MARKK

SPOTLIGHT ROTHERBAUM

Text: Simone Rickert | Fotos: Giovanni Mafrici

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Diesen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe 51

Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet in Hamburg eine der spannendsten ethnografischen Sammlungen zu finden ist. Der schiere Umfang ist beeindruckend, Alltagsgegenstände, religiöse Objekte, Kunstwerke vieler Herkunftsorte. Seit der Gründung 1879 ist der Bestand auf zirka 260.000 Objekte angewachsen. „Hamburg ist ein Zentrum des Handels. Das spiegelt sich in unserer Sammlung. Uns ist es wichtig, die Beziehung zur Stadtgesellschaft herzustellen, das ist das wirklich Besondere an diesem Museum“, Professorin Barbara Plankensteiner ist 2017 von Wien nach Hamburg gezogen, um die Leitung des Museums zu übernehmen. Ein großer Schritt: die Umbenennung, weg von einem veralteten Bild der Völkerkunde hin zu einem Erleben von Kunst und Kultur aus aller Welt.

Ein fundamentaler Wandel. Die Neupositionierung richtet sich vor allem auf die auch im internationalen Vergleich beeindruckende Sammlung aus. In den 1800er-Jahren war es im Bürgertum en vogue und ein Ausdruck von Weltgewandtheit und Wohlstand zugleich, Kunstwerke aus Übersee zu erwerben. Sie wurden im Hafen längsseits mit Kaffee und Tee entladen. Spenden und Schenkungen ließen den Bestand des Museums schnell wachsen, sodass 1912 der prachtvolle Neubau eröffnet wurde. Die relativ gute Dokumentation der Herkunft ist ebenfalls eine Besonderheit, die reich bestückte Bibliothek, die übrigens öffentlich ist, Fotografien, alte Handelsbücher: Viele Museen weltweit konsultieren das Archiv für Provenienzrecherchen. Die Auseinandersetzung mit Kolonialismus und Rassismus ist wichtig in einer offeneren Gesellschaft. Wissen über die Kulturen jenseits von Europa vermitteln, mit Begeisterung und Neugierde, darin sieht Barbara Plankensteiner die Stärke und Rolle des MARKK in der Hamburger Museumslandschaft. Oft sind es die kleinen, unscheinbaren Objekte, die eine besonders spannende Geschichte erzählen. „Ich bin immer wieder begeistert, was sich bei uns alles findet.“ Sie stammt aus Südtirol. Hier im Museum hat sie Kartenspiele und wunderschöne Masken entdeckt, die auch sie als Sozialanthropologin von ihrer eigenen Herkunftsgesellschaft nicht kannte.