thomas das „Kleidermagazin“ mit einem großen Schritt auf kleiner Distanz verändert: von der Gründungsadresse am Neuen rüber an den Alten Wall. Am Neuen Wall waren sie zwar ihre eigenen Vermieter, aber die Lage am Alten Wall hat den beiden einfach noch besser gefallen. Umgeben von Kunst und Kulinarik, eine Flaniermeile mit unverbaut historischen Blickwinkeln vor der Tür, keine Autos, dafür eine Tiefgarage, und Platz für Coffee Tables in sonniger Himmelsrichtung. Die großen hohen Räume der als Bank erbauten Nr. 22 bieten auf zwei Etagen Platz für das bekannte Sortiment vom unverwüstlichen Ladage-Dufflecoat bis zur Abendgarderobe vom Hoflieferanten Turnbull & Asser, Kleidungsstücke, die man sonst nirgendwo in Deutschland bekommt, schon gar nicht im Internet … Dazu ein Beauty Parlor, in dem Katharina Brito den Herren Haar und Bart stutzt, und vor allem das neue Café.
Tatsächlich fühlt man sich hier mehr als Gast denn als Kunde, und so soll es auch sein. Selma und Thomas haben sich genau überlegt, wie sie das Geschäft ins Hier und Jetzt führen möchten. Wenn Thomas von der „Eventisierung des Einkaufserlebnisses“ spricht, ist der lockere Umgang mit Fachjargon seiner Zeit als Marketingleiter und Prokurist beim FC St. Pauli geschuldet. Damals lernte ihn Selma kennen, die nach dem Mode- und Designstudium ebenfalls dort gearbeitet hat, um sich noch mal kurz außerhalb des Familienunternehmens zu tummeln – aktiv Fußball gespielt haben sie übrigens auch. Gemeinsam haben sie das 177 Jahre alte Geschäft zu einem Ort gemacht, wo man vielleicht hingeht, um ein neues Sakko anzuschauen. Der vor allem aber ein Treffpunkt ist, um alten Bekannten zufällig wieder zu begegnen, einen Small Talk zu halten, der gern mal am Tresen endet – gut, dass dort neben Coffee, Tea and Cake aus der Mutterland-Backstube auch ein hervorragender Gin Tonic gereicht wird. Ein bisschen wie ein Club, nur offen für alle, die den anglizistischen Geschmack teilen.