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Café Gnosa
SPOTLIGHT LANGE REIHE
Text: Andrea Hacke | Fotos: Giovanni Mafrici
Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 72
Geschichte wird gemacht An diesem Ort mit den roten Lederbänken, der Holzvertäfelung und einem Kuchentresen mit etwa 20 selbst gebackenen Sorten zur Auswahl sieht fast alles noch so aus wie zu der Zeit, als die erste Besitzerin Frau Gnosa hier fast 50 Jahre im Laden stand. Schon damals existierte eine eigene Konditorei im Keller, der Ort war berühmt für seine Torten und Getränke wie einen „Pharisäer“, also Kaffee mit Rum, einen Kaffee Banane mit frisch geschlagener Sahne, das Kännchen Kaffee für draußen. All das steht auch heute noch auf der Karte, weil Inhaber Michael Morche-Yeh und seine beiden Geschäftspartner den Charme vergangener Tage bewahren wollen. Es gibt hier also kein neumodisches Zeug wie eine Avocado-Stulle oder Matcha-Tee.
Trotzdem geht das „Café Gnosa“, täglich von 10 bis 22 Uhr geöffnet, immer schon mit der Zeit. Als draußen noch Straßenbahnen fuhren und vor der Tür der sogenannte Hausfrauenstrich war, trafen die Damen im Café ihre Handelsvertreter. Danach, 1987, kam man auf die Idee, hier einen Safe Place für Schwule und Lesben zu schaffen, mit Regenbogenflagge am Haus und Außenplätzen, damit es jeder sehen konnte. „Das war übrigens die erste Außenbestuhlung in der Langen Reihe“, erzählt Michael. „Heute kommen alle, sogar Mütter mit Kindern. Manche ältere Schwule finden das eher blöd, aber man kann ja nun nicht darum kämpfen, gleichberechtigt zu sein, und dann wieder den abgegrenzten Keller für sich haben wollen. Dann müssen sie woanders hingehen. Das soll für alle Gäste ein Wohlfühlort sein.“
Für viele Hamburg-Reisende ist es Tradition geworden, nach der Ankunft am Hauptbahnhof gleich ins „Gnosa“ zu laufen. Udo Lindenberg kam öfters vorbei, bevor der Rummel um ihn erneut ausartete. Auch Schauspieler Christian Redl wurde gesichtet. Sie profitieren vom alten Geist des Hauses: hier bitte jeden in Ruhe zu lassen. Einmal aufatmen für alle.
Nur wer sich genau umsieht, entdeckt dann doch was Neues im Fenster: kleine Glücksbringer, ins Haus gekommen über Michaels Ehemann aus Taiwan. „Durch diese Götter soll man ruhig und zufrieden leben, auch mit etwas Geld in der Kasse“, erklärt Michael. Bisher scheinen die Figürchen ihr Bestes zu geben.




