Akiko

SPOTLIGHT WEXSTRASSE

Text: Simone Rickert Fotos: Giovanni Mafrici

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Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 52

IKEBANA. Die Kunst des Blumensteckens. Akiko ist gerade dabei, das Arrangement vor der Ladentür zu trimmen. Ein Bild der Ruhe, Sorgfalt, Liebe zu jeder einzelnen Blüte. Sie verkauft feinste Waren aus Japan, geschenkt bekommt man einen Moment der Harmonie, der Schönheit. Oft sitzt sie auch an der Nähmaschine, verarbeitet traditionell bedruckte Baumwollstoffe zu modischen Taschen, Accessoires oder Kissen. Das Schneidern hat ihr eine befreundete Designerin aus Tokio beigebracht, mit der sie im Studium in Barcelona ein Atelier geteilt hat. Dort lernte sie auch den Mann, inzwischen Vater ihrer beiden Kinder, kennen, mit dem sie vor 20 Jahren in dessen Heimat Hamburg zog. Ihre erste Wohnung war gleich um die Ecke. Das überschaubare Viertel, in dem man alles zu Fuß machen kann, gefiel ihr von Anfang an: „wie eine Insel mitten in der Stadt.“ Sie schob ihren kleinen Sohn im Kinderwagen spazieren, schaute immer wieder in die Galerie Zen für antike japanische Kunst, die sich damals nebenan befand. Interessiert machte sie dann dort ein Praktikum, danach noch im Museum für Kunst und Gewerbe. Und schließlich gründete sie ihren eigenen Laden, der alles verbindet, was Akiko liebt. „Er ist für mich wie ein Tempel. Wenn ich nähe, mit Kopfhörern auf, fühle ich mich danach wie gereinigt“, lacht sie. Ihr Vater war Priester, ihre Mutter Meisterin der Teezeremonie in dem buddhistischen Tempel, in dem sie als Kind gelebt hat. Aus Kyoto, berühmt für sein traditionelles Handwerk, kommen tatsächlich viele ihrer Produkte, und aus Nagasaki. Die kunstvoll bedruckten Papiere und Stoffe, handbemalte Keramik, gusseiserne Teekannen aus Iwaté. Eine Bibliothek hat sie neuestens eingerichtet, Kunstbücher aus dem Nachlass von Dr. Karl Hennig und seiner Galerie Zen laden zum Verweilen ein. Literatur ist für Akiko die Mitte des Lebens, Werke zeitgenössischer Romanautoren und Dichter führt sie daher natürlich auch. Manchmal lädt sie ihre Kunden zu Workshops ein, Origami, die Kunst des Papierfaltens. Ein wenig hat sie den Laden auch aus Heimweh gegründet und als Botschaft der japanischen Kultur und Kunst in Hamburg. Welch ein Glück für uns: Ihr Geschäft ist wie ein kleines harmonisches Gesamtkunstwerk, vielleicht ein Haiku.