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Faarwel

SPOTLIGHT LANGE REIHE

Text: Andrea Hacke | Fotos: Giovanni Mafrici

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Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 72

Ein eher frohes Ade – das bedeutet „Faarwel“ auf Sylt. So nannten Julia und Renske vor gut zwei Jahren ihren ersten eigenen Laden auf St. Pauli, in dem sie so viel anders machen woll­ten, als sie es bislang in Gesprächen mit traditionellen Bestattern erlebt hatten. Beide lernten sich als Mini-Jobberinnen in einem Beerdigungsinstitut kennen, die Vertrieblerin Julia, angestellt bei Xing, und Renske, die noch die Kommunikation und das Marketing machte für das Ensemble Resonanz.

Keine schlechten Jobs, gerade Julia verdiente mehr als heute, aber da war etwas, das beide nicht losließ: bei Julia ausgelöst durch ihre Schwägerin aus Mexiko und deren Erzählung, wie viel weniger hölzern man dort mit dem Tod umgeht. Bei Renske war es der Tod der Oma, bei der sie aufgewachsen war, von der sie sich aber nicht mal verabschieden konnte, weil sie damals selbst im Krankenhaus lag. Geht das nicht besser? Geht es! Also gründeten die zwei Frauen ihr eigenes Reich, nun das zweite in St. Georg, wo sie die Bedürfnisse der Trauernden sowie den gegangenen Menschen, wie er zu Lebzeiten war, in den Mittelpunkt stellen.

„Letztens hatten wir zum Beispiel die Beerdigung einer Frau Mitte dreißig, die laut ihres Ehemanns immer gern Frittiertes gegessen hat“, sagt Julia. „Und dann haben er und seine kleinen Kinder eben keine Blütenblätter ins Grab geworfen, sondern Chips. Die sie zwischendurch auch gegessen haben.“ Solche Kleinigkeiten geben der Trauer etwas Leichtigkeit, machen eine Beerdigung persönlicher. Bei einer anderen Toten aus dem Ruderclub feierten sie am Alsterkanal, ließen dort Papierschiffchen mit letzten Botschaften aufs Wasser setzen.

„Bei uns geht es nicht um den Verkauf von teuren Särgen, wir nehmen das günstigste Modell oder eben eine nachhaltige Urne“, sagt Renske. „Wir wollen einfach möglichst gut begleiten.“ Ihre Läden sollen für jeden offen sein, ob mit oder ohne Sterbefall. Also finden hier auch mal Konzerte oder Lesungen statt, jede Woche veröffentlichen sie eine neue Folge ihres Podcasts „Neulich im Bestattungsladen“. Damit soll eine mögliche Hemmschwelle abgebaut werden. „Es geht sich leichter hier rein, wenn man uns schon kennt“, sagt Renske. Täglich bemühen sie sich darum, dass der Tod sein Tabu verliert. Und dass der letzte Tag auch etwas Schönes hat.

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